FAQ

Häufig gestellte Fragen zum Thema Medikamente

(FAQ – Frequently Asked Questions)

 

Ihre Frage ist nicht dabei? Sie haben eine speziellere Frage, die nur Ihre Situation betrifft? Für weitere Informationen rund um die Medikation stehen wir Ihnen unter der Email-Adresse medikamente@arvc-selbsthilfe.org gerne zur Verfügung.

 

Nein, leider aktuell noch nicht. Aber: Medikamente können den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. Sie entlasten das Herz, schützen vor schwerwiegenden Arrhythmien und helfen, (weitere) Veränderungen im Gewebe aufzuhalten.

Für Mutationsträger, die keine Veränderung in EKG/ Ultraschall/ MRT zeigen und keine Beschwerden (insbesondere keine Herzrhythmusstörungen) haben, wird i.d.R. keine Therapie empfohlen. Die Notwendigkeit sollte bei regelmäßigen Kontrolluntersuchungen immer wieder neu bewertet werden. Siehe auch: > Empfehlungen zur Medikation laut Konsensus-Papier.
Medikamente werden meist dann eingesetzt, sobald es Hinweise auf erste strukturelle Veränderungen im Herzen gibt (Arrhythmien im EKG, Gewebsveränderungen im Echo/MRT).

Manche Ärzte starten aber auch schon bevor Symptome auftreten – teilweise bereits ab älterem Kindes-/ Jugendalter – mit einer kleinen Dosis Betablocker.

Auch verweisen wir an dieser Stelle auf den Posterbeitrag “Geplante klinische Studie zur Vorlastsenkung bei ARVC – PREVENT ARVC” von Dr. Larissa Fabritz (University of Birmingham, Institute of Cardiovascular Sciences), der im Rahmen des Symposiums “ARVC-Selbsthilfe trifft Fachwissen” am 23. Februar 2019 präsentiert wurde: > Posterbeitrag (PDF). Hier geht es um zwei Medikamente, die – prophylaktisch eingesetzt – das Herz frühzeitig entlasten sollen, damit die Krankheit nicht/ weniger stark ausbricht.

Rund um den aktuellen Stand zu neuartigen Therapien (Gentherapien, Einsatz von Stammzellen etc.) informierte Prof. Brenda Gerull in einem Kurzvortrag bei unserem Symposium 2019: > Kurzvorträge und Vortragsfolien

Einige Medikamente, die auf das Herz-Kreislauf-System wirken, senken Blutdruck und Puls. Das kann Müdigkeit, Schwäche oder Schwindel hervorrufen. Der Körper braucht nach einer Neueinstellung oder Dosiserhöhung ca. 2-3 Wochen, um sich an die neue Situation zu gewöhnen. Meistens bessern sich die Beschwerden deshalb im Verlauf.

Wenn das nicht der Fall ist oder wenn die Beschwerden plötzlich unter schon länger laufender Therapie auftreten, sollte mit dem Arzt Rücksprache gehalten werden. Mögliche Maßnahmen können dann eine Dosisreduktion, ein langsameres Aufdosieren, die Einnahme zu einer anderen Tageszeit, oder auch der Wechsel auf ein anderes Präparat sein. Es kann durchaus auch ein Wechsel innerhalb der gleichen Substanzklasse helfen (z.B. von einem Betablocker auf einen anderen Betablocker).

Dazu gibt es leider keine Studien. Meist wird auf gängige und gut erprobte Betablocker, wie z.B. Bisoprolol, Carvedilol, Nebivolol oder Metoprolol, zurückgegriffen. Sie alle schirmen das Herz gegenüber dem Einfluss von Stresshormonen ab. Dadurch wirken sie Arrhythmien entgegen und schützen vor einem zu starken Anstieg der Herzfrequenz.

Die Wirksamkeit sollte individuell überprüft werden (z.B. mittels Langzeit-EKG, Belastungs-EKG). In manchen Fällen wird Sotalol empfohlen, da es stärker antiarrhythmisch wirkt, als klassische Betablocker.

Das muss individuell ausprobiert werden und ist bei jedem Patienten unterschiedlich. In aller Regel wird mit einer niedrigen Dosis gestartet und langsam gesteigert.

Die Dosierung muss hoch genug sein, um Rhythmusstörungen effektiv zu reduzieren, sollte aber gleichzeitig noch gut verträglich sein (Herzfrequenz, Blutdruck, Müdigkeit/ Schlappheit). Die Dosis kann im Verlauf auch variieren bzw. vom Arzt angepasst werden. Hinweise darauf, ob die aktuelle Einstellung ausreichend ist, liefert z.B. ein Langzeit- oder Belastungs-EKG.

Betablocker haben Einfluss auf die Lunge und können bei Asthmatikern u. U. einen Asthma-Anfall auslösen. Zudem wirken unter Einnahme von Betablockern Bedarfsmedikamente gegen Asthma (z.B. Salbutamol Dosieraerosol) weniger stark. Deshalb gilt Asthma normalerweise als Kontraindikation für Betablocker. In Fällen, in denen es aber keine Alternative für einen Betablocker gibt, kann bei leichtem bis mittelschwerem Asthma nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und unter engmaschiger Kontrolle ein Beta1-selektiver Betablocker eingesetzt werden (z.B. Nebivolol, Meptoprolol, Bisoprolol). Ungeeignet sind unselektive Betablocker, wie z.B. Carvedilol oder auch Sotalol.

Übrigens: nicht selten werden die Symptome einer ARVC mit asthmatischen Beschwerden verwechselt. Die Diagnose Asthma sollte also durch einen Lungenfacharzt gesichert werden.

Quellen:
Nationale Versorgungsleitlinie Herzinsuffizienz, 2021

Artikel zu kardiovaskulären Erkrankungen und Betablockern, Ärzteblatt 2017

Ja, auch Sotalol schirmt als Betablocker das Herz vor Stresshormonen ab. Zusätzlich wirkt es gegen Herzrhythmusstörungen durch Blockade von Kalium-Kanälen. Dieser Effekt tritt erst bei höheren Dosierungen auf.

Tatsächlich ist es wichtig, dass während der Behandlung mit Sotalol in regelmäßigen Abständen Kontrolluntersuchungen stattfinden (z.B. Standard-EKG, Langzeit-EKG, Elektrolyte). Dabei geht es v.a. darum, Veränderungen im EKG (QT-Zeit) rechtzeitig zu erkennen.

Zielwerte Elektrolyte:
Magnesium: > 1mmol/L
Kalium: > 4mmol/L ("hochnormaler Bereich")

Quellen:
Mubarik & al. - Sotalol (2020)
Fachinformation Sotalol-ratiopharm Tabletten (Stand: Juni 2020)

Als QT-Zeit wird eine bestimmte Strecke im EKG bezeichnet. Sie beschreibt die Zeit, in der sich die Erregung über die Herzkammern ausbreitet und wieder zurückbildet. Diese Zeitspanne kann aus verschiedenen Gründen verlängert sein. Hierzu zählt auch die Einnahme bestimmter Medikamente.

Ist die QT-Zeit verlängert, steigt das Risiko, eine sogenannte Torsade-de-Pointes-Arrhythmie (TdP) zu entwickeln. Sie kann leicht Kammerflimmern übergehen. Um diese Verkettung zu vermeiden, sollte die QT-Zeit möglichst unter einem bestimmten Schwellenwert bleiben. Das kann der Kardiologe anhand eines EKGs überprüfen.

Selber spürt man TdP-Arrythmien nicht unbedingt. Hinweise darauf können Schwindel oder (Prä-) Synkopen sein.

– auf einen ausgeglichenen Elektrolythaushalt achten (Kalium, Magnesium). Siehe auch: > Magnesium und Kalium.

Vorsicht bei Einnahme weiterer Medikamente. Ärzte und Apotheker unbedingt auf die Einnahme des Antiarrhythmikums hinweisen, konkret nach möglicher QT-Zeit-Verlängerung fragen. Je mehr Medikamente eine QT-Zeit-Verlängerung bewirken, desto größer das Risiko. Hier sollte dann sorgfältig abgewogen werden. Davon betroffen sind ganz verschiedene Medikamente, z.B. bestimmte Antidepressiva, Antibiotika, Antiallergika, etc..

Vorsicht in der Selbstmedikation (auch hier gibt es Mittel, die die QT-Zeit zusätzlich verlängern). Siehe auch: > Hausapotheke.

Im Alltag regelmäßig daran zu denken, Medikamente einzunehmen, ist gar nicht so einfach.
Diese Tipps können dabei helfen:

– Blister an einen gut sichtbaren Platz legen
– Einnahme mit einer bestimmten, IMMER erledigten Routine-Tätigkeit verknüpfen [z.B. Zähneputzen, Beginn zu Kochen (hilfreich bei Einnahme vor dem Essen), Kaffee kochen, …]
Dispenser mit einzelnen Wochentagen
– Erinnerungsmeldungen im Smartphone/ Medikamenten-App
System anlegen, aus dem klar ersichtlich ist, welche Tabletten wann genommen werden müssen (z.B. zweireihige Blister: morgens links, abends rechts). Sorgt für Überblick, ob die Tabletten schon eingenommen wurden.

Hersteller, die das Original-Präparat nachahmen, müssen nachweisen, dass der Wirkstoff in gleicher Menge und Geschwindigkeit im Blut landet. Kleinste Schwankungen sind auch innerhalb der Tabletten ein und desselben Herstellers erlaubt und nicht zu vermeiden. Für die meisten Wirkstoffe ist ein Wechsel auf eine andere Firma unproblematisch.

Es gibt allerdings Medikamente, bei denen ein Austausch kritisch sein kann. Hierzu zählen auch Antiarrhythmika: z.B. Amiodaron, Sotalol, Flecainid – unter Umständen auch ein ganz “normaler” Betablocker, der die Funktion eines Antiarrhythmikums einnimmt. Gerade nach langwieriger Einstellung oder instabilem Zustand ist es absolut gerechtfertigt, das Medikament NICHT auszutauschen, da von der zuverlässigen Wirkung zu viel abhängt.

Um einen Austausch sicher zu verhindern, kann der Arzt bei gesetzlich versicherten Patienten ein sogenanntes “aut-idem-Kreuz” auf das Rezept setzen (wird oft nicht gerne gemacht), oder die Apotheke meldet mit einer Sonderziffer sogenannte “pharmazeutische Bedenken” an und begründet diese schriftlich gegenüber der Krankenkasse. (Nicht nur) hier ist es ratsam, eine Stamm-Apotheke vor Ort zu haben, die Sie als Patienten mit Ihrer Medikation kennt und die Situation einschätzen kann.