Medikamente

Medikamente

Ein Hinweis vorab: Medikamente sollten nie eigenmächtig abgesetzt oder gewechselt werden. Die Therapieentscheidung obliegt in jedem Fall dem behandelnden Arzt.
Die genannten Medikamente stellen weder eine Empfehlung noch eine vollständige Auflistung bestimmter pharmakologischer Klassen oder verfügbarer Substanzen dar. Dieser Artikel wurde von einer Pharmazeutin/Apothekerin mit der Zusatzqualifikation AMTS-Managerin (AMTS = Arzneimitteltherapiesicherheit) geschrieben (Stand: Juli 2019)

Wenn Sie spezielle Fragen bezüglich Ihrer Medikation haben, wenden Sie sich an unsere beratende Pharmazeutin unter medikamente@arvc-selbsthilfe.org.

> Übersicht der häufig bei ARVC verwendeten Medikamente
> Einnahme von Magnesium und Kalium

1. Ziel der medikamentösen Therapie

Ziel der medikamentösen Behandlung bei ARVC ist eine Linderung von Symptomen durch
– Kontrolle von Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen)
– Entlastung des Herzens
– Verzögerung des Gewebeumbaus
– Therapie einer bestehenden Herzinsuffizienz (Herzschwäche)

Möglichkeiten, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen, sind Gegenstand laufender Studien. Wir verweisen an dieser Stelle auch auf den Posterbeitrag “Geplante klinische Studie zur Vorlastsenkung bei ARVC – PREVENT ARVC” von Dr. Larissa Fabritz (University of Birmingham, Institute of Cardiovascular Sciences), der im Rahmen des Symposiums “ARVC-Selbsthilfe trifft Fachwissen” am 23. Februar 2019 präsentiert wurde.
> Posterbeitrag (PDF)

 

2. Allgemeine Tipps zur Medikamenteneinnahme

Um eine möglichst sichere und zuverlässige Wirkung der Medikamente und damit einen optimalen Therapieerfolg zu erreichen, gibt es ein paar Dinge bei der Einnahme zu beachten. Manches mag banal und selbstverständlich erscheinen, die Wirksamkeit und Verträglichkeit kann mit wenigen Mitteln aber ganz entscheidend beeinflusst werden.

– Therapiebeginn und Nebenwirkungen:
Nicht immer ist ein gewinnbringender Effekt direkt spürbar. Gerade die ersten Wochen einer neuen Therapie können besonders belastend sein. Hier ist Durchhaltevermögen gefragt! Anfängliche Nebenwirkungen (Schwindel, Müdigkeit, niedriger Blutdruck etc.) lassen oft nach 2-3 Wochen nach. Sollte dies nicht der Fall sein und der Alltag zu stark beeinträchtigt sein, sollte mit dem Arzt Rücksprache gehalten werden. Manchmal ist eine langsamere Dosissteigerung, eine Dosisreduktion oder der Wechsel auf ein anderes Präparat möglich.

– Lagerung und Einnahme:
Beim “Stellen” im Voraus und Teilen von Tabletten können nennenswerte Mengen Wirkstoff verloren gehen, auch wenn das mit bloßem Auge nicht sichtbar ist (Abrieb, Einfluss von Licht, Luftfeuchtigkeit, Wärme). Am besten ist es, Tabletten nicht im Voraus aus dem Blister zu nehmen, sondern erst unmittelbar vor der Einnahme. Bei Dosetten, die für eine Woche im Voraus konzipiert sind, auf korrekte Lagerung achten: <25°C an einem dunklen, trockenen, für Kinder nicht erreichbaren Ort (ungünstig: Küche, Fensterbank, Badezimmer).
Möglichst auf Teilung von Tabletten verzichten. Wenn Teilung unbedingt notwendig ist: sachgerechte Teilung. Eine Kerbe bedeutet nicht automatisch Teilbarkeit. Apotheken können hier Auskunft geben und haben Zugriff auf entsprechende Datenbanken.
Am wichtigsten ist aber die Praktikabilität. Was schafft im Alltag eine gute Übersicht und hilft, die Medikamente regelmäßig einzunehmen?

– Einnahmemodus:
Einnahme mit einem großen Glas Wasser. Es gibt mehrere Engstellen in der Speiseröhre, an denen Tabletten und Kapseln gerne hängen bleiben. Folge: Der Wirkstoff kommt nicht am Wirkort an und ggf. wird die Speiseröhre angegriffen.
Sehr wichtig: Medikamente nicht mit Heißgetränken einnehmen (manche Wirkstoffe werden dadurch zerstört). Kaffee ist durch den hohen Gerbstoffgehalt besonders ungünstig.

– Einnahmezeitpunkt:
Medikamente regelmäßig, am besten immer zur gleichen Zeit, einnehmen. Ob ein Medikament vor oder nach einer Mahlzeit eingenommen werden sollte, hängt vom Wirkstoff, der Technologie der Arzneiform (Retardtablette, Tablette, magensaftresistente Tablette, …) und vom gewünschten Effekt ab. Auch wenn bei einem Medikament beide Varianten möglich sein sollten, kann es einen Unterschied im “Anfluten” des Wirkstoffs geben. Hier kann die Einnahme vor/ nach der Mahlzeit gezielt genutzt werden, um zu steuern, wie schnell und wie stark ein Effekt eintritt – bzw., wie lange die Wirkung anhält. Dies lässt sich nicht verallgemeinern und muss wirkstoff- (und tatsächlich auch präparatspezifisch) entschieden werden.

Sotalol: 1h vor den Mahlzeiten einnehmen. Der Wirkstoff wird sonst nicht vollständig vom Körper aufgenommen. Insbesondere Milch/ Milchprodukte verhindern die Aufnahme. Dies wird bei Erstverordnung nicht immer kommuniziert.

Flecainid: 1h vor den Mahlzeiten einnehmen.

– Notwendige Kontrollen:
Regelmäßige Kontrolle der Elektrolytwerte sind bei vielen Medikamenten nötig. Hier sollte v.a. der Kaliumspiegel im Auge behalten werden, da einige Medikamente (ACE-Inhibitoren, “Sartane”, Aldosteronantagonisten, s.u.) den Kaliumwert erhöhen, was zu unerwünschten Rhythmusstörungen führen kann. Gleichzeitig kann auch ein zu niedriger Kaliumwert das Risiko für gefährliche Arrhythmien verstärken.
Insbesondere unter Einnahme von QT-Zeit-verlängernden Medikamenten (z.B. Sotalol, Amiodaron) ist ein ausgeglichener Kalium-Haushalt wichtig. Optimalerweise ist ein Kaliumspiegel im hochnormalen Bereich anzustreben. Von einer pauschalen Einnahme von Kaliumpräparaten ist abzuraten, die Substitution kann aber in vielen Fällen sehr sinnvoll sein.

– Wechselwirkung mit anderen Medikamenten:
Vorsicht bei Medikamenten in der Selbstmedikation und bei von anderen Fachärzten verordneten Präparaten (z.B. anticholinerge Arzneimittel, QT-Zeit-verlängernde Substanzen, Sympathomimetika, Corticosteroide, Medikamente mit Einfluss auf den Elektrolythaushalt, einige entzündungshemmende Medikamente…). Die Notwendigkeit sollte vor dem Hintergrund der speziellen Situation bei ARVC besonders kritisch hinterfragt werden. Nicht jeder Arzt hat auf die Schnelle den möglichen Einfluss auf einen empfindlichen Herzrhythmus im Blick.