SCHWANGER
MIT ARVC –

MEDIZINISCHE ASPEKTE

Obwohl eine Schwangerschaft ähnliche physiologische Mechanismen wie intensiver Sport aufweist und eine Schwangerschaft manchen Frauen wie ein neun Monate andauernder Marathon vorkommt, sind die Berichte über Schwangerschaften mit ARVC ermutigend. 
Ausführliche Informationen zu der Studienlage und medizinischen Leitlinien zu Schwangerschaft und Geburt finden Sie hier.

Kritisch kann eine Schwangerschaft bei Patientinnen mit ausgeprägter Herzschwäche sein. Sie sollten auf das Risiko einer Verschlechterung der Herzschwäche durch eine Schwangerschaft hingewiesen werden. Auch bei einer sehr hohen Arrhythmielast kann eine Schwangerschaft problematisch sein.

Schwanger mit ARVC – was tun?

Sobald Sie schwanger sind, sollten Sie Ihren Kardiologen/ihre Kardiologin informieren, um einen ersten Termin zu vereinbaren. 

Idealerweise sollte eine Beratung durch ein multidisziplinäres Team in einer Spezialambulanz erfolgen, um das Risiko einer Schwangerschaft für die werdende Mutter nach der modifizierten Klassifikation der World Health Organization 2.0 einzuschätzen. Unserer Erfahrung nach existiert solch ein Team aus Kardiologen, Gynäkologen und Geburtshelfern, das sogenannte „Pregnancy Heart Team“, wie es in den europäischen Leitlinien von 2025 empfohlen wird, in Deutschland allerdings nur selten.

Wenn nicht bereits kurz vor der Schwangerschaft passiert, sollte bei der schwangeren ARVC-Patientin ein kompletter kardiologischer Check-Up mit EKG, Ultraschall (Echo) und Belastungs-EKG zur Risikoeinschätzung erfolgen. 

Wenn die Themen Medikamente und/oder ICD bzw. sonstige diagnostische und therapeutische Maßnahmen nicht bereits vor der Schwangerschaft besprochen wurden, sollte dies nun erfolgen. Setzen Sie auf keinen Fall eigenmächtig Medikamente ab, sondern besprechen Sie das schnellstmöglich mit Ihrem/r Kardiologen/-in! Die europäische Schwangerschaftsleitlinie von 2025 empfiehlt explizit, Betablocker weiterzunehmen (Ausnahme: Atenolol) oder sogar zu beginnen, wenn nötig.

Vereinbaren Sie mit Ihrer Kardiologin/Ihrem Kardiologen, wie oft er Sie in der Schwangerschaft sehen möchte. Die Häufigkeit der Kontrollen richtet sich nach der individuellen Situation.

Auch die Wahl einer geeigneten Geburtsklinik sollte nun in Absprache mit dem betreuenden Gynäkologen/Gynäkologin diskutiert und dort ein Vorstellungstermin vereinbart werden. Mehr dazu hier.

Bei den Kontrollen sollte darauf geachtet werden, dass Elektrolyte (insbesondere das Kalium) kontrolliert und ggf. ausgeglichen werden sollten. Unserer Erfahrung nach passieren die wenigen unerwünschten Events in der Schwangerschaft fast immer bei einem niedrigen Kaliumspiegel (<4,0 mmol/l). Bei Veränderungen in den Laborwerten der Schilddrüse (insbesondere eine Schilddrüsenüberfunktion oder Hyperthyreose) sollte die Hormonbalance durch Medikamente wiederhergestellt werden. Außerdem sollte eine Anämie (Blutarmut, niedriger Blutfarbstoff Hb) frühzeitig behandelt werden, um das Herz nicht noch mehr zu belasten. Bei Herzschwäche wird die regelmäßige Kontrolle von NTproBNP empfohlen, in jedem Fall bei Auftreten neuer oder Verschlechterung bestehender Symptome einer Herzschwäche.

Eine (auch vorübergehende) Wehenhemmung mit Betamimetika ist bei ARVC-Patientinnen NICHT möglich, da diese eine gegensätzliche Wirkung wie Betablocker haben und deshalb zu gefährlichem Herzrasen führen können.

Genspezifische Besonderheiten finden Sie ggf. im Fachwissensteil bei den Genvarianten.

Wenn Sie irgendwann (Monate oder Jahre) nach der Geburt planen, das Kind auf die familiäre Genvariante untersuchen zu lassen, dann nehmen Sie unbedingt bereits in der Schwangerschaft Kontakt mit dem zuständigen Genlabor auf und fragen Sie nach, ob das Nabelschnurblut kostenlos für eine spätere Testung aufgehoben wird. Wenn ja, sprechen Sie außerdem bereits im Vorfeld der Geburt gemeinsam mit dem Geburtshelferteam und dem Labor ab, wie das Nabelschnurblut entnommen, aufgehoben und versandt werden soll.

Symptome in der Schwangerschaft

Herz-Beschwerden können in der Schwangerschaft subjektiv oder objektiv gleichbleiben, sich verschlechtern oder sogar verbessern. Inwieweit das auch wissenschaftlich nachvollziehbar ist, können Sie hier nachlesen.

Manche Beschwerden, die sehr typisch für eine Schwangerschaft sind (z.B. schwacher Kreislauf, Rückgang der Leistungsfähigkeit, erhöhter Puls), können zunächst alarmierend wirken, da sie Herzproblemen ähneln können. Hier ist eine vertrauensvolle Beziehung zum behandelnden Arzt oder Ärztin hilfreich, um zügig eine richtige Einschätzung der Symptome zu treffen und Sorgen zu reduzieren. So ist beispielsweise der Anstieg der mittleren Herzfrequenz von 60/min. auf 80/min. in der zweiten Schwangerschaftshälfte völlig normal und tritt auch bei gesunden Schwangeren auf. Sie normalisiert sich schnell innerhalb von zwei Wochen nach der Geburt.

Andere in der Schwangerschaft neu aufgetretene Symptome können in den ersten 6-12 Monaten nach der Geburt auch wieder verschwinden, so wie sie gekommen sind. So lange braucht der Körper in der Regel, bis sich alle Veränderungen, die in der Schwangerschaft stattgefunden haben, zurückbilden. Erfahrungen zeigen auch, dass Symptome nach den ersten zwei bis drei Lebensjahren des Kindes zurückgehen können, sobald die Nächte ruhiger und Aspekte des Alltags möglicherweise weniger anstrengend sind.

Informieren Sie im weiteren Verlauf der Schwangerschaft Ihren Arzt/Ihre Ärztin unbedingt, wenn für Sie beunruhigende Symptome auftreten. In den meisten Fällen kann dann Entwarnung gegeben werden. Bei neu auftretenden Rhythmusstörungen, die vor der Schwangerschaft nicht bestanden, sollte unbedingt eine Abklärung erfolgen.

Mehr erfahren


FAQ Schwangerschaft – Häufig gestellte Fragen


Letzte Aktualisierung: 02.08.2026

Die Informationen dieser Website ersetzen keine ärztliche Beratung. Jeder Fall ist individuell. Gesamteinschätzung, Diagnose und Auswahl einer angemessenen Therapie gehören daher immer in die Hände eines erfahrenen Arztes. Gerne helfen wir, Kontakt zu einem Expertenzentrum herzustellen.