Covid-19-Impfung

Impfung gegen Covid-19 (Stand: 14.06.2021)

Auf dieser Seite finden Sie alles Wissenwerte zur Impfung gegen Covid-19, insbesondere zu
> Impfpriorisierung,
> Voraussetzungen für eine Impfung,
> Impfung nach Covid-19-Infektion,
> Impfung von Allergikern,
> Impfung bei Einnahme von Blutverdünnern,
> Impfung von Schwangeren,
> Impfung von Kindern,
> Impfung von Herztransplantierten,
> Impfschema, insbesondere Impfintervall, Impfung mit 2 verschiedenen Impfstoffen und Auffrischimpfungen,
> Impfstoffen, insbesondere von Biontech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca und Johnson&Johnson/Janssen,
> Verhalten nach der Impfung
> Nebenwirkungen der Impfstoffe, incl. besonderen Nebenwirkungen von mRNA-Impfstoffen und Vektorimpfstoffen sowie bei Impfstoffwechsel,
allgemeiner Impfempfehlung,
> Immunität nach der Impfung und
> Ansteckungs- und Übertragungsgefahr trotz Impfung
> Mehr Informationen zur Impfung
> Andere Impfungen

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Artikel, die wir für Sie für relevant halten, werden laufend aktualisiert
> Auflistung von Artikeln und Empfehlungen zu Covid-19
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Impfpriorisierung des Bundesgesundheitsministeriums bzw. der STIKO

Stand 07.06.2021

Mit Wirkung zum 07.06.2021 ist die Priorisierung aufgehoben, wird aber in einigen Bundesländern zumindest in den Impfzentren noch aurechterhalten, da die PatientInnen der Priorisierungsgruppe 3 noch niicht vollständig durchgeimpft sind.

Historie: Stand 01.04.2021
Die STIKO (Ständige Impfkommission) hat eine Priorisierung in sechs Gruppen vorgeschlagen, die allerdings in der Impfverordnung, in der die Reihenfolge der Impfungen festgelegt wird, nicht berücksichtigt wurde. Leider ist das auch auf der Seite des Robert-Koch-Instituts nicht ganz klar beschrieben. Also: STIKO hat 6 Gruppen (5 Priorisierungsgruppen und alle anderen, die nicht darunter fallen) – in der Impfverordnung sind es nur 4 Gruppen (3 Priorisierungsgruppen und alle anderen, die nicht darunter fallen). Relevant für uns ist die Impfverordnung und nicht die STIKO-Empfehlung.

ARVC-Patienten unter 60 Jahre fallen nach derzeitigem Stand in die dritte Kategorie “erhöhte Priorität” (Stichwort: “Arrhythmie” und/oder “Herzinsuffizienz”). Dazu benötigt man ein Attest vom behandelnden Arzt. In diesem muss formlos bestätigt werden, dass beim Patient XY “eine Erkrankung im Sinne von §4 Ziffer 2 der Impfverordnung“ vorliegt (erhöhtes Arrhythmierisiko aufgrund von ARVC). Die Ausstellung kostet laut Impfverordnung pauschal € 5. Möglicherweise langt aber einfach das Mitbringen des letzten Arztbriefs, den in der Diagnose ARVC ist das Wort arrhythmogen (“Arrhythmie”) ja bereits enthalten. Mit dem ärztlichen Attest ist man aber auf der sicheren Seite.
> Bundesanzeiger zur Impfpriorisierung-§4 (01.04.2021)

Eine Ausnahme sind die Herztransplantierten, die in die zweite Kategorie “hohe Priorität” fallen. Und natürlich alle, die aufgrund Alter, Beruf, zusätzlichen Erkrankungen oder Kontaktstatus (z.B. zu Schwangeren, als pflegender Angehöriger – dies aber nur, wenn eine Pflegestufe anerkannt ist) einer höheren Kategorie zuzuordnen sind.
Nachdem momentan die meisten der Impfwilligen in Kategorie 1 durchgeimpft sind, werden derzeit die Menschen, die in Kategorie 2 fallen (also die über 70-Jährigen etc.), durchgeimpft.
Neu in der Impfverordnung vom 1. April 2021 ist allerdings, dass in diese Kategorie nun auch alle gesunden Menschen mit hohem Kontaktrisiko fallen, also ÄrztInnen, ErzieherInnen, GrundschullehrerInnen, PolizistInnen u.a., dadurch rutschen allerdings die Menschen mit chronischer Erkrankung in der Priorisierung immer weiter nach hinten.
Allerdings sind im Bereich der seltenen Erkrankungen seit der Impfverordnung vom 10. März 2021 Einzelfallentscheidungen möglich. Wenn Ihr Arzt Ihnen per Attest bestätigt, dass Sie nicht nur ein “erhöhtes”, sondern ein “sehr hohes Risiko” für einen schweren Verlauf haben, dann können Sie in die 2. Kategorie hochgestuft werden. Das könnte z.B. der Fall sein, wenn Sie besonders arrhythmieanfällig sind. Einzelheiten müssen Sie im Gespräch mit dem behandelnden Arzt klären. In dem Attest muss formlos bestätigt werden, dass beim Patient XY “eine Erkrankung im Sinne von §3 Ziffer 2 der Impfverordnung“ vorliegt (sehr hohes oder hohes Risiko aufgrund von ARVC). Die Ausstellung kostet laut Impfverordnung pauschal € 5.
Wir haben mittlerweile einige Mitglieder, die aufgrund eines solchen Attests geimpft wurden, obwohl sie deutlich jünger als 60 Jahre sind.
> Bundesanzeiger zur Impfpriorisierung-§3 (01.04.2021)

Unser Tipp für den Impftermin:
– Grundsätzlich fällt jeder ARVC-Patient in Priorisierungsgruppe 3 („erhöhtes Risiko“) wegen der Arrhythmie
– Melden Sie sich an verschiedenen Stellen (zentrale Impfzentren, Hausarzt, Härtefallstelle) an
Einzelfallentscheidung: sprechen Sie Ihren Arzt an, ob er Ihnen ein Attest ausstellt, dass Sie in die Priorisierungsgruppe 2 mit hohem und sehr hohem Risiko fallen. Einzelheiten müssen Sie im Gespräch mit dem behandelnden Arzt klären. In dem Attest muss formlos bestätigt werden, dass beim Patient XY “eine Erkrankung im Sinne von §3 Ziffer 2 der Impfverordnung“ vorliegt (sehr hohes oder hohes Risiko aufgrund von ARVC). Die Ausstellung kostet laut Impfverordnung pauschal € 5. Erwähnen Sie ruhig, dass viele andere ARVC-Patienten solch ein Attest von ihrem Arzt/ihrer Ärztin bekommen haben. Wir haben mittlerweile viele Mitglieder, die aufgrund eines solchen Attests geimpft wurden, obwohl sie deutlich jünger als 60 Jahre sind.
Härtefallstelle: Antrag auf Härtefallentscheidung mit Einstufung in 2 (s.o.)! Bei einem Mitglied, das Mutationsträgerin ohne Symptome ist, war mit der Einreichung von Attest für Gruppe 3 (das übrigens jeder ARVC-Patient bekommen muss!), Gendiagnostik-Bericht und einer kurzen Beschreibung der Lebenssituation, der Antrag erfolgreich
– Lassen Sie sich bei Ihrem Hausarzt auf die Liste setzen oder suchen Sie sich einen neuen Hausarzt, der bereit ist, das zu tun
– Lassen Sie sich auf kurzfristige Einspring-Listen im Impfzentrum oder beim Hausarzt setzen für kurzfristige Ausfälle oder übriggebliebene Dosen
– Wenn Sie unter 60 Jahre alt sind, geben Sie an, dass Sie auch einen Impfstoff von AstraZeneca oder Johnson&Johnson akzeptieren – für diese ist die Priorisierung aufgehoben
– Versuchen Sie es auf der Website von Sofort-Impfen , dort werden freie Impftermine gesammelt

Mehr Artikel zum Thema:
> Auflistung von Artikeln und Empfehlungen zu Covid-19
> Artikel im Deutschen Ärzteblatt vom 29.01.2021 “Formlose Bescheinigung beim Impfattest ausreichend”
> Praxisnachrichten der kassenärztlichen Bundesvereinigung KBV vom 19.01.2021
> FAQ des Bundesgesundheitsministeriums: Frage “Wer wird zuerst geimpft?”
> Artikel im Deutschen Ärzteblatt vom 18.12.2020
> Vorläufige STIKO-Empfehlungen zur Impfpriorisierung (Stand 07.12.2020)
> Unsere Stellungnahme zum Risiko einer Covid-19-Infektion für ARVC-Patienten vom 23.11.2020

Wer ungefähr wissen möchte, wann er dran ist mit Impfen, kann sich die Zeitspanne im Internet von einem der verfügbaren “Impstoffrechner” berechnen lassen. Abhängig ist das aber natürlich von der Lieferung der Impfstoffe, lokalen Kapazitäten beim Impfen und der Impfbereitschaft in der Bevölkerung. ARVC-Patienten fallen bei der Angabe von Risiken in die Kategorie “Arrhythmie” und damit Priorisierungsgruppe 3.


Voraussetzungen für eine Impfung

Alter
Die Impfstoffe sind zugelassen ab einem Alter von 16 Jahren.

Akute Covid-19-Infektion
Vor dem Impfen und direkt an der Impfstation muss kein Covid-19-Test (weder PCR- noch Antikörpertest) gemacht werden, solange man keine Symptome aufweist. Die Verträglichkeit der Impfung wird durch eine akute Infektion auch nicht negativ beeinflusst. Das Immunsystem wird durch den Impfstoff sogar zusätzlich unterstützt und kann die Infektion leichter kontrollieren.

Akute andere Infektionen
Eine Impfung bei akut Erkrankten mit Fieber über 38,5 Grad leidet, sollte nicht geimpft werden. Bei einer Erkältung oder leichtem Fieber unter 38,5 Grad kann geimpft werden.

Nicht geimpft werden derzeit
– Schwangere (nur nach ausführlicher Aufklärung, s.u.)
– stillende Frauen
– Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren (Comirnaty® von Biontech ist für die Altersgruppe 12 – 15 Jahre von der Europäischen Arzneimittel am 28.05.2021 zugelassen worden, die STIKO hat aber noch keine Empfehlung für diese Altersgruppe ausgesprochen)
Bei diesen oben genannten 3 Gruppen fehlen Daten zur Verträglichkeit und Wirksamkeit.

WICHTIG!
Nicht jeder Geimpfte wird 100%ig vor Covid-19 geschützt. Derzeit ist sicher, dass eine Impfung zu ca. 95% vor einer Erkrankung schützt, das bedeutet, 5% entwickeln keinen Schutz. Außerdem ist noch unklar, ob ein Geimpfter möglicherweise bei Kontakt mit dem Erreger das Virus an andere weitergeben kann, auch wenn er selbst nicht erkrankt. Das heißt: auch Geimpfte sollten sich weiterhin an die derzeit geltenden Schutzmaßnahmen halten sollten, bis mehr Klarheit herrscht.


Impfung nach durchgemachter Covid-19-Infektion

Personen, die bereits eine Corona-Infektion durchgemacht haben, sollen 6 Monate nach der Erstinfektion (bzw. spätestens 7 Monate nach ihrem letzten positiven PCR-Test) einmalig  geimpft werden. Bei Genesenen reicht diese eine (also nicht wie sonst zweimalige) Spritze aus, um die Immunität wiederherzustellen. Die Immunität nach einer Covid-19 Infektion hält nach derzeitigem Wissensstand ca. 7-8 Monate an, auch wenn in ca. 15% Reinfektionen möglich sind, die aber in der Regel milde verlaufen.
Bei Personen, die von COVID-19 genesen sind, kann die einmalige Impfung die Immunität gegen SARS-CoV-2 deutlich verstärken, weil Genesene eine weniger starke Antikörperantwort haben als Geimpfte. Außerdem erzeugt die Imfung bei Genesenen Immunität auch gegen neuere Varianten von SARS-CoV-2 und nicht nur gegen die, an der man sich angesteckt hat.
Wenn verfrüht (also vor Ablauf der 6 Monate) nach einer durchgemachten Infektion geimpft wird, wird über vermehrte Nebenwirkungen berichtet.
Sollte man unbemerkt eine Covid-19-Infektion durchgemacht haben, ist eine Impfung trotzdem nicht schädlich.


Impfung von Allergikern

Zunächst hieß es, dass bei Patienten, die in der Vergangenheit mit signifikanten allergischen Reak­tionen auf Impfstoffe oder Medikamente reagiert haben, Vorsicht geboten sei. Allergiker, die auf Lebensmitteln, Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Insektengift, Latex und/oder andere Medikamente regieren, sind aber nach neuesten Erkenntnissen des Paul-Ehrlich-Insituts nicht durch die Impfung gefährdet, da Allergiker generell kein höheres Risiko für schwerwie­gende unerwünschte Wirkungen bei der Coronaimpfung haben.
Das gleiche gilt für Personen mit einer familiären Anaphylaxie-Vorgeschichte oder früheren Komplikationen bei Injektionen von Vakzinen oder Medikamenten. Mittlerweile empfehlen Allergologen die Coronaimpfung sogar bei Biologikaeinnahme.
Wer in der Vergangenheit nach Impfungen oder Spritzen
– schwindelig, schwach oder ohnmächtig wurde
– einen schnellen Herzschlag (Tachykardie) und/oder Atemnot bekam
– zu Sofortallergien neigt mit Anschwellen des Gesichts und des Halses
– einen schlimmen Hautausschlag am gesamten Körper bekam
– einen allergischen Schock erlitten hat,
sollte das unbedingt dem Arzt vor der Impfung mitteilen, damit er nach der Injektion länger beobachtet werden kann. Grundsätzlich solle jede Person 15 (besser 30) Minuten nach der Impfung beobachtet werden und besonders für Allergiker eine angemes­se­ne medizinische Behandlung für schwere allergische Reaktionen bereitstehen. Fragen Sie ggf. nach, ob das gewährleistet ist, wenn Sie Allergiker sind.
Bei Menschen, die auf die erste Dosis eine schwere allergische Reaktion hatten, sollte die zweite Dosis nicht verabreicht wer­den.
Bei einer bekannten Allergie gegenüber einem Impfstoffbestandteil (z.B. Polyethylenglykol, s.u.) sollte gar nicht geimpft werden.
Zur Häufigkeit von allergischen Reaktionen ist zu sagen, dass zwar eine insgesamte Häufigkeit von 1-4: 1000 Geimpften angegeben wird, darin sind aber auch leichte allergische Reaktionen, beispielsweise ein vorübergehendes Ekzem eingeschlossen. Schwere allergische Reaktionen kommen in nur ca. 2,5 – 5: 1.000.000 der Geimpften vor und können gut behandelt werden. Kein Patient mit schwerer allergischer Reaktioon ist bisher gestorben.
Ein Unterschied zwischen den Impfstoffen besteht: bei den mRNA-Impfstoffen treten  häufiger anaphylaktische Reaktionen (schwere Allergien) auf in ca. 2-4:1.000.000 Fällen im Vergleich zu den Vektorimpfstoffen.
> Artikel in der Pharmazeutischen Zeitung vom 06.03.2021
> Artikel im Deutschen Ärzteblatt vom 04.01.2021
> Stellungnahme in der pharmazeutischen Zeitung vom 23.12.2020
> Artikel Ärztezeitung vom 10.12.2020
> Artikel im Deutschen Ärzteblatt vom 09.12.2020


Impfung von PatientInnen, die Blutverdünner einnehmen

Blutgerinnungshemmer können dazu führen, dass sich an der Einstichstelle große Blutergüsse im Muskel bilden. Deswegen sollte die Impfung in diesem Fall mit der/m behandelnden Ärztin/Arzt besprochen werden. Oftmals können Medikamente für einige Tage problemlos abgesetzt werden (nur nach Absprache, nicht eigenmächtig!). Impfärzte verwenden bei Gerinnungshemmer-Patienten sehr dünne Kanülen und legen anschließend einen Kompressionsverband an. Patienten sollten selbst die Einstichstelle etwa fünf Minuten komprimieren. Die Nachbeobachtungszeit nach der Impfung sollte dann unbedingt 15 bis 30 Minuten dauern.
Detailliertere Informationen zum anzustrebenden INR-Wert u.a. finden Sie auf der Website der Deutschen Herzstiftung.


Impfung von Schwangeren

Derzeit ist noch kein Impfstoff explizit für die Impfung von Schwangeren zugelassen. Eine Impfung kann aber bei Risikopatientinnen erwogen und off-label nach ausführlicher Aufklärung durchgeführt werden. In einer neuen Studie im New England Journal of Medicine vom 21.04.2021 an 4000 Schwangeren, die mit einem mRNA-Impfstoff geimpft wurden, fanden sich keine Hinweise auf Schädigungen der Feten durch die Impfung. Trotzdem wird, wie bei den meisten Impfstoffen üblich, eine Impfung frühestens im zweiten Schwangerschaftsdrittel (also ab der 14. Schwangerschaftswoche) empfohlen. Eine Impfung im ersten Drittel könnte wegen der normalen spontanen Fehlgeburtsrate in dieser Zeit zu falschen Schlüssen über die Gefährlichkeit der Impfung führen, ist aber auch eine reine Sicherheitsempfehlung für den Fall, dass sich später doch Komplikationen herausstellen würden.
Von der Ständigen Impfkommission STIKO und den ärztlichen Fachgesellschaften (auch vom Berufsverband der Frauenärzte in seiner Stellungnahme vom 20.05.2021) wird eine generelle Impfung für alle Schwangeren nicht empfohlen. Allerdings sollen Schwangere, die das wünschen, nicht grundsätzlich vom Impfen ausgeschlossen werden. Im Einzelfall kann die Impfung in der Schwangerschaft (z.B. bei Risikopatientinnen mit symptomatischer ARVC) nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung und ausführlicher Aufklärung sinnvoll sein. Letztendlich wird hier die Verantwortlichkeit an die behandelnden Ärzte und Patientinnen weitergegeben. Das liegt daran, dass es nach wie vor keine zuverlässigen Studiendaten zur Impfung in der Schwangerschaft gibt, weder Langzeitstudien noch Risiko-Nutzen-Abwägungen. Größere Beobachtungen aus den USA beruhen auf den Meldungen über eine App, was keinen wissenschaftlichen Standards genügt.
Der Impfstoff von AstraZeneca ist wegen des ohnehin erhöhten Thromboserisikos in der Schwangerschaft weniger geeignet. Wenn erwünscht, sollten die mRNA-Impfstoffe eingestzt werden, auch wenn dazu wie schon erwähnt ausreichende Belege fehlen.
Bei Nebenwirkungen wie Fieber kann Paracetamol eingenommen werden.
Für alle Schwangeren, denen das Risiko einer off-label-Impfung zu groß ist, können sich zwei enge Kontaktpersonen der Schwangeren – insbesondere natürlich der Partner – impfen lassen, um das Infektionsrisiko für die Schwangere zu verringern.


Impfung von Kindern

Der einzige Impfstoff, der von Anfang an für Kinder ab 16 Jahre zugelassen war, ist Comirnaty® von Biontech. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat ihn am 28.05.2021 auch für die Altersgruppe 12 – 15 Jahre zugelassen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert-Koch-Institut (RKI) verzichtet aber auf eine generelle Corona-Impfempfehlung für gesunde Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren. Die Empfehlung beschränkt sich auf Kinder mit definierten Vorerkrankungen, wie Adipositas, angeborener oder erworbene Immundefizienz oder relevante Immunsuppression, schwere Zyanose, schwere Herzinsuffizienz, angeborene zyanotische Herzfehler (O2-Ruhesättigung <80 %), schwere pulmonale Hypertonie, chronische Lungenerkrankungen, bei der die Lungenfunktion anhaltend eingeschränkt ist, Tumorerkrankungen und einige weitere Erkrankungen. Eine Impfung von Kindern wird auch empfohlen, wenn deren Angehörige RisikopatientInnen sind, aber nicht geimpft werden können oder weil ihr Immunsystem medikamentös unterdrückt wird, z.B. im ersten Jahr nach einer Herztransplantation.
Die Empfehlung bzw. Nicht-Empfehlung basiert darauf, dass bei Kindern – je jünger sie sind – besonders sorgfältig das Risiko gegen den Nutzen abgewogen werden muss. Da Kinder ein sehr geringes Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-Infektion haben (s.a. Covid-19 bei Kindern), wiegt bei ihnen die Möglichkeit von bisher noch nicht bekannten Langzeitnebenwirkungen der Impfung ungleich schwerer als bei Erwachsenen. Deshalb wird das Thema sehr kontrovers diskutiert.
Ob Kinder, die ja meist lediglich Mutationsträger und nur in seltenen Fällen bereits erkrankt sind, geimpft werden sollten, ist Ermessenssache.


Impfung nach Herztransplantation

Eigentlich fallen alle Herztransplantierten in die Priorisierungsgruppe 2 mit hohem und sehr hohem Risiko. Dies gilt aber nur für Herztransplantierte, deren Transplantation bereits ein Jahr oder mehr zurückliegt. Im ersten Jahr nach HTX wird das Immunsystem der PatientInnen so sehr unterdrückt, dass es einerseits zu Komplikationen mit dem transplantierten Herz kommen könnte, andererseits die Impfung gar nicht oder unzureichend wirken könnte. Dann könnte man sich in falscher Sicherheit wiegen und den Erfolg der Transplantation gefährden. Idealerweise sollte VOR einer geplanten Transplantation geimpft werden.


Impfschema

Impfintervall – diverse Strategien
Die Impfung sollte je nach Impfstoff noch einmal wiederholt werden, bei Biontech nach 3 – 6, bei Moderna nach 4 – 6 und bei AstraZeneca nach 4 – 12 Wochen. Zu Beginn wurde mit dem Mindestabstand geimpft, um möglichst viele besonders gefährdete Menschen der ersten Priorisierungsgruppe schnell durchzuimpfen. Dann wurde in der dritten Welle der Abstand zwischen den Impfdosen in manchen Bundesländern maximal ausgedehnt, um mehr Menschen zu einer Erstimpfung zu verhelfen. In der Ersten Verordnung zur Änderung der Coronavirus-Impfverordnung vom 29. April 2021 heißt es dazu: „Der von der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut empfohlene Abstand zwischen Erst- und Folge- sowie Auffrischimpfungen ist möglichst auszuschöpfen.“ Man hoffte, mit dieser Streckung des Impfabstands, die Infektionszahlen durch die Verabreichung nur einer Dosis an möglichst viele Menschen schneller zu erreichen, da bereits nach der 1. Dosis eine gute Schutzwirkung erzielt wird.
Neuerdings gibt es Überlegungen, bereits nach 4 Wochen die 2. Dosis AstraZeneca zu verimpfen, damit die Geimpften schneller mit der Immunisierung durch sind, um früher wieder am “normalen Leben” teilnehmen zu können. Es gilt aber zu bedenken, dass man sich diese frühere Immunisierung erkauft mit einem deutlich schlechteren längerfristigen Schutz. Bei einem Impfintervall von 12 Wochen und mehr besteht laut einer Studie im Lancet vom Februar ein Schutz von ca. 80% im Vergleich zu Ungeimpften – bei einem Impfintervall von weniger als 6 Wochen sinkt diese Schutzwirkung auf ca. 55%. Überlegen Sie sich deshalb gut, ob es das wert ist!
Grundsätzlich gilt: die zweite Impfdosis ist sehr wichtig, da erst nach der 2. Dosis der optimale (wenn auch nicht 100%ige) Schutz gewährt ist. Außerdem schützen zwei Impfdosen deutlich besser gegen neue Virusmutanten.

Anmerkungen zur heterologen Impfung mit 2 verschiedenen Impfstoffen
Nachdem ja bei dem Impfstoff von AstraZeneca die seltene Nebenwirkung Hirnvenenthrombose aufkam, empfahl das Robert-Koch-Institut allen unter 60-Jährigen, die bereits eine Dosis dieses Impfstoffe erhalten hatten, eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff (Biontech/Moderna) nach 12 Wochen. Diese Kombination ist hoch wirksam (möglicherweise sogar wirksamer als eine 2malige Impfung mit dem gleichen Impfstoff). In einer spanischen Studie, die allerdings nur über eine Pressemitteilung kommuniziert wurde, fanden sich sehr hohe Antikörpertiter. In dieser Studie waren die Nebenwirkungen auch gering, während eine Studie im Lancet von hohen Raten an Allgemeinsymptomen (Fieber, Abgeschlagenheit, Muskel-/Kopf-/Gelenkschmerzen) nach Hybridimpfungen berichtet, die aber vorübergehend waren und meist nur 1-2 Tage anhielten.
> Artikel im Deutschen Ärzteblatt vom 14.05.2021
> Originalartikel vom 12.05.2021 (EN)

Auffrischimpfungen?
Ob später Auffrischimpfungen nötig werden, ist noch nicht bekannt. Zunächst wurde davon ausgegangen, dass der Impfschutz ca. 1 Jahr anhält. Pfizer hat aber am 15.4. angekündigt, dass möglicherweise eine dritte Dosis binnen sechs bis zwölf Monaten notwendig sei (ähnlich wie z.B. bei Tetanus, wo für die Grundimmunisierung 3 Impfungen erfolgen müssen) und dann jährliche Auffrischungs­im­pfungen, ähnlich wie bei der Grippeimpfung. Diese könnte dann auch jeweils an neue Mutationen des Virus angepasst werden.


Informationen zu den Impfstoffen

Impfstoff Comirnaty® (BNT162b2/Tozinameran) von Biontech/Pfizer

Der Impfstoff wurde in Deutschland entwickelt und ist seit Dezember 2020 in Deutschland zugelassen ab 16 Jahre, seit 28.05.2021 ab 12 Jahre zugelassen. Er muss bei -80°C gekühlt werden. Die volle Schutzwirkung von ca 95% tritt eine Woche nach Verabreichung der zweiten Dosis, die nach 3 – 6 Wochen verimpft werden soll, ein.
> Informationen zum Impfstoff Comirnaty®

Inhaltsstoffe von Comirnaty®
– mRNA (Boten-Ribonukleinsäure, engl. messenger ribonucleid acid)
– Lipide ((4-Hydroxybutyl)azanediyl)bis(hexan-6,1-diyl)bis(2-hexyldecanoat)
– 2-((Polyethylenglykol)-2000)-N,N-ditetradecylacetamid) (potentiell allergieauslösend)
– 1,2-Distearoyl-sn-glycero-3- Phosphocholin
– Cholesterin
– Kaliumchlorid
– einbasiges Kaliumphosphat (Kaliumdihydrogenphosphat)
– Natriumchlorid
– zweibasisches Natriumphosphat-Dihydrat (Dinatriumhydrogenphosphat-Dihydrat)
– Saccharose
– Wasser für Injektionszwecke


Impfstoff  Covid-19 Vaccine Moderna® ( mRNA-1273, kurz “Moderna”) von Moderna

Der Impfstoff wurde in den USA entwickelt und im Januar 2021 ab 18 Jahre in Deutschland zugelassen. Er muss bei – 20°C gekühlt werden. Die volle Schutzwirkung von ca. 94% tritt eine Woche nach Verabreichung der zweiten Dosis, die nach 4 – 6 Wochen verimpft werden soll, ein.
> Informationen zum Impfstoff Covid-19 Vaccine Moderna®

Inhaltsstoffe von Covid-19 Vaccine Moderna®
– mRNA (Boten-Ribonukleinsäure, engl. messenger ribonucleid acid)
– Lipide (SM-102.
– Polyethylenglykol [PEG] 2000 Dimyristoyl-Glycerin [DMG] (potentiell allergieauslösend)
– Cholesterin
– 1,2-distearoyl-sn-glycero-3-phosphocholine [DSPC]
– Tromethamin
– Tromethamin-Hyrochlorid
– Essigsäure
– Natriumacetat
– Saccharose


Impfstoff  Vaxzevria® (Covid-19 Vaccine AstraZeneca®, AZD1222, ChAdOx1) von AstraZeneca

Der Impfstoff ist ein schwedisch-englisches Produkt und seit Januar 2021 ab 18 Jahre in Deutschland zugelassen. Er muss bei – 2 bis -8°C im Kühlschrank gekühlt werden. Die volle Schutzwirkung von ca. 94% tritt eine Woche nach Verabreichung der zweiten Dosis, die nach 4 – 12 Wochen verimpft werden soll, ein.
Zu den Nebenwirkungen, insbesondere den Hirnvenenthrombosen, lesen Sie weiter unten nach. Wegen dieser Nebenwirkung wird der Impfstoff vor allem für Menschen über 60 Jahre empfohlen.
> Informationen zum Impfstoff Covid-19 Vaccine AstraZeneca®

Inhaltsstoffe von Covid-19 Vaccine AstraZeneca®
– L-Histidin
– L-Histidin Hydrochlorid Monohydrat
– Magnesiumchlorid-Hexahydrat
– Polysorbat 80
– Ethanol
– Saccharose
– Natriumchlorid (Kochsalz)
– Dinatriumedetat Dihydrat
– Wasser für Injektionszwecke


Impfstoff COVID-19 Vaccine Janssen® (Ad26.COV2-S) von Janssen-Cilag/Johnson & Johnson

Der Hersteller Janssen-Cilag ist eine Tochter des US-Unternehmens Johnson und Johnson (J&J). Der Impfstoff wurde im März 2021 in Deutschland für Personen ab 18 Jahre zugelassen, seit Mai werden nun Dosen verimpft. Bei diesem Impfstoff ist nur eine Impfdosis nötig.
Zu den Nebenwirkungen, insbesondere den Hirnvenenthrombosen, lesen Sie weiter unten nach. Wegen dieser Nebenwirkung wird der Impfstoff vor allem für Menschen über 60 Jahre empfohlen.
> Informationen zum Impfstoff Covid-19 Vaccine Janssen®

Inhaltsstoffe von COVID-19 Vaccine Janssen®
– 2-Hydroxypropyl-β-Cyclodextrin (HPBCD)
– Citronensäure-Monohydrat
– Ethanol
– Salzsäure
– Polysorbat 80
– Natriumchlorid
– Natriumhydroxid
– Trinatriumcitrat-Dihydrat
– Wasser für Injektionszwecke

Einen Vergleich der in Deutschland zugelassenen Impfstoffe haben wir in einer Tabelle zusammengestellt:
> Vergleich der Impfstoffe (PDF)

Zur Entwicklung und Sicherheit der Impfstoffe gibt es die Dokumentation einer interessanten englischsprachigen Veranstaltung “Public stakeholder meeting: development and authorisation of safe and effective COVID-19 vaccines in the EU”. Alle Dokumente des Meetings und die entsprechenden Videos finden Sie auf der Seite der European Medicines Agency (EMA).
> Stakeholder Meeting der EMA vom 11.12.2020


Nach der Impfung

Alkohol
Idealerweise sollte man drei Tage nach jeder Injektion mit dem Corona-Impfstoff auf Alkohol verzichten, da dieser die Immunantwort erheblich abschwächen kann.

Sport
Leichte körperliche Belastung ist nach der Impfung erlaubt. Extreme Ausdauersportarten oder Training mit hoher Gewichtsbelastung (die aber bei ACM/ARVC ja aber ohnehin ungünstig sind) sollten nach der Impfung vermieden werden. Bei starker körperlicher Belastung können Impfreaktionen verstärkt auftreten.

Arbeitsunfähigkeit
Wegen der Nebenwirkungen der Impfung (s.u.) sollte man zur Sicherheit keine wichtigen Termine auf die Tage nach der Imfung legen, insbesondere nach der 2. Dosis. Besonders hoch ist die Arbeitsunfähigkeit nach AstraZeneca, gefolgt von Moderna, am besten schneidet Biontech ab. Frauen entwickeln häufiger Symptome als Männer.


Nebenwirkungen der Impfung

Übliche Nebenwirkungen der Impfung sind
– Rötung, Schwellung und Schmerzen an der Injektionsstelle (ca. 80%)
– Müdigkeit, Erschöpfung (ca. 60%)
– Kopfschmerzen (ca. 50%), Muskelschmerzen (ca. 30%), Gelenkschmerzen (ca. 20%)
– leichtes Fieber (10%)
– Frösteln (ca. 30%)
– Schüttelfrost
– Übelkeit, Unwohlsein, Erbrechen
– angeschwollene Lymphknoten (Lymphadenopathie)
Normalerweise dauern diese meist nur 24 Stunden oder höchstens wenige Tage an. Die Nebenwirkungen sind ein Zeichen für die Immunreaktion des Körpers auf die Impfung.
Ggf. können Paracetamol oder schmerzstillende Medikamente genommen werden, wobei man mit Paracetamol zurückhaltend sein sollte, da es die Immunantwort der Impfung abschwächen kann – deshalb wird von einer prophylaktischen Einnahme oder einer Einnahme innerhalb von 6 Stunden nach der Impfung unbedingt abgeraten. Nehmen Sie das Medikament am besten nur, wenn Sie wirklich Symptome nach der Impfung entwickeln.
Fieber und grippale Symptome treten bei Vektorimpfstoffen etwa 2-3mal so häufig auf wie bei mRNA-Impfstoffen.

Meldung von Nebenwirkungen
Nebenwirkungen sollten der/m Hausärztin/Hausarzt oder in der Apotheke gemeldet werden. Auf der offiziellen Seite vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) bzw. dem Bundesgesundheitsministerium können Sie unkompliziert und anonym Ihre Nebenwirkungen melden (übrigens nicht nur zu den Vaccinen zum Schutz vor COVID-19!):
Online-Meldung von Nebenwirkungen beim Paul-Ehrlich-Institut oder alternativ über die SafeVac-2.0-App (Download im App-/Google-Play-Store).

Mehr zu Nebenwirkungen, insbesondere den schwerwiegenderen wie Hirnvenenthrombosen, Herzmuskelentzündungen und schweren allergischen Reaktionen können Sie auch unter “Impfung von Allergikern” und im nachfolgenden Abschnitt nachlesen.
Insgesamt liegen dem Paul-Ehrlich-Institut bis 30.4.2021 Meldungen von schweren Impfkomplikationen  in der Höhe von 0,2 pro 1.000 Impfdosen vor, das sind 0,02% (0,01% für Biontech und Moderna, 0,04% für AstraZeneca).
Ausführlich informieren über die Nebenwirkungen kann man sich auf der Seite des Paul-Ehrlich-Instituts auf der Seite der Sicherheitsberichte. Hier finden Sie den aktuellsten Sicherheitsbericht vom 11.06.2021.


Besondere Nebenwirkungen von mRNA-Impfstoffen (Biontech/Moderna)

Verspätete Lokalreaktion
Bei mRNA-Impfstoffen gibt es neurdings Hinweise auf eine verspätete Lokalreaktion (flächige Rötung, Juckreiz, Überwärmung, Ausschlag, schmerzhafte Schwellung) nach ca. 8 (4-11) Tagen, die vorwiegend bei Frauen auftritt. Behandelt werden diese mit kühlenden Maßnahmen und polidocanolhaltige Salben (z.B. Linola Fettcreme), wenn notwendig auch mit oralen Antihistaminika (z.B. Loratadin) bzw. cortisonhaltigen Cremes (z.B. Prednicarbat, Momethason).

Gesichts- und Lippenschwellung
Sehr selten treten Schwellungen im Gesicht (auch einseitig) und Lippen auf. Diese klingen in der Regel von selbst ab. Orale Antihistaminika oder Kortikosteroide können die Erholung beschleunigen.

Myokarditis
Am 26.04.2021 tauchten Medienberichte zu Myokarditisfällen vor allem innerhalb einer Woche nach der zweiten Biontech-Impfung auf. Betroffen sind vorwiegend junge Männer unter 30 Jahren. Die Daten wurden danach wieder ein wenig relativiert (siehe z.B. Pharmazeutische Zeitung vom 28.04.2021). Das israelischen Gesundheitsministerium sieht nun aber in einer Pressemitteilung vom 02.06.2021 eine „gewisse Wahrscheinlichkeit für einen möglichen Zusammenhang” zwischen der 2. Impfdosis und dem Auftreten einer Myokarditis bei jungen Männern im Alter von 16 bis 30 Jahren her, je jünger, desto häufiger (am meisten betroffen: die 16 – 19-jährigen). Allerdings verliefen die meisten Erkrankungen milde, und die Patienten erholten sich in der Regel innerhalb weniger Tage, daher gibt es aus Sicht der Experten trotz allem keine Bedenken gegen die Impfung.
Bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA sind bis zum 28. Mai 107 Berichte über Myokarditiden nach der Impfung mit Comirnaty® gemeldet worden.
Bis zum 30.4. wurden dem Paul Ehrlich-Institut in Deutschland 16 Myokarditisfälle nach Impfung gemeldet, davon 6 bei Männern zwischen 18 und 29 Jahren, von denen 12 innerhalb einer Woche nach der (vor allem zweiten) Impfung auftraten. Mittlerweile (Stand 11.06.2021) sind es 97 Fälle (Artikel vom 11.06.2021 im Deutschen Ärzteblatt).
Vereinzelt betreffen die Meldungen auch Moderna (vor allem in den USA). Dort betreffen die Myokarditisfälle zu 60% junge Menschen unter 30 Jahren. In der Altersgruppe der 16-17jährigen war die Wahrscheinlichkeit für eine Myokarditis um mehr als das 4fache erhöht, bei den 18-24jährigen noch immer um mehr als 2,5 fach (s.a. Artikel im Deutschen Ärzteblatt vom 11.06.2021/).
Bei aller Aufregung, die natürlich unsere myokarditis-sensiblen ARVC-Patienten besonders betrifft, muss wahrscheinlich auch hier das Risiko einer möglichen Myokarditis nach Impfung (maximal 1:3000 bei 16- bis 19-Jährigen, mit abnehmendem Risiko bei steigendem Alter) abgewogen werden gegenüber dem mittlerweile gut belegten Risiko, im Rahmen einer Covid-19-Erkrankung eine Myokarditis zu bekommen (>20% der schweren Fälle).
Unsere wissenschaftlichen Beiräte raten nicht von der Impfung ab und geben ebenfalls zu bedenken, dass die Myokarditis durch Covid-Infektion ungleich höher ist und mit einer Bewertung abgewartet werden sollte, bis die Fälle genauer untersucht worden sind. Unsere Kardiopathologin kennt Fälle, bei denen klinisch eine Myokarditis nach Impfung vermutet wurde, aber durch eine Biopsie nicht bestätigt werden konnte.
Eine Ursache für die mögliche Auslösung einer Myokarditis gibt es noch nicht. Eine Theorie wäre eine starke Immunraktion des Körpers auf die Impfung, die als Entzündungsreaktion auch das Herz erreicht.
Wir beobachten die Berichte zu dem Thema weiter sehr genau.

Warnsymptome für eine Myokarditis sind:
– Schmerzen in der Brust
– Müdigkeit
– Fieber
– Atemnot
– Herzrasen
– Herzrhythmusstörungen

Leider verlaufen manche Myokarditisfälle aber auch völlig symptomlos, und die möglichen Symptome sind nur sehr schwer zu unterscheiden sowohl von einer normalen Impfnachwirkung als auch den üblichen ARVC-Symptomen. Die normalen Impfnebenwirkungen treten normalerweise nur in den ersten 48 Stunden nach Impfung auf – im Gegensatz zu der Myokarditis nach Impfung, die typischerweise innerhalb von 4 Tagen auftritt. Im Zweifelsfall empfehlen wir eine Abklärung bei dem/der betreuenden Arzt/Ärztin.

Diagnostische Hinweise:
– ein Anstieg der Herzenzyme im Labor
– ST- oder T-Wellenveränderungen im EKG
– abnorme Befunde in der Echokardiografie oder im MRT


Besondere Nebenwirkungen von Vektorimpfstoffen (AstraZenaca, Janssen)

Nebenwirkung Hirn-/Sinusvenenthrombose und andere Thrombosen
Nach Impfungen mit AstraZeneca tritt in sehr seltenen Fällen bei ca. 0,001% der Geimpften (Meldung bis Mitte April 0,2 – 2,2 auf 100.000 Impfdosen) eine schwerwiegende Nebenwirkung, nämlich eine Sinusvenenthrombose (Thrombose in den Hirnvenen), innerhalb von 4 Tagen bis 3 Wochen  nach der Impfung auf, in Deutschland bisher nur nach der ersten Dosis. Die Thrombosen treten auch an anderen Orten auf, so in Portal-, Leber- oder Mesenterialvenen oder sie manifestieren sich in tiefen Beinvenenthrombosen, Lungenembolien und akuten arteriellen Thrombosen (letztere können Schlaganfälle auslösen). Ähnliche Probleme sind beim Impfstoff von Johnson&Johnson aufgetreten, daher vermutet man einen Zusammenhang mit der Art des Impfstoffes (vektorbasiert). Da diese Fälle vorwiegend bei jüngeren Personen – insbesondere Frauen unter 60 Jahren – aufgetreten sind, empfiehlt die STIKO und auch das Bundesgesundheitsministerium derzeit (Stand: 14.04.2021) die Impfung mit AstraZeneca nur noch für Personen ab 60 Jahren. Was mit Risikopatienten unter 60 passiert, die bereits die erste Impfung erhalten haben, ist noch nicht geklärt. Derzeit wird in Deutschland empfohlen, die Zweitimpfung mit Comirnaty® (Biontech) nach 12 Wochen durchführen zu lassen.
Trotzdem können sich auch Jüngere, wenn Sie es wollen, nach ausführlicher Aufklärung mit AstraZeneca impfen lassen, da die Gesundheitsrisiken durch COVID-19 schwerwiegend sein können, und die Vorteile des Impfstoffs die Risiken von Nebenwirkungen überwiegen, zumal auch durch eine Covid-19-Infektion Sinusvenenthrombosen auftreten können.

Wahrscheinlich ist die seltene Thromboseform analog zur bereits bekannten HIT (heparin-induzierte Thrombopenie) verursacht durch eine „vaccine induced immune thrombocytopenia“, auf deutsch impfstoff(vakzin)induzierte Immunthrombzytopenie (VITT), auch impfstoffinduzierte prothrombotische Immunthrombozytopenie (VIPIT) oder “Thrombose-mit-Thrombozytopenie Syndroms (TTS)” mit einer gleichzeitigen Verringerung der Thrombozyten und Übergerinnbarkeit des Bluts. Diagnostisch finden sich hohe Konzentrationen von Antikörpern gegen Plättchenfaktor 4 (PF4) sowie eine starke Aktivierung von Thrombozyten in entsprechenden Tests. Zur Diagnosesicherung werden ein MRT, eine Magnetresonanzangiographie (Gefäßdarstellung) und Laboruntersuchungen (Fragmentozyten, Gerinnung, INR, aPTT, Fibrinogen, D-Dimere, HIT-Diagnostik) empfohlen.
Möglicherweise hängt das vorwiegende Auftreten bei jüngeren Frauen auch mit der Kombination mit Antibabypille und Rauchen (also zusätzlichen Thromboserisken) zusammen, das sind aber derzeit alles nur Theorien. Laut Paul-Ehrlich-Institut sind diese Zusammenhänge nicht bewiesen, es konnten bisher keine zusätzlichen Risikofaktoren identifiziert werden.
Beim Auftreten dieser Art von Thrombosen helfen zusätzlich zur Blutverdünnung zur Auflösung der Thrombose hochdosierte Immunglobuline an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Bei einer klassischen HIT darf kein Heparin gegeben werden, bei einer VIPIT ist Heparingabe möglich.

Im Beipackzettel des Impfstoffs wird ein Warnhinweis ergänzt, sodass jede Person nach ärztlicher Aufklärung für sich entscheiden kann, ob er oder sie einer Impfung mit AstraZenaca zustimmt.

Warnhinweise für atypische Thrombosen:
Wenn innerhalb von 14 (4 – 16) Tagen nach der Impfung mit AstraZeneca eines der folgenden Symptome auftritt, soll schnell eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht und auf die Impfung hingewiesen werden:
– Atemnot, Kurzatmigkeit
– Schmerzen in der Brust
– Schwellung, Schmerzen und/oder Kältegefühl in einem Arm oder Bein
– Magen- und/oder Bauchschmerzen
– Übelkeit, Erbrechen
– schwere, anhaltende oder sich verschlimmernde Kopfschmerzen (typisch: Beginn nach mehr als 3 Tagen nach Impfung, allmähliche Schmerzzunahme, aber auch akuter Donnerschlagkopfschmerz, der nicht auf Schmerzmittel anspricht; Andauern der Schmerzen über mehr als 3 Tage; Zunahme der Schmerzen durch Bücken oder Valsalva-Manöver = forciertes Ausatmen bei geschlossenem Mund und Nase)
– verschwommenes Sehen, Doppelbilder
– Sprachstörungen
– Sensibilitätsstörungen (kein Gefühl bei Berührung)
– Krampfanfälle, Lähmungen, Bewusstseinsstörung
– anhaltende Blutungen
– mehrere kleine Blutergüsse (Petechien), rötliche oder violette Flecken oder Blutbläschen unter der Haut außerhalb der Injektionsstelle nach einigen Tagen

Diagnostisch sollte dann die Thrombozytenzahl gemessen und ein ELISA-Test zum Nachweis von Antikörpern gegen PF4/Heparinkomplexe durchgeführt werden. Niedrige Thrombozytenzahlen sind ein Warnhinweis. Wichtig ist, dass bei Patientinnen und Patienten mit Thrombose und normalen Thrombozytenzahlen oder Patientinnen und Patienten mit Thrombozytopenie ohne nachweisbare Thrombose nach Impfung ein frühes Stadium des TTS vorliegen kann. Daher sind wiederholte Untersuchungen auf TTS u.U. erforderlich.
Therapiert werden kann die VITT durch die hochdosierte intravenöse Gabe von Immun­globulinen mit dem Ziel, die Thrombozytenaktivierung zu hemmen. Nicht zum Einsatz kommen sollten Thrombozytenkonzentrate und Vitamin-K-Antagonisten.

Wie unterscheide ich bei Kopfschmerzen nach AStraZeneca-Impfung, ob eine Sinusvenenthrombose vorliegt?
Die “normalen” Kopfschmerzen nach Impfung sind meist mild und treten in den ersten 2 Tagen nach Impfung auf. Wenn die Kopfschmerzen nach mehr als 3 Tagen auftreten, schlimmer werden, nicht auf Schmerzmittel ansprechen und wenn zusätzliche Symptome (s.o.) auftreten, ist das verdächtig und sollte unbedingt abgeklärt werden. Mehr dazu im Bayerischen Ärzteblatt vom 05.05.2021.

Guillain-Barré-Syndrom
Unklar ist, ob die Impfungen mit dem AstraZeneca-Impfstoff Vaxzevria ein Guillain-Barré-Syndrom auslösen kann. Die seltene Erkrankung, bei der das Immunsystem die Myelinscheiden der peripheren Nerven angreift, führt zu Muskelschwäche und manchmal zu Lähmun­gen, die tödlich enden können. Die meisten Patienten erholen sich allerdings vollständig von der Erkran­kung.


Nebenwirkungen bei Impfstoffwechsel

Die Zwischenauswertung einer neuen Studie im Lancet ergab, dass bei einem Wechsel des Impfstoffs (egal ob von AstraZeneca auf Biontech oder umgekehrt) ein deutlicher Anstieg von allgemeinen Nebenwirkungen nach der zweiten Impfdosis auftrat. In der Gruppe mit Vaxzevria-Erstimpfung und Comirnaty-Zweitimpfung berichteten zum Beispiel 34 % der Impflinge von Fieberhaft­igkeit. In der Gruppe mit 2 Dosen Vaxzevria waren es 10 %. Die umgekehrte Impfreihenfolge lieferte ähnliche Ergebnisse: Wurde mit Comirnaty erstgeimpft und mit Vaxzevria geboostert, trat bei 41 % der Impfstoffempfänger Fieberhaftigkeit auf, verglichen mit 21 % bei denjenigen, die 2 Dosen Comirnaty erhalten hatten. In beiden Fällen war das Risiko für das Auftreten von Fieberhaftigkeit somit um mehr als 20 % höher als bei homologer Impfung. Vergleichbare Anstiege wurden den Autoren zufolge bei Schüttelfrost, Erschöpfung, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, allgemeinem Unwohlsein und Muskelschmerzen beobachtet. Die vermehrten Nebenwirkungen waren aber vorübergehend, nach 48 Stunden in der Regel überstanden und führten nicht zu mehr Krankenhausaufenthalten. Die Einnahme von Paracetamol kann die Nebenwirk­ungen der Impfung lindern. Dies sollte aber nicht vorsorglich eingenommen werden.


Impfempfehlung

Allen, die wegen der schnellen Zulassung der Impfstoffe Bedenken haben, können wir natürlich keinen wirklichen Rat geben. Jeder muss und darf für sich selbst entscheiden, ob er sich impfen lässt oder nicht. Die Risiken eines schweren Verlaufs und von Langzeitfolgen einer Covid-19-Infektion gilt es individuell abzuwägen gegen akute und langfristige Impfnebenwirkungen – zu beidem gibt es für ACM-/ARVC-Patienten praktisch keine verlässlichen Daten. Trotzdem ist sicherlich die Wahrscheinlichkeit, schwer an Covid-19 zu erkranken oder an Covid-19 zu sterben ungleich viel höher als die Wahrscheinlichkeit, eine schwere Impfreaktion zu erleiden oder an einer Impfreaktion zu sterben. Deshalb sind wir der Meinung, dass eine Impfung unbedingt anzuraten ist, um sich selbst als ARVC-Patient zu schützen, aber auch, um das Pandemiegeschehen einzudämmen.
Auch die Deutsche Herzstiftung ruft eindeutig zur Impfung auf: “Angesichts der Gefährlichkeit von COVID-19, was Todesfälle und langfristige Schäden betrifft, ergibt sich nur eine vernünftige Konsequenz: den Empfehlungen der ständigen Impfkommission zu folgen und sich impfen zu lassen.”
> Infos zu Covid-19 der Deutschen Herzstiftung


Immunität nach der Impfung

Wie lange die Immunität nach einer Impfung andauert, ist naturgemäß noch nicht bekannt, da ja erst seit Mitte 2020 Studien mit den Impfstoffen laufen. Es gibt aber wegen der Höhe der Antikörpertiter die Hoffnung, dass eine Impfimmunität mindestens ein Jahr anhalten könnte. Derzeit gilt die Immunität nach Impfung für ca. 7-8 Monate als sicher. Aber selbst wenn jedes Jahr die Impfung aufgefrischt werden müsste: das geschieht ja bereits bei der Grippe und hat sich dort wegen der ständigen Mutationen des Influenzavirus bewährt. Ziemlich sicher hält jedenfalls die Immunität nach einer Impfung länger an als die Immunität nach einer durchgemachten Infektion, auch wenn die Immunitätsreaktion individuell sehr unterschiedlich ausfällt.


Ansteckung und Übertragung trotz Impfung?

Das Robert-Koch-Institut schätzt das Übertragungsrisiko von SARS-CoV-2 durch voll­ständig geimpfte Personen als geringer ein als durch symptomlose Personen mit einem negativen Antigen­schnelltest. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Person trotz vollständiger Impfung (also 15 Tage nach der letzten Impfdosis) mit SARS-CoV-2 infiziert und PCR-positiv wird, sei „niedrig, aber nicht Null“, schreibt das RKI. Nach Untersuchungen in China liegt sie bei unter 1%. Die Impfung schützt die meisten, aber nicht alle Personen vor einer Ansteckung. Und wer sich infiziert hat, kann das Virus an weitere Personen weiter­geben. Es gibt aber Hinweise, dass diese Menschen durch eine geringe Viruslast nicht so infektiös sind. Auch die Dauer der Ansteckungsfähigkeit dürfte verkürzt sein.
Eine mögliche Ursache für eine Neu-Ansteckung nach Impfung kann auch die Infektion mit einem mutierten Virus sein, gegen das die Impfung nicht vollständig schützt. In der Regel haben aber Zweitinfizierte einen asymptomatischen oder milden Verlauf und sind vor einem schweren Verlauf durch die Impfreaktion geschützt.


Mehr Informationen zur Impfung finden Sie hier:

> Q&A-Session ARVC und Covid-19 / Impfung (27.02.2021)

STIKO-App der Ständigen Impfkommission (Download in den App-Stores)

> Informationen des Paul-Ehrlich-Instituts zu Impstoffen (DE) incl. Sicherheitsberichten zu den Impfstoffen

> Covid-19 Resources von Eurordis mit detailliertem Wissensstand zu den Impfstoffen mit
Monthly update: Research & development of treatments and vaccines for COVID-19

Eine Stellungnahme des deutschen Ethikrats zum Thema “Besondere Regeln für Geimpfte?” finden Sie hier.


Andere Impfungen

Herzpatienten wird (unabhängig von Covid-19) eine Impfung gegen
Influenza (Grippe) einmal jährlich
Pneumokokken alle 6 Jahre
empfohlen. Mediziner empfehlen, zwischen der Corona-Impfung und einer Grippeschutz-Impfung mindestens 14 Tage Abstand zu lassen.