Eventrecorder

Eventrecorder (Loop-Rekorder, ILR, ICM)


Synonyme

– Eventrecorder
– Ereignisrecorder
– Loop-Rekorder
– ILR (implantierbarer Loop-Rekorder)
– engl. ICM (insertable cardiac monitor bzw. insertable cardiac monitoring system)


Was ist ein Eventrecorder?

Ein Eventrecorder ist ein implantierbares Mini-EKG, das dauerhaft ein EKG aufzeichnet.
Das Stäbchen ist deutlich kleiner als ein USB-Stick (wenige cm lang, wenige mm dick, wenige Gramm schwer). Im Gegensatz zum ICD (implatierbarer Kardioverter-Defibrillator) kommt der Eventrecorder ohne Elektroden im Herzen aus. Die Lebenszeit des Geräts beträgt einige Jahre.


Wie wird der Eventrecorder eingesetzt?

Das Stäbchen wird nach einem kleinen Schnitt (maximal 1 cm) unter die Haut im Bereich des linken Brustmuskels geschoben. Der Eingriff dauert etwa 15 Minuten und wird in örtlicher Betäubung durchgeführt.


Wie wird der Eventrecorder ausgelesen?

Je nach Firma und Gerätetyp
– direkt in der Klinik/beim Arzt
– per Telemetrie über ein Home Monitoring System (Übertragungsgerät zuhause am Bett, Daten werden einmal nachts übertragen, Arzt kann die Daten online oder im Kliniksystem auslesen)
– ggf. bei akuten Symptomen direkte Übertragung aktiv durch den Patienten durch Übertragungsgerät
– ggf. direkt über eine Smartphone-App vom Patienten selbst


Indikationen

– unklare wiederholte Synkopen (Anfälle von Bewusstlosigkeit)
– unklare kardiale Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen)
– unklare Tachykardien (Herzrasen)
– unklare wiederholte Stürze
– unklare Epilepsie mit ineffektiver Therapie

Wenn bei den üblichen EKG-, Langzeit-EKG- und/oder EEG-Untersuchungen (EEG = Elektroenzephalographie zum Ausschluss epileptischer Anfälle als Ursache von Synkopen) in diesen Situationen zunächst keine klare Diagnose gestellt werden kann, kann das implantierte Dauer-EKG gefährliche Rhythmusstörungen entdecken. Da manche Herzrhythmusstörungen nur selten und anfallsweise auftreten, kann man im beschwerdefreien Intervall oft keine definitive Diagnose stellen. Bei einem erneuten Ereignis kann das EKG des Eventrecorders direkt ausgelesen werden.

Indikationen bei ARVC:
– Patienten ohne hohes Risiko und ohne unmittelbarer ICD-Indikation → verbesserte Risikoeinschätzung
– Patienten mit S-ICD (subkutanem Defi) → dieser speichert aus Kapazitätsgründen nur dann ein EKG, wenn der Defi bereits lädt oder einen Schock abgibt; mithilfe des Eventrecorders ist es möglich, auch Episoden im Bereich unterhalb der Schockgrenze abzurufen
– gelegentlich können Eventrecorder zur Kontrolle einer Therapie (z.B. nach Ablation) zur Überwachung des Therapieerfolges eingesetzt werden


Beispiele für Eventrecorder

Biomonitor III der Firma Biotronik
– klein (ca. 77 x 9 x 5 mm), 4 g schwer
– Akkulaufzeit ca. 4 Jahre
– bedingt MRT-fähig
– Übertragung der Daten über den CardioMessenger Smart (Akkulaufzeit 48h), ein mobiles Patientengerät im Smartphone-Format
– Weiterleitung per Telemetrie über ein Home Monitoring System BIOTRONIK Home Monitoring® (Übertragungsgerät CardioMessenger® zuhause am Stromnetz, Daten werden einmal nachts übertragen, Arzt kann die Daten auf Anfrage auslesen)

Confirm Rx™ der Firma Abbott / St. Jude
– klein (49 x 9 x 3 mm), 3 g schwer
– Akkulaufzeit ca. 2 Jahre
– bedingt MRT-fähig
– Übertragung der Daten über Bluetooth ans Smartphone über Smartphone-App myMerlin™
– Weiterleitung der Daten an die Klink/den Arzt über WLAN (Übertragung verschlüsselt über gesicherte Internetverbindung)
– Notizen des Patienten zu Symptomen möglich
– direkte Übermittlung der Daten bei ungewöhnlichen Symptomen
– Erinnerung des Patienten, wenn längere Zeit keine Daten übertragen werden

LUX-Dx™ der Firma Boston Scientific
– sehr klein (ca. 44,8 x 7,2 x 4 mm), 3 g schwer
– Akkulaufzeit ca. 3 Jahre
– Selbstmonitoring mit der myLUX™ Patient App (überträgt Gerätedaten, zeigt Meldungen der Klinik und den Überwachungsstatus an, ermöglicht Patienten die Aufzeichnung von Symptomen)
– LATITUDE Clarity™ Data Management System (Überprüfung der Daten durch die Klinik, Anpassung der Geräteeinstellungen aus der Ferne möglich)
– LUX-Dx™ Clinic Assistant App (Verbindung zu jedem LUX-Dx ICM-Gerät innerhalb von 2 Metern, Anzeige des ICM-Gerätestatus und des EKGs, Abfrage von LUX-Dx ICM-Geräten, Änderungen in der Programmierung möglich)

Reveal LINQ™ ICM der Firma medtronic
– sehr klein (ca. 45 x 7 x 4 mm), 2,5 g schwer
– Akkulaufzeit ca. 3 Jahre
– bedingt MRT-fähig
– Übertragung der Daten per Telemetrie über ein Home Monitoring System MyCareLink™ (Übertragungsgerät zuhause am Bett, Daten werden einmal nachts übertragen, Arzt kann die Daten auf Anfrage auslesen)
– bei akuten Symptomen kann die Übertragung der Daten mit einer Fernbedienung direkt, auch tagsüber gestartet werden


Erstattungsfähigkeit von Eventrecordern

Es kommt immer wieder vor, dass die Implantation eines Eventrecorders von den Krankenkassen nicht erstattet wird. Ggf. muss vorher ein gut begründeter Antrag bei der Krankenkasse gestellt werden.

 

Frequently asked questions (FAQ) – Häufig gestellte Fragen zum Thema Eventrecorder

Werden Eventrekorder zur Rhythmusdiagnostik eingesetzt?
Ein Eventrecorder ist sinnvoll bei verschiedenen Erkrankungen, insbesondere wenn durch Untersuchungen Symptome nicht abgeklärt werden können (z.B. bei unklaren Synkopen / Bewusstseinsverlust). Wenn ARVC / ACM bereits diagnostiziert ist und/oder eine Mutation vorliegt, ist der Eventrecorder weniger sinnvoll, oft ist dann eher die Indikation für einen ICD gegeben. Außerdem wird die Implantation eines Eventrecorders oft nicht von der Krankenkasse übernommen.

Welche Diagnosen haben Patienten dann häufig bei Synkopen, wenn es nicht ARVC ist?
Differentialdiagnosen umfassen: Ionenkanalerkrankungen, andere Formen der Kardiomyopathien, Kreislaufdysregulation, zerebrale Krampfleiden wie Epilepsie. Manchmal ist es aber auch einfach eine Kreislaufregulationsstörung in der Pubertät. Bei bekannten Mutationen in der Familie muss man aber eine Synkope sehr ernst nehmen.

Was sieht man beim Auslesen des Eventrecorders?
Das EKG, das der Eventrecorder ausliest, ist eindimensional und deswegen nur bedingt zur Diagnostik bei ARVC geeignet (z.B. werden T-Wellen nicht optimal abgebildet). Wenn man allerdings in den Langzeit-EKGs keine Arrhythmien sieht, obwohl ein Patient subjektiv welche verspürt, dann kann der Eventrecorder in seiner Laufzeit von mehreren Jahren evtl. selten auftretende Arrhythmien entdecken. Außerdem kann er Hinweise auf bösartige (maligne) Arrhythmien wie VTs (ventrikuläre Tachykardien) geben, die in ein gefährliches Kammerflimmern übergehen können.

Welche Eventrecorder von welcher Firma sind besonders zu empfehlen?
Jeder Eventrecorder hat bestimmte Vorzüge, die individuell vorzuziehen sind (z.B. besonders klein, besonders lange Laufzeit, Möglichkeit der Übertragung aufs Smartphone…). Fragen Sie Ihren Arzt nach den Besonderheiten der gerade auf dem Markt befindlichen Modelle.