COVID-19

Covid-19 und ARVC (Stand 17.01.2021)

Aus aktuellem Anlass möchten wir gemeinsam mit unserem wissenschaftlichen Beirat darauf hinweisen, dass besonders für Herzpatienten die empfohlenen Maßnahmen zum Schutz vor Covid-19 unbedingt umgesetzt werden sollten.

Passen Sie gut auf sich und Ihre Angehörigen auf und befolgen Sie die allgemeinen Vorbeugungsmaßnahmen. Je länger Sie coronafrei bleiben, desto mehr werden Mediziner/innen zu den besten Präventionsmethoden und möglichen Therapien wissen. Es lohnt sich also, so vorsichtig wie möglich zu sein.

Im Folgenden finden Sie Informationen zu
> Risiko von Covid-19 für Herzpatienten
> Gefahr durch Aerosole
> Prävention von Covid-19, incl. Informationen zu Masken und Impfung
> Symptome von Covid-19
> Einnahme von gewohnten Medikamenten bei Covid-19
> Infos zu Off-label-Therapien bei Covid-19
> Allgemeine Tipps, incl. Sport nach einer Covid-19-Infektion und (Zahn-)Arztbesuch in Pandemiezeiten
> Spezielle Tipps, incl. Infos für ICD-Träger und Infos für Patienten mit Herzinsuffizienz
> Tipps für den Umgang mit Ängsten und Sorgen
> Infos zu Zytokinsturm und schwerem Verlauf
> Mehr Infos, Artikelsammlung, wichtige Links
> Forschung und Umfrage zu ARVC und Covid-19
> Q&A-Session zu Covid-19 und Kardiomyopathien (Video)
> Umfragen zu Covid-19 und den Auswirkungen

 

Risiko von Herzpatienten

Patienten mit chronischen Herzerkrankungen wie ARVC haben bei einer Infektion mit dem Coronavirus ein erhöhtes Risiko für einen schwereren Verlauf. Sie sind gefährdet durch
– gefährliche Herzrhythmusstörungen
– Herzmuskelentzündungen (Myokarditis)
– einen infektionsbedingten Katecholaminanstieg mit Anstieg der Herzfrequenz und erhöhtem Risiko für Tachykardien

Besonders gefährdet sind Patienten mit
– hohem Alter (besonders Hochbetagte, aber igs. ab dem 60. LJ)
– Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
– Lungenhochdruck
– Immunschwäche/-suppression
– nach Herztransplantation
– zusätzlichen Risikofaktoren wie hohem Blutdruck, Diabetes und Adipositas

Ein leicht erhöhtes Risiko haben Männer
> Artikel im Deutschen Ärzteblatt vom 27.08.2020

Ob Menschen mit Blutgruppe A ein höheres Risiko haben (bzw. mit Blutgruppe 0 einen günstigeren), ist noch unklar.

 

Infektionsrisiko durch Aerosole

Ein Risiko einer Infektion über Aerosole (feinste freischwebende Tröpfchen in der Luft) ist mittlerweile gut belegt. Das Risiko lässt sich minimieren durch: Tragen von Mundschutz (am besten einer FFP2-Maske, s.o.), Einhalten der Distanz von mindestens 1,5 m (besser 2 m) und in der Schule/am Arbeitsplatz Einnehmen eines Platzes in der hintersten Reihe, wenn möglich am offenen Fenster bei regelmäßigem Lüften. Bei einem unwohlen Gefühl trotz aller Schutzmaßnahmen versuchen Sie, individuelle Lösungen mit Schulleitung, Lehrern oder Arbeitgeber zu treffen bzw. ein Attest für Homeschooling oder Homeoffice vom Hausarzt oder Kardiologen ausstellen zu lassen. Exaktere Aussagen zum Risiko einer Ansteckung in der Schule oder am Arbeitsplatz sind derzeit nicht machbar.

 

Prävention

Hygiene

Händewaschen
Waschen Sie sich regelmäßig die Hände unter fließendem Wasser 20 – 30 sec. mit Seife. Seifenmoleküle brechen die Fetthülle des Coronavirus auf, so dass ohne Schutzhülle sich das Virus nicht mehr vermehren kann. Das Wasser spült dann die Virusreste weg. Wichtig ist das Händewaschen vor allem wenn Sie nach Hause kommen, nach dem Naseputzen, Niesen oder Husten, vor der Zubereitung von Speisen, vor dem Essen, nach dem Toilettengang, vor und nach dem Kontakt mit Erkrankten und vor dem Anlegen und nach dem Ablegen einer Mund-Nasen-Bedeckung.

Hygiene beim Husten und Niesen
Husten oder niesen Sie in ein Taschentuch und entsorgen Sie dies danach in einem Mülleimer. Alternativ husten oder niesen Sie in die Ellenbeuge.

Schutz vor Schmierinfektion
Auch wenn eine Infektion nach Kontakt mit Oberflächen und Gegenständen eine untergeordnete Rolle spielt: vermeiden Sie es, mit den Händen Mund, Nase oder Augen zu berühren, um eine Übertragung des Erregers zu verhindern.

Mund-Nasenschutz

Verwenden Sie einen Mund-Nasenschutz beim Einkaufen, in Menschenmengen und evtl. sogar in geschlossenen Räumen (auch wenn es nicht vorgeschrieben ist).

Schutzwirkung
Kein oder nur geringer Schutz
– Masken, die schlecht oder falsch sitzen
– einlagige Stoffmasken
– Gesichtsschilde aus Plastik.
Mittlerer Schutz
– Mund-Nasen-Schutz nach DIN 14683 (“OP-Maske”)
– dreilagige Stoffmasken mit mittlerer Vlieslage
– KN95- oder N95-Halbmasken (s. dazu unten)
Hoher Schutz
– FFP2-Masken
– KN95- oder N95-Halbmasken mit zusätzlicher Zertifizierung (s. dazu unten)

Worauf sollte beim Kauf einer FFP2-Maske angegeben sein?
– der Hersteller
– die Artikelnummer
– die DIN-Norm DIN EN 149:2009-08
– das CE-Zertifikat mit nachfolgender 4-stelliger Ziffer
diese Ziffer gibt den Prüfort an
z.B. CE 0158 = DEKRA, CE 0121 = IFA (beide in Deutschland zertifiziert)
Die meisten Masken sind allerdings nicht in Deutschland zertifiziert worden (s. u.). Ob eine CE-Zertifizierung aus einem anderen Land genauso verlässlich ist wie eine deutsche, ist schwer beurteilbar. Achten Sie bei einer Onlinebestellung darauf, dass der Händler eine Konformitätserklärung auf seine Website gestellt hat.

Masken mit der Kennzeichnung KN95
KN95-Masken kommen aus China und sind häufig nicht marktkonform zugelassen. Lesen Sie mehr dazu in diesem Artikel:
> Artikel zu KN95-Masken der Pharmazeutischen Zeitung

Mehr Informationen finden Sie auf folgenden Seiten:
> Information des Bundesamts für Arzneimittel und Medizinprodukte zu Schutzmasken
> Liste CE-Kennzeichnungen von FFP-Masken (Heller Medizintechnik)
Hier werden auch die ungültigen CE-Zertifikate aufgeführt sowie Informationen zur Filterwirkung der verschiedenen Maskentypen.

Wiederverwendbarkeit von FFP2-Masken
Zur Wiederverwendbarkeit von FFP2-Masken gibt es unterschiedliche Empfehlungen. Streng genommen müsste man sie nach Gebrauch entsorgen. Nachdem das aber relativ illusorisch ist, hier eine Empfehlung: langes Auslüften (die einen sprechen von 72 Stunden in trockenen Räumen, andere von 7 Tagen). Noch optimalerweise ist das Auslüften in der Sonne. Dieser Vorgang sollte aber nur ca. 5mal wiederholt werden. Optimal ist angeblich das Erhitzen im Backofen bei 80°C Ober-und Unterhitze (höhere Temperaturen ab 90°C verformen die Masken und reduzieren die Filterleistung, unter 70°C wird der Erreger nicht zuverlässig abgetötet. Erhitzen in der Mikrowelle, Wasch- oder Spülmaschine, Desinfizieren oder UV-Lampenbestrahlung werden nicht empfohlen.
> Wiederverwertung von FFP2-Masken lt.Heidelberg24
> Wiederverwertung von FFP2-Masken lt. FH Münster

Abgabe von Masken an Risikopatienten
Wie Sie an FFP2-Masken für Risikopatienten in der Apotheke kommen, beschreibt der Artikel hier

Soziale Distanz

So schmerzhaft es sein mag: wahren Sie – wo möglich – soziale Distanz (natürlich den Mindestabstand von 1,5 – 2m, aber beschränken Sie Ihre Kontakte überhaupt auf ein möglichst niedriges Niveau). Bedenken Sie, dass – je länger Sie coronafrei bleiben – immer mehr über die Erkrankung und mögliche Risiken, aber auch therapeutische Möglichkeiten bekannt wird.
> “Welche Maßnahmen die Erkrankungswelle am ehesten brechen könnten”, Deutsches Ärzteblatt vom 16.12.2020
> Häufigste Ansteckungsorte lt. Artikel im Deutschen Ärzteblatt vom 11.11.2020

Lüften

Lüften Sie regelmäßig die Zimmer, in denen Sie sich aufhalten. Dabei gilt:
Quer- und Stoßlüftung
– keine Kipplüftung!

 

Impfung gegen Covid-19

Unsere gesundheitspolitische Stellungnahme zur Einstufung von ARVC-Patienten als Covid-19-Risikogruppe

> Stellungnahme zum Risiko einer Covid-19-Infektion für ARVC-Patienten vom 23.11.2020


Impfpriorisierung des Bundesgesundheitsministeriums (Stand 18.12.2020)

Nach derzeitigem Stand fallen ACM/ARVC-Patienten unter 60 Jahre in die dritte Kategorie “erhöhte Priorität” (im FAQ des Bundesgesundheitsministeriums ist von “diversen Herzerkrankungen”, im Deutschen Ärzteblatt von Menschen mit Herzinsuffizienz, Arrhythmie, einem Vorhofflimmern, einer koronaren Herzkrankheit oder arterieller Hypertension die Rede).
Einzige Ausnahme sind die Herztransplantierten, die in die zweite Kategorie “hohe Priorität” fallen. Und natürlich alle, die aufgrund Alter, Beruf oder Kontaktstatus (z.B. zu Schwangeren) einer höheren Kategorie zuzuordnen sind.
> FAQ des Bundesgesundheitsministeriums: Frage “Wer wird zuerst geimpft?”
> Artikel im Deutschen Ärzteblatt vom 18.12.2020
> Vorläufige STIKO-Empfehlungen zur Impfpriorisierung (Stand 07.12.2020)

 

Voraussetzungen für eine Impfung

Alter
Die Impfstoffe sind zugelassen ab einem Alter von 16 Jahren.

Akute Covid-19-Infektion
Vor dem Impfen und direkt an der Impfstation muss kein Covid-19-Test gemacht werden, solange man keine Symptome aufweist. Die Verträglichkeit der Impfung wird durch eine akute Infektion auch nicht negativ beeinflusst.

Akute andere Infektionen
Eine Impfung bei akut Erkrankten mit Fieber über 38,5 Grad leidet, sollte nicht geimpft werden. Bei einer Erkältung oder leichtem Fieber unter 38,5 Grad kann geimpft werden.

Impfschema
Die Impfung sollte je nach Impfstoff nach 3 bzw. 4 Wochen noch einmal wiederholt werden. Ob es im Moment sinnvoll ist, erst einmal möglichst viele Menschen mit einer ersten Gabe durchzuimpfen und erst dann mit der Verabreichung der 2. Dosis zu beginnen (aufgrund der Impfstoffknappheit dann später als nach 3 oder 4 Wochen), wird derzeit noch diskutiert. Rascher könnten die Infektionszahlen wahrscheinlich durch die Verabreichung nur einer Dosis an möglichst viele Menschen erreicht werden, da bereits nach der 1. Dosis eine gute Schutzwirkung erzielt wird. Manche Experten befürchten dann allerdings eine Resistententwicklung des Erregers gegen den Impfstoff. Daten dazu gibt es naturgemäß nicht. Die Strategien der einzelnen Länder sind völlig unterschiedlich.
> Artikel im Deutschen Ärzteblatt vom 07.01.2021
Ob später Auffrischimpfungen nötig werden, ist noch nicht bekannt.

Nicht geimpft werden
– Schwangere
– stillende Frauen,
– Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren
Bei diesen 3 Gruppen fehlen Daten zur Verträglichkeit und Wirksamkeit.
– Personen, die bereits eine Corona-Infektion durchgemacht haben (sie gelten derzeit als immun).
Sollte man unbemerkt eine Covid-19-Infektion durchgemacht haben, ist eine Impfung trotzdem nicht schädlich.

 

Impfung von Allergikern

Zunächst hieß es, dass bei Patienten, die in der Vergangenheit mit signifikanten allergischen Reak­tionen auf Impfstoffe oder Medikamente reagiert haben, Vorsicht geboten sei. Bekannte Allergien gegenüber Lebensmitteln und Medikamenten sind aber nach neuesten Erkenntnissen des Paul-Ehrlich-Insituts keine Kontraindikation gegen den derzeit in Deutschland eingesetzten Impfstoff, da Menschen mit allergischen Erkrankungen generell kein höheres Risiko für schwerwie­gende unerwünschte Wirkungen bei der Coronaimpfung haben.
Klar ist auf alle Fälle, dass Allergiker, die auf Gräserpollen, Äpfel oder Hausstaub reagieren, sich keine Sorgen machen müssen.
Wer allerdings in der Vergangenheit nach Impfungen oder Spritzen
– schwindelig, schwach oder ohnmächtig wurde
– einen schnellen Herzschlag (Tachykardie) und/oder Atemnot bekam
– zu Sofortallergien neigt mit Anschwellen des Gesichts und des Halses
– einen schlimmen Hautausschlag am gesamten Körper bekam
– einen allergischen Schock erlitten hat,
sollte das unbedingt dem Arzt vor der Impfung mitteilen, damit er nach der Injektion länger beobachtet werden kann. Grundsätzlich solle jede Person 15 Minuten nach der Impfung beobachtet werden, eine angemes­se­ne medizinische Behandlung für schwere allergische Reaktionen bereitstehen. Fragen Sie ggf. nach, ob das gewährleistet ist, wenn Sie Allergiker sind.
Bei Menschen, die auf die erste Dosis allergisch reagieren, sollte die zweite Dosis nicht verabreicht wer­den.
Bei einer bekannten Allergie gegenüber einem Impfstoffbestandteil (z.B. Polyethylenglykol, s.u.) sollte gar nicht geimpft werden.
> Artikel im Deutschen Ärzteblatt vom 04.01.2021
> Stellungnahme in der pharmazeutischen Zeitung vom 23.12.2020
> Artikel Ärztezeitung vom 10.12.2020
> Artikel im Deutschen Ärzteblatt vom 09.12.2020

 

Impfung von PatientInnen, die Blutverdünner einnehmen

Blutgerinnungshemmer können dazu führen, dass sich an der Einstichstelle große Blutergüsse im Muskel bilden. Deswegen sollte die Impfung in diesem Fall mit der/m behandelnden Ärztin/Arzt besprochen werden. Oftmals können Medikamente für einige Tage problemlos abgesetzt werden (nur nach Absprache, nicht eigenmächtig!). Impfärzte verwenden bei Gerinnungshemmer-Patienten sehr dünne Kanülen und legen anschließend einen Kompressionsverband an.

 

Informationen zu den Impfstoffen

Impfstoff Comirnaty® (BNT162b2/Tozinameran) von Biontech/Pfizer
Der Impfstoff wurde in Deutschland entwickelt. Er muss bei -80°C gekühlt werden. Die volle Schutzwirkung von ca 95% tritt eine Woche nach Verabreichung der zweiten Dosis, die nach 3 Wochen verimpft werden soll, ein.
> Informationen zum Impfstoff Comirnaty®

Inhaltsstoffe von Comirnaty®
– mRNA (Boten-Ribonukleinsäure, engl. messenger ribonucleid acid)
– Lipide ((4-Hydroxybutyl)azanediyl)bis(hexan-6,1-diyl)bis(2-hexyldecanoat)
– 2-((Polyethylenglykol)-2000)-N,N-ditetradecylacetamid) (potentiell allergieauslösend)
– 1,2-Distearoyl-sn-glycero-3- Phosphocholin
– Cholesterin
– Kaliumchlorid
– einbasiges Kaliumphosphat (Kaliumdihydrogenphosphat)
– Natriumchlorid
– zweibasisches Natriumphosphat-Dihydrat (Dinatriumhydrogenphosphat-Dihydrat)
– Saccharose
– Wasser für Injektionszwecke

Impfstoff  Covid-19 Vaccine Moderna® ( mRNA-1273, kurz “Moderna”) von Moderna
Der Impfstoff wurde in Deutschland entwickelt. Er muss nur im Kühlschrank gekühlt werden. Die volle Schutzwirkung von ca 94% tritt eine Woche nach Verabreichung der zweiten Dosis, die nach 4 Wochen verimpft werden soll, ein.
> Informationen zum Impfstoff Covid-19 Vaccine Moderna®

Inhaltsstoffe von Covid-19 Vaccine Moderna®
– mRNA (Boten-Ribonukleinsäure, engl. messenger ribonucleid acid)
– Lipide (SM-102.
– Polyethylenglykol [PEG] 2000 Dimyristoyl-Glycerin [DMG] (potentiell allergieauslösend)
– Cholesterin
– 1,2-distearoyl-sn-glycero-3-phosphocholine [DSPC]
– Tromethamin
– Tromethamin-Hyrochlorid
– Essigsäure
– Natriumacetat
– Saccharose.

Vergleich der Impfstoffe (Quelle: www.gesundheitsinformation.de)

Comirnaty® Covid-19 Vaccine Moderna®
Firma Biontech/Pfizer Moderna
ursprünglicher Name BNT162b2 mRNA-1273
Art des Impfstoffs mRNA-basiert mRNA-basiert
Testpersonen 1. Studie 43.500 30.000
Nebenwirkungen
Schmerzen, Rötung, Schwellung an der Einstichstelle (lokale NW) 73% 92%
Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Muskel- oder Gelenkschmerzen 70% 83%
Lymphknotenschwellung < 1% in lokalen NW enthalten
mögliche allergische Reaktionen 0,10% 0,40% Zusammenhang mit Impfung ungeklärt
Fazialisparese (Lähmung des Gesichtsnervs) 0% 0,01% Zusammenhang mit Impfung ungeklärt
Wirksamkeit (Verringerung des Erkrankungsrisikos gegenüber Placebogabe)
alle Teilnehmenden 95% 94%
16 – 55 Jahre 96% 96%
> 55 Jahre 94% 86%
Wirksamkeit (Verringerung eines schweren Erkrankungsverlaufs gegenüber Placebogabe)
alle Teilnehmenden k.A. 100%
Wirksamkeit nach nur einer Impfdosis ca. 52% ca. 51% (nicht signifikant)

Zur Entwicklung und Sicherheit der Impfstoffe gibt es die Dokumentation einer interessanten englischsprachigen Veranstaltung “Public stakeholder meeting: development and authorisation of safe and effective COVID-19 vaccines in the EU”. Alle Dokumente des Meetings und die entsprechenden Videos finden Sie auf der Seite der European Medicines Agency (EMA).
> Stakeholder Meeting der EMA vom 11.12.2020

 

Nach der Impfung

Alkohol
Idealerweise sollte man drei Tage nach jeder Injektion mit dem Corona-Impfstoff auf Alkohol verzichten, da dieser die Immunantwort erheblich abschwächen kann.

Sport
Leichte körperliche Belastung ist nach der Impfung erlaubt. Extreme Ausdauersportarten oder Training mit hoher Gewichtsbelastung (die aber bei ACM/ARVC ja aber ohnehin ungünstig sind) sollten nach der Impfung vermieden werden. Bei starker körperlicher Belastung können Impfreaktionen verstärkt auftreten.

 

Nebenwirkungen der Impfung

Übliche Nebenwirkungen der Impfung sind
– Rötung, Schwellung und Schmerzen an der Injektionsstelle
– Müdigkeit, Erschöpfung
– Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen
– leichtes Fieber
– Schüttelfrost
– Übelkeit, Unwohlsein, Erbrechen
– angeschwollene Lymphknoten (Lymphadenopathie)
Normalerweise dauern diese nur wenige Tage an. Ggf. können Paracetamol oder schmerzstillende Medikamente genommen werden.
Nebenwirkungen sollten der/m Hausärztin/Hausarzt oder in der Apotheke gemeldet werden, ggf. auch dem Paul-Ehrlich-Institut bzw. über dessen SafeVac-2.0-App (Download im App-/Google-Play-Store)

 

Wichtig!

Nicht jeder Geimpfte wird 100%ig vor Covid-19 geschützt. Außerdem kann ein Geimpfter möglicherweise bei Kontakt mit dem Erreger das Virus an andere weitergeben, auch wenn er selbst nicht erkrankt. Das heißt: derzeit sollten alle Präventionsmaßnahmen auch bei Geimpften weiter angewandt werden.

 

Impfempfehlung

Allen, die wegen der schnellen Zulassung der Impfstoffe Bedenken haben, können wir natürlich keinen wirklichen Rat geben. Jeder muss und darf für sich selbst entscheiden, ob er sich impfen lässt oder nicht. Die Risiken eines schweren Verlaufs und von Langzeitfolgen einer Covid-19-Infektion gilt es individuell abzuwägen gegen akute und langfristige Impfnebenwirkungen – zu beidem gibt es für ACM-/ARVC-Patienten praktisch keine verlässlichen Daten. Trotzdem ist wohl die Wahrscheinlichkeit, schwer an Covid-19 zu erkranken oder an Covid-19 zu sterben ungleich viel höher als die Wahrscheinlichkeit, eine schwere Impfreaktion zu erleiden oder an einer Impfreaktion zu sterben. Deshalb sind wir der meinung, dass eine Impfung anzuraten ist, um das Pandemiegeschehen einzudämmen.
Auch die Deutsche Herzstiftung ruft eindeutig zur Impfung auf: “Angesichts der Gefährlichkeit von COVID-19, was Todesfälle und langfristige Schäden betrifft, ergibt sich nur eine vernünftige Konsequenz: den Empfehlungen der ständigen Impfkommission zu folgen und sich impfen zu lassen, wie die Deutsche Herzstiftung ausdrücklich hervorhebt.”
> Infos zu Covid-19 der Deutschen Herzstiftung

 

Immunität nach der Impfung
Wie lange die Immunität nach einer Impfung andauert, ist naturgemäß noch nicht bekannt, da ja erst seit Mitte 2020 Studien mit den Impfstoffen laufen. Es gibt aber wegen der Höhe der Antikörpertiter die Hoffnung, dass eine Impfimmunität länger als ein Jahr anhalten könnte. Derzeit gilt die Immunität nach Impfung für ca. 5 Monate als sicher. Aber selbst wenn jedes Jahr die Impfung aufgefrischt werden müsste: das geschieht ja bereits bei der Grippe und hat sich dort wegen der ständigen Mutationen des Influenzavirus bewährt.

 

Andere Impfungen

Herzpatienten wird (unabhängig von Covid-19) eine Impfung gegen
Influenza (Grippe) einmal jährlich
Pneumokokken alle 6 Jahre
empfohlen. Mediziner empfehlen, zwischen der Corona-Impfung und einer Grippeschutz-Impfung mindestens 14 Tage Abstand zu lassen.

 

Typische Symptome von und Testung auf Covid-19

Bei typischen Krankheitssymptomen wie

– Fieber
– trockener Husten
– Abgeschlagenheit
– Geruchs-/Geschmacksverlust
– Schnupfen
– Muskel-/Glieder-/Kopfschmerzen
– Atemnot/Kurzatmigkeit/Schmerzen beim Atmen
– Lungenentzündung
– selten Durchfall/Auswurf/Halsschmerzen/Herzinfarktsymptomen

sollten Sie sich auf Covid-19 testen lassen. Informieren Sie den Arzt / die Behörde, dass Sie zur Risikogruppe gehören und begeben Sie sich bis zum Erhalt des Testergebnisses in Quarantäne.

Außerdem wird eine Testung angeordnet oder ist sinnvoll bei Kontakt mit positiv getesteten Personen und der Rückkehr aus Risikogebieten. Dabei ist zu beachten, dass eine Testung direkt am Flughafen / an der Grenze zwar sinnvoll sein mag, aber nichts darüber aussagt, ob man sich noch in den letzten Tagen oder auf der Rückreise (z.B. im Flugzeug oder im Zug) angesteckt hat. Deshalb ist nur eine (erneute) Testung 5 – 7 Tage nach Rückkehr wirklich aussagekräftig. Sinnvollerweise sollte man sich auch in dieser Zeit bis zum Erhalt des Testergebnisses in Quarantäne begeben, um sicher zu sein, dass man niemanden in dieser Phase ansteckt.

Beachten Sie: jedes der oben genannten Symptome kann theoretisch Covid-19 sein, auch wenn nur ein einzelnes, z.B. Schnupfen vorliegt. Das ist zwar untypisch, kommt aber vor. Im Zweifelsfall sollten Sie sich als Risikopatient lieber auch bei untypischen Symptomen testen lassen.

Die Inkubationszeit (die Zeit, die zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung vergeht) beträgt im Mittel 5 – 6 Tage

 

Einnahme von Medikamenten

Betablocker

Betablocker haben keinen negativen Einfluss auf das Immunsystem und erhöhen nicht das Infektionsrisiko.

ACE-Hemmer und Sartane

Setzen Sie auf keinen Fall wegen immer noch kursierender Nachrichten ACE-Hemmer (z.B. Ramipril, Enalapril), Sartane (z.B. Candesartan, Valsartan) oder Sacubitril/Valsartan (z.B. Entresto) ab! Studien haben mittlerweile keinen Einfluss dieser Medikamente auf den Verlauf einer Covid-19-Infektion nachweisen können. Im Gegenteil: Patienten, die ACE-Hemmer einnahmen, hatten laut einer Studie aus den USA, in die über 60.000 Patienten eingeschlossen wurden, sogar einen günstigeren Verlauf!
Eine aktuelle Studie aus Deutschland, allerdings mit sehr kleinen Fallzahlen, sieht einen größeren Vorteil für Patienten, die ACE-Hemmer nehmen als für diejenigen, die Sartane verwenden. ACE-Hemmer, nicht aber Sartane, scheinen die COVID-19-bedingte Entzündungsreaktionen zu  dämpfen.
> Fachartikel (10.12.2020, EN)
> Fachartikel (4.1.2020, DE)

Blutverdünner

Verordnete Blutverdünner sind wegen der Thrombosegefahr durch Covid-19 ohnehin als günstig anzusehen und deshalb unbedingt weiter einzunehmen.

Andere Medikamente

Auch andere Medikamente beeinflussten den Krankheitsverlauf von Covid-19 eher günstig, z.B. Calciumantagonisten (z.B. Verapamil) oder Statine/Cholesterinsenker (z.B. Simvastatin).

 

Einnahme von Ibuprofen, ASS, Diclofenac etc. (nicht-steroidale Antirheumatika = NSAR)

Obwohl ein schwerer Verlauf einer Covid-19-Infektion durch NSAR nicht erwiesen ist, können die Medikamente – insbesondere bei längerfristiger Anwendung – generell bei Herzpatienten eine ungünstige Wirkung haben. Deshalb empfehlen wir, bei kurzfristig auftretenden Schmerzen, Fieber oder leichten grippalen Symptomen, eher Paracetamol zu verwenden.

 

Off-label-Therapieansätze von Covid-19

Off-label bedeutet: ein Medikament ist für die Behandlung einer bestimmten Erkrankung eigentlich nicht zugelassen; es wird aber trotzdem verwendet (“off label”), z.B. weil es sich als wirksam erwiesen hat, aber noch keine Studien vorliegen, die die Wirksamkeit auch belegen. Oder weil es (wie bei Covid-19) noch gar keine erprobten Therapien gibt.

Momentan wird vor allem auf Dexamethason (ein niedrigdosiertes Cortison) zur Behandlung schwerer Verläufe gesetzt. Auch eine Thromboseprophylaxe mit Heparin ist wegen der Gefahr von Mikrothrombosierungen (kleinen Blutgerinnseln) mittlerweile Standard.

Ein anderer Ansatz ist die Behandlung von Erkrankten mit dem Plasma Genesener, das Antikörper gegen Covid-19 enthält.

Antientzündliche Wirkstoffe, die gegen Interleukin 6 gerichtet sind (IL6-Inhibitoren) wie Tocilizumab und Siltuxi­mab, oder JAK1/2-Inhibitoren (JAK, engl. just another kinase) wie Barcitinib, die die Aktivierung eines Zytokinsturms blockieren, hatten zunächst keine herausragende Wirksamkeit bzw. widersprüchliche Resultate gezeigt, obwohl sie eigentlich die überschießende Immunantwort blockieren, die die Prognose der Patienten verschlechtert (s.a. > Infos zu Zytokinsturm und schwerem Verlauf). Nach neuesten Erkenntnissen werden sie nun aber bei schweren Verläufen eingesetzt, da sich erwiesen hat, dass sie die Überreaktion der angeborenen Immunantwort hemmen und die Wirkung von Cortison verstärken können.

Malariamittel (Chloroquin und Hydroxychloroquin) oder HIV-Medikamente (Lopinavir und Ritonavir) haben sich mittlerweile als unwirksam herausgestellt und gefährden Herzpatienten durch eine Verlängerung der QT-Zeit. Sie sollten daher auf keinen Fall mehr zum Einsatz kommen.
Die Hoffnung auf eine hohe Wirksamkeit von Remdesivir konnte ebenfalls nicht bestätigt werden. Remdesivir hat allerdings keine unerwünschten Effekte auf das Herz und beeinflusst die QT-Zeit nicht und kann daher bei Herzpatienten angewendet werden.

Insgesamt ist die Studienlage zu vielen Medikamenten noch unklar. Während eine Studie aus Brasilien von Januar 2021 die Wirksamkeit einer hochdosierten Therapie mit dem Plasma Genesener bei älteren Patienten (> 75. LJ oder >65. LJ mit Vorerkrankungen), wenn sie bereits in den ersten drei Krankheitstagen eingesetzt wird, sieht, zeigt laut einer deutschen Studie vom Januar 2021 wiederum die Plasmatherapie keine Wirkung, während hier Remdesivir, früh verabreicht als Benefit gesehen wird. Unstrittig sind lediglich der Einsatz von Heparin und Cortison.

Alles Neue zu der Wirksamkeit von allen Therapieansätzen finden Sie auf der
> Website der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft
Mathematiker versuchen die Wirksamkeit verschiedener Therapien zu errechnen
> Artikel im Deutschen Ärzteblatt vom 07.01.2021
Weitere Informationen zu allen möglichen Therapieoptionen finden Sie in unserer Auflistung von Artikeln und Empfehlungen zu Covid-19

 

Allgemeine Tipps

– Senken Sie Fieber mit Paracetamol
– Halten Sie Ihren Kaliumspiegel auf hohem Niveau (> 4,5 besser 5 mmol/l), allerdings keinesfalls zu hoch (ungünstiger Krankheitsverlauf)
– Nehmen Sie Ihre Medikamente wie gewohnt ein (s.a. nächster Absatz)
– Stärken Sie, wenn Sie möchten, Ihr Immunsystem mit Vitamin C/D oder Zink
(Patienten, die Vitamin C und/oder D einnahmen, hatten einen günstigeren Verlauf; Zink, das in den USA sehr beliebt ist, zeigte widersprüchliche Effekte)

 

Sport nach einer Covid-19-Infektion

Abgesehen von den ohnehin empfohlenen Einschränkungen beim Sport durch die Grunderkrankung ARVC sollte auch bei reinen Mutationsträgern nach einer Covid-19-Infektion mindestens 4 – 6 Wochen gar kein Sport betrieben werden.
> Artikel Ärztezeitung

 

(Zahn-)Arzt- und Krankenhausbesuche in Coronazeiten

Aufschiebbare Arztbesuche können ggf. verschoben werden. Zögern Sie aber nicht, bei beunruhigenden Krankheitsanzeichen (z.B. zunehmenden Herzrhythmusstörungen) einen Arzt oder ein Krankenhaus aufzusuchen! Erkundigen Sie sich vorher telefonisch nach den Bedingungen dafür (Maskenpflicht, Begleitung möglich oder nicht, was mitbringen?). Gehen Sie nicht zu spät zum Arzt aus Angst vor einer Covid-19-Infektion! Seit Mitte August 2020 empfiehlt die WHO die Verschiebung nicht dringlicher Zahnarztbesuche, die nur der Prophylaxe dienen.
> Artikel im Ärzteblatt

 

Spezielle Tipps
Implantierte Geräte (Schrittmacher, Defibrillatoren)

Patienten mit implantierten Devices haben kein erhöhtes Risiko durch die Geräte, nur durch die zugrundeliegende Grunderkrankung.

 

Spezielle Informationen für Herzinsuffizienzpatienten

Für Patienten, die nicht nur Herzrhythmusstörungen, sondern bereits eine Herzinsuffizienz haben, gibt es spezielle Informationen.
> Praktische Tipps “heart failure matters” (DE)

 

Tipps im Umgang mit Ängsten und Sorgen

Lassen Sie sich von den verstörenden Nachrichten in allen Medien nicht zu sehr verunsichern. Hilfreiche Tipps im Umgang mit Ängsten und Sorgen finden Sie auf diversen Webseiten und auf unserer Seite mit den gesammelten Artikeln zu Covid-19 (s.u.).

 

Gefahr eines Zytokinsturms/schweren Verlaufs/Multiorganversagens

Bei Covid-19 Infektionen kann es zu einer überschießenden Immunreaktion kommen. Der daraus folgende Anstieg von IL-6 (Interleukin 6) führt zur Verlängerung der QT-Zeit und zu einer massiven Entzündung aller Gewebe. Auch ein Anstieg der Katecholaminausschüttung kann die Herzprobleme von ARVC-Patienten verstärken. Als Therapieoptionen werden aktuell verschiedene Rheumamedikamente (z.B. Tocilizumab, Sarilumab etc.) im Rahmen von Studien erprobt. Aber auch diese sind möglicherweise nicht wirksam. Auch hier scheint Cortison derzeit die höchste Wirksamkeit zu haben.

 

Weiterführende Informationen und Artikel

Eine große Sammlung an Artikeln zu allen genannten Punkten für den Interessierten und Fachartikel auf Deutsch und Englisch finden Sie unter unserer
Auflistung von Artikeln und Empfehlungen zu Covid-19

Allgemeine Empfehlungen und sonstige Informationen auf Deutsch und Englisch bei anderen Institutionen und in der Presse finden Sie unter
> Informationen zum Coronavirus SARS-CoV-2 des Robert-Koch-Instituts
> Empfehlungen der Deutschen Herzstiftung (DE)
> Empfehlungen unseres wissenschaftlichen Beirats Prof. Stefan Kääb in der Münchner Abendzeitung (DE)
> Artikel über Studie unserer wissenschaftlicher Beirätin Prof. Karin Klingel aus Tübingen (DE)
> Umfangreiche Auflistung des ERN GUARD-Heart zu Covid-19 (EN)
> Umfangreiche Auflistung von EURORDIS zu Covid-19 (EN)

 

Forschung zu Covid-19 und ARVC

Wenn Sie an Covid-19 erkrankt sind oder waren, füllen Sie diese Umfrage der kanadischen Patientenorganisation SADS aus, damit möglichst viele Daten international gesammelt werden können, um das Risiko von ARVC-Patienten besser spezifizieren zu können. Gerne sind wir Patienten, die nicht so gut Englisch können beim Ausfüllen behilflich.
> Covid-19-Fragebogen von SADS Kanada

 

Q&A: Covid-19 und Kardiomyopathien

Unser Online-Seminar fand am Donnerstag, 07.05.2020 in Kooperation mit HOCM Deutschland e.V. statt:

 

Rare Barometer

Umfrage zur Auswirkung von Covid-19 auf Menschen mit seltenen Erkrankungen

Die Auswirkungen von Covid-19 auf Menschen mit seltenen Erkrankungen war der Inhalt einer Umfrage von EURORDIS
> Ergebnisse der Umfrage von EURORDIS