Defibrillator (ICD)

Implantierbarer Cardioverter/Defibrillator (ICD)

1. Allgemeines zu “Defis”

Im Laufe einer ARVC-Therapie kann es unter Umständen notwendig werden, dass Sie sich einen ICD (Implantierbarer Cardioverter/Defibrillator), kurz “Defi”, implantieren lassen. Ob Sie in die Risikogruppe fallen, der eine Implantation empfohlen wird, sollte von einem erfahrenen ARVC-Spezialisten beurteilt werden. Keinesfalls sollten Sie die OP einfach nur aufgrund einer Genmutation oder bei milden Symptomen ohne echte Indikation durchführen lassen.

Sollte aber ein Experte zu der Einschätzung gelangen, Ihnen einen ICD zu empfehlen, um das Risiko eines plötzlichen Herztods zu senken, können Sie mit einem Defibrillator Ihren Alltag in der Regel ganz normal weiter bestreiten.

Viele Ihrer Fragen beantwortet diese informative Broschüren des ICD-Herstellers BIOTRONIK:
> Broschüre: “Impulse für ein langes Leben mit dem implantierbaren Cardioverter/Defibrillator” (PDF)


2. ICD-Firmen

Mitglieder unserer Selbsthilfegruppe tragen ICDs folgender Firmen:
> Abbott (früher: St. Jude Medical)
> Biotronik
> Boston Scientific (früher: Cameron Health), vor allem subkutaner ICD (S-ICD)
> Medtronic


3. Arten von Defibrillatoren

a) transvenöser ICD (“normaler”, “konventioneller” ICD)
– Platzierung auf der linken Brustseite unter dem Brustmuskel
– elektrische Sonde geht über die Vene direkt in die rechte Herzkammer hinein
– der ICD gibt bei lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen einen Schock ab und bringt das Herz dadurch wieder in einen normalen Rhythmus
– er ist praktisch ein interner Notarzt, den man immer bei sich trägt
– es gibt eine Schrittmacherfunktion, die ggf. Rhythmusstörungen beenden kann, noch bevor ein Schock zum Beenden der gefährlichen Arrhythmis abgegeben werden muss

b) subkutaner ICD (S-ICD)
– Platzierung unterhalb der linken Achselhöhle im Unterhautfettgewebe
– elektrische Sonde läuft im Unterhautfettgewebe zum Brustbein und wird dort festgenäht
– der S-ICD hat eine geringere Komplikationsrate
– allerdings fehlt ihm im Gegensatz zum konventionellen ICD die wertvolle Schrittmacherfunktion, daher ist trotz einer geringeren Gesamtkomplikationsrate die Rate an inadäquaten Schocks (Schocks, die abgegeben werden, obwohl sie eigentlich nicht nötig gewesen wären) etwas höher

c) Defibrillatorweste (LifeVest)
– Weste mit integriertem Defibrillator und tragbarem Akku (ohne OP)
> Mehr praktische Informationen zur LifeVest


4. Verhaltensmaßnahmen direkt nach der Implantation eines ICD

– die Implantation eines Defis erfolgt normalerweise unter stationären Bedingungen im Krankenhaus
– ein Aggregat- bzw. Akkuwechsel kann auch ambulant erfolgen
– 10 Tage sollte die Wunde trocken bleiben (kein direkter Kontakt mit Wasser, Duschen nur mit wasserfestem Aquasafe Pflaster über der Wunde, kein Baden, keine Sauna)
– nach 10 – 14 Tagen ist Baden und Schwimmen möglich
– keine Creme oder Salbe auf die Wunde
– Vermeiden von Reibung auf der Wunde (BH, Autogurt)
– bei Auffälligkeiten der Wunde (z.B. Rötung / Überwärmung / Schwellung / Flüssigkeitsaustritt / Klaffen) einen Arzt aufsuchen
– bei Fieber einen Arzt aufsuchen
– heben Sie den Arm der operierten Seite (in der Regel links) für 6 – 8 Wochen nicht über Kopf bzw. über 90°
– meiden Sie starke Anstrengungen für 6 – 8 Wochen
– nach 6 – 8 Wochen ist die Wundheilung komplett abgeschlossen


5. Defi-Ausweis

Nach der Implantation eines Defibrillators erhält jeder einen Ausweis, in dem alle wichtigen Informationen zum Gerät enthalten sind (Firma, ICD-Modell, Sondenmodell, Implantationsdatum, zuständige Klinik/Arzt). Diesen Ausweis sollten Sie unbedingt immer zusammen mit Ihren Ausweispapieren bei sich tragen, damit im Notfall alle erforderlichen Informationen abrufbar sind.


6. Schwerbehindertenausweis

Nach der Implantation eines Defibrillators steht einem automatisch ein Schwerbehindertenausweis zu mit einem GdB (Grad der Behinderung) von mindestens 50%, der beim Versorgungsamt beantragt werden muss.


7. Allgemeine Verhaltensempfehlungen für ICD-Träger

Ein starker Zug nach oben sollte vermieden werden (z.B. Hängen an Ringen, Tauen oder am Reck). Zweikampf- und Mannschaftssportarten bringen das Risiko mit sich, dass der Defi Stöße oder Schläge abbekommt – sie sind deswegen mit Vorsicht zu genießen. Vibrationsplatten, die als Sportersatz dienen sollen, sind für Defiträger gefährlich und können im Extremfall einen Schock auslösen. Ansonsten gelten bezüglich Sport natürlich die allgemeinen Empfehlungen für ARVC-Patienten.


8. Reisen mit ICD

Wie finde ich heraus, wo ich mein ICD nach einem Zwischenfall im Urlaub oder im Ausland ausgelesen werden kann? Ein Teil der ICD-Hersteller stellt auf der eigenen Webseite Übersichten der Kliniken, in denen ihre Produkte weltweit ausgelesen werden können, zur Verfügung.

Abbott (früher: St. Jude Medical):
> Kliniksuche Abbott

Biotronik
> Kliniksuche Biotronik

Boston Scientific (früher: Cameron Health)
> Kliniksuche Boston Scientific (nur USA)
Die weltweite Kliniksuchseite von Boston Scientific gibt es leider nicht mehr, sie funktioniert nur für USA. Auf der Seite “Find An EMBLEM S-ICD System Experienced Physician” anklicken.
Für Reisen in andere Regionen gibt es Beratung unter der deutschen Festnetznummer 02102 / 489-750 (Informationsvermittlung kann dauern, bitte rechtzeitig vor einem geplanten Urlaub anrufen!)

Medtronic
Medtronic hat eine umfassende Klinksuchseite auf Englisch, die unterscheidet nach Schrittmachern (pacemakers), Kardialer Resynchronisationstherapie (cardiac resynchronization therapy – CRT), Defis / ICDs (implantable cardiac defibrillators) und Eventrecordern (Insertable Cardiac Monitor), Vorsicht: manche Kliniken können nicht alle dieser Devices auslesen, daher genau lesen!
> Kliniksuche Medtronic


9. ICD und Geräte

Zur Interaktion diverser Geräte (Smartphones, Handys, E-Autos, Unterhaltungselektronik, Kopfhörer, Lautsprecher, Diebstahlsicherungen, Metalldetektoren, Stromleitungen, Induktionsherde, Körperfettwagen…) verweisen wir auf die Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) und dem Artikel des Informationsdienstes Wissenschaft (idw)
> Stellungnahme der DGK
> Informationsdienst Wissenschaft


10. ICD und Psyche

Defiträger haben immer wieder mit Ängsten und Sorgen zu kämpfen. Ein internetbasiertes 6-Wochen-Programm zur Prävention von Angst und Depression sowie zur Steigerung der Lebensqualität bei Patienten mit implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) bietet das Defi-Forum der Universität Würzburg an
> ICD-Forum Uni Würzburg


11. ICD – S
elbsthilfegruppen und Austauschforen

Defiträger finden Gleichgesinnte hier:

Defibrillator-Forum
Internetforum zum Austausch mit anderen  Patienten bzgl. diverser Fragestellungen
z.T. thematisch geordnet (z.B. Angst, Behinderungsgrad, Rente, junge Defiträger, Beruf, Straßenverkehr etc.)
> Defibrillator-Forum (DE)

Defibrillator (ICD) Deutschland e.V.
Netzwerk für Menschen mit implantiertem Defibrillator und deren Selbsthilfegruppen. Angeboten werden Informationen, Veranstaltungen und Selbsthilfegruppen in ganz Deutschland
> Defibrillator (ICD) Deutschland e.V (DE)

Herz-in-Takt Defi-Liga e.V.
Deutschlandweites Netzwerk, das Hilfe für Menschen mit Defibrillatoren, deren Angehörige und Freunde anbietet. Angeboten werden Informationen, Tagungen und Gesprächskreise
> Herz-in-Takt Defi-Liga e.V. (DE)


Vortrag

Wir verweisen an dieser Stelle auf die Vortragsfolien von Dr. Eimo Martens (Klinikum rechts der Isar der TU München, Ambulanz für angeborene Arrhythmiesyndrome), der im Rahmen des ARVC-Selbsthilfegruppentreffens am 14. September 2019 einen Vortrag zum Thema “Devices – alles rund um Defibrillatoren, Eventrecorder und Co.” gehalten hat.
> Vortragsfolien (PDF)
> Ergänzende Stichpunkte (PDF)

Hinweis: Die Vortragsfolien können kopiergeschützte Inhalte enthalten, deren Vervielfältigung untersagt ist.

Quellenangaben

Knops, R.E., Olde Nordkamp L.R.A., Delnoy, P.H.M et al. in: N Engl J Med 2020; 383:526-536, “Subcutaneous or Transvenous Defibrillator Therapy”

Napp, A., Kolb, C., Lennerz, C. et al. in Kardiologe (2019) 13: 216, “Elektromagnetische Interferenz von aktiven Herzrhythmusimplantaten im Alltag und im beruflichen Umfeld”

Böhm, M. (Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V.), “E-Autos, Smartphones und Co. – Welche Geräte stören Funktionen von Herzschrittmachern und implantierten Defibrillatoren?”

Deutsches Ärzteblatt 27. August 2013, News Medizin, “Subkutane ICD in Langzeitanwendung zuverlässig”

Weiss, R., Knight, B.P., Gold, M.R. et al. in: Circulation. 2013;128:944–953, “Safety and Efficacy of a Totally Subcutaneous Implantable-Cardioverter Defibrillator”

Köbe, J., Zumhagen, S., Reinke, F., Schulze-Bahr, E. in: Herz 2011 · 36:586–591, “Komplett subkutaner Kardioverter-Defibrillator (S-ICD®)”