Medikamente bei ARVC

Medikamente bei ARVC

Auf dieser Seite informieren wir über das > Ziel einer medikamentösen Therapie und stellen Ihnen eine Auswahl gängiger Medikamente vor, die für die Behandlung der ARVC genutzt werden:
> Antiarrhythmika
> Medikamente bei Herzinsuffizienz
> Antikoagulantien

In Einzelfällen können auch andere Arzneistoffe geeignet und erfolgreich sein, die hier nicht aufgeführt sind. Allgemeine Empfehlungen für die Therapie finden Sie auf der Seite > Einsatzbereiche von Medikamenten.

Wir wollen dazu beitragen, dass Sie über die grundsätzlichen Möglichkeiten informiert sind. Die Medikation ist immer eine individuelle Entscheidung, die der behandelnde Arzt trifft, weshalb wir ausdrücklich auf persönliche Empfehlungen verzichten.


Was ist das Ziel einer Behandlung mit Medikamenten?

Geheilt werden kann die Erkrankung aktuell leider noch nicht. Ziel der medikamentösen Behandlung ist daher eine Linderung von Symptomen durch

– Kontrolle von Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen)
– Entlastung des Herzens
– Verzögerung des Gewebeumbaus
– Therapie einer bestehenden Herzinsuffizienz (Herzschwäche)

Um diese Ziele zu erreichen, kann die Einnahme eines oder mehrerer Medikamente notwendig werden. Im Folgenden stellen wir Ihnen einige davon vor.

Diese Medikamente werden häufig eingesetzt

Antiarrhythmika

Die antiarrhythmische Therapie soll das Auftreten von Arrhythmien verhindern bzw. ihre Anzahl und Komplexizität bestmöglich reduzieren. Gefährliche Rhythmusstörungen und eventuelle ICD-Schocks (bei Trägern eines implantierten Defibrillators) sollen damit vermieden und die Lebensqualität verbessert werden.


Betablocker
  • Wie wirken Betablocker?
    Betablocker schützen das Herz vor zu hohen Herzfrequenzen und dem Einfluss von Hormonen wie Adrenalin und Noradrenalin, die bei körperlicher und/oder psychischer Belastung ausgeschüttet werden. Durch eine niedrigere Herzfrequenz sinkt der Sauerstoffbedarf, das Herz arbeitet ökonomischer und das Risiko für schnelle Herzrhythmusstörungen sinkt.
  • Welcher Betablocker wirkt bei ARVC am besten?
    “Den besten” Betablocker bei ARVC gibt es (aktuell) nicht. Gängige Präparate sind z.B. Bisoprolol, Metoprolol, Atenolol oder auch Carvedilol und Nebivolol. Sie unterscheiden sich in ihrer Wirkung und ihren Nebenwirkungen.
    Alle diese Wirkstoffe blockieren β1-Rezeptoren am Herzen, was für den stabilisierenden Effekt auf Herzrhythmus und -frequenz entscheidend ist. Einige davon sind sogenannte “selektive” Betablocker, was bedeutet, dass sie (fast) nur β1-Rezeptoren besetzen. Weitere, zusätzliche Wirkungen an anderen Rezeptoren können vorteilhaft (z.B. Gefäßerweiterung) oder auch unerwünscht sein.
    Die Auswahl richtet sich nach der individuellen Verträglichkeit und hängt von weiteren Begleiterkrankungen ab (z.B. Diabetes, Atemwegserkrankungen, Durchblutungsstörungen etc.). Gründe für einen Wechsel auf ein anderes Präparat können außerdem ein schlechtes Ansprechen oder Nebenwirkungen sein.
  • Welche Nebenwirkungen können auftreten?
    Nebenwirkungen sind zu Beginn der Therapie häufiger und lassen meist nach einigen Wochen nach. Häufig treten Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, ein niedriger Blutdruck, niedrige Herzfrequenz, gastrointestinale Beschwerden (z.B. Übelkeit, Durchfall) sowie kalte Hände und Füße auf. Wichtig ist eine langsame Steigerung der Dosis, besonders bei Patienten mit Herzinsuffizienz – und ebenso ein langsames Ausschleichen beim Absetzen des Medikaments. Der Körper muss sich an die neue Situation gewöhnen, auch auf Ebene der Rezeptoren, so dass bei abruptem Absetzen mit verstärkten Arrhythmien gerechnet werden muss.

Sotalol
  • Wie wirkt Sotalol?
    Sotalol gehört zur Gruppe der Betablocker, nimmt aber unter diesen eine Sonderstellung ein. Es blockiert – zusätzlich zu den β-Rezeptoren – auch Kalium-Kanäle im Herzen, was dazu führt, dass die Herzmuskelzelle weniger oft in Folge erregbar ist (“verlängerte Refraktärzeit”). Dadurch hat es stärkere antiarrhythmische Eigenschaften.
  • Was ist bei der Behandlung zu beachten? Welche Nebenwirkungen können auftreten?
    Sotalol verlangsamt den Herzschlag (Bradykardie). Um zu verhindern, dass der Puls zu stark abfällt, kann ein evtl. vorhandener Schrittmacher entsprechend programmiert werden.
    Sotalol kann selbst gefährliche Rhythmustörungen hervorrufen, sogenannte Torsade-de-Pointes- Arrhythmien. Das Risiko hierfür steigt mit zunehmender Dosis. Begünstigende Faktoren sind eine stark verlängerte QT-Zeit, ein zu langsamer Herzschlag und zu niedrige Kalium- bzw. Magnesiumspiegel.
    Aus diesem Grund wird die Therapie, v.a. zu Beginn und bei Dosissteigerung, durch regelmäßige EKG-Kontrollen überwacht und häufig unter stationären Bedingungen im Krankenhaus initiiert. Weitere Nebenwirkungen entsprechen in etwa denen anderer Betablocker.
  • Gibt es Besonderheiten bei der Einnahme?
    Sotalol sollte mindestens 1h vor den Mahlzeiten eingenommen werden, um optimal wirken zu können.

Amiodaron
  • Wie wirkt Amiodaron?
    Amiodaron wirkt durch unterschiedliche Mechanismen im Körper. Es blockiert verschiedene Ionenkanäle (Natrium-, Kalium-, Calciumkanäle) sowie α– und β- Rezeptoren. Es wirkt sehr gut gegen Herzrhythmusstörungen – oftmals sogar dann, wenn andere Antiarhrythmika nicht (mehr) helfen.
    Amiodaron beeinträchtigt die Pumpfunktion des Herzens nicht und ist daher auch bei schwerer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) geeignet.
    Eine Besonderheit des Arzneistoffs ist die ausgeprägte Einlagerung in verschiedene Körpergewebe. Folge ist eine sehr lange Wirkung, die von Person zu Person unterschiedlich ausfällt. Zu Beginn ist eine Aufsättigungsphase notwendig, bis ein Zustand erreicht ist, in dem sich der Wirkstoff genügend angereichert hat und ein gleichbleibender Wirkspiegel gehalten werden kann.
  • Welche Nebenwirkungen können auftreten?
    Amiodaron
    hat vielfältige Wirkungen auf verschiedene Organsysteme (u.a. Schilddrüse, Lunge, Leber, Muskulatur, Augen, Haut) und kann diese auch weitreichend schädigen. Eine engmaschige Überwachung, z.B. der Lungenfunktion, augenärztliche Untersuchungen und regelmäßige Laborkontrollen sind deshalb erforderlich. Trotzdem überwiegt der Nutzen meist eindeutig, wenn das Medikament verschrieben wird.
  • Gibt es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten?
    Amiodaron
    hat ein großes Wechselwirkungspotenzial. Es kann den Abbau einiger anderer Medikamente behindern. Ebenso können andere Medikamente den Abbau von Amiodaron verzögern. Wechselwirkungen mit weiteren Medikamenten und Nahrungsmitteln (z.B. Grapefruitsaft) sind also unbedingt zu berücksichtigen.
  • Was sollte ich noch beachten?
    Amiodaron erhöht die Empfindlichkeit der Haut gegenüber der Sonne. Im Sommer sollte auf einen guten Sonnenschutz (Kopfbedeckung, Kleidung, Sonnenschutz-Präparate) geachtet werden, direkte Sonneneinstrahlung – wo möglich – gemieden werden.

Flecainid
  • Wie wirkt Flecainid?
    Flecainid blockiert Natrium-Kanäle und verzögert die Reizweiterleitung im Herzen.
    Da es die Pumpfunktion des Herzens beeinträchtigen kann, darf es – im Gegensatz zu Amiodaron – nicht zum Einsatz kommen, wenn die Herzleistung eingeschränkt ist.
  • Welche Nebenwirkungen können auftreten?
    Als Nebenwirkung tritt sehr häufig vorübergehender Schwindel auf. Weiterhin kann es zu Sehstörungen, Hypotonie, Bradykardie und Überleitungsstörungen kommen.
    Flecainid kann selbst Arrhythmien auslösen. Zu Beginn und bei Dosiserhöhung sollten deshalb engmaschige EKG-Kontrollen und eine Überwachung des Plasmaspiegels erfolgen. Der Elektrolythaushalt sollte ausgeglichen sein, um Nebenwirkungen zu vermeiden.
  • Gibt es Besonderheiten bei der Einnahme?
    Flecainid sollte mindestens 1h vor den Mahlzeiten eingenommen werden, um optimal wirken zu können.

Medikamente bei Herzinsuffizienz

Wenn die Pumpkraft des Herzens nachlässt, werden Organe schlechter mit Sauerstoff versorgt. Der Körper ergreift daraufhin verschiedene Maßnahmen, um die Versorgung trotzdem aufrecht zu erhalten. Diese “Lösungsstrategien” verschlechtern langfristig allerdings die Herzinsuffizienz, führen z.B. zur Engstellung der Gefäße, vermehrtem Umbau im Herzmuskelgewebe oder Vergrößerung des Herzmuskels.
Deshalb ist es wichtig, diese körpereigenen, schädigenden Mechanismen zu unterdrücken oder im Gegenzug – günstige Strategien zu fördern.

Antikoagulation (“Blutverdünner”)

Blutverdünnende Medikamente werden dann notwendig, wenn die Gefahr besteht, dass sich Gerinnsel bilden, die sich ggf. lösen und Gefäße verstopfen können. Mit verschiedenen – neuen und älteren – Wirkstoffen kann man in bestimmte Schritte der Blutgerinnungskaskade eingreifen. Dadurch entsteht der gewünschte Effekt: das Blut klumpt weniger gut zusammen, die Blutgerinnung wird erschwert. Nachteil: die Blutungsneigung nimmt im ganzen Körper zu. Dies kann, je nach Präparat und Dosierung, das Risiko für Blutungen im Magen-Darm-Trakt oder im Gehirn erhöhen. Wichtig ist hier eine individuell angepasste Auswahl und Dosierung des Medikaments.