Medikamente bei ARVC

Medikamente bei ARVC

Im Verlauf der Erkrankung kann es sinnvoll und notwendig werden, dauerhaft eines oder mehrere Medikamente einzunehmen. Das ist für viele, insbesondere junge und zuvor “kerngesunde” Menschen, ein sehr gewöhnungsbedürftiger Gedanke. Muss das sein? Bringt das wirklich etwas? Wird mein Körper dadurch geschädigt? Bekommen andere Patienten das gleiche Medikament, oder bin ich ein Ausnahmefall?

Was die einzelnen Medikamente im Körper bewirken – und welche es überhaupt gibt, erfahren Sie hier:
> Antiarrhythmika
> Medikamente bei Herzinsuffizienz
> Antikoagulantien

Allgemeine Empfehlungen für die Therapie (“welches Medikament für wen?”) finden Sie auf der Seite:
> Einsatzbereiche von Medikamenten.


Was ist das Ziel einer Behandlung mit Medikamenten?

Da die Erkrankung aktuell noch nicht geheilt werden kann, ist das Ziel der Behandlung eine Linderung von Symptomen durch

– Kontrolle von Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen)
– Entlastung des Herzens
– Verzögerung des Gewebeumbaus
– Therapie einer bestehenden Herzinsuffizienz (Herzschwäche)

 


Antiarrhythmika

Die antiarrhythmische Therapie soll das Auftreten von Arrhythmien verhindern bzw. ihre Anzahl und Komplexizität bestmöglich reduzieren. Gefährliche Rhythmusstörungen und eventuelle ICD-Schocks (bei Trägern eines implantierten Defibrillators) sollen damit vermieden und die Lebensqualität verbessert werden.


Betablocker

Wie wirken Betablocker?

Betablocker schützen das Herz vor zu hohen Herzfrequenzen und dem Einfluss von Hormonen wie Adrenalin und Noradrenalin, die bei körperlicher und/oder psychischer Belastung ausgeschüttet werden. Durch eine niedrigere Herzfrequenz sinkt der Sauerstoffbedarf, das Herz arbeitet ökonomischer und das Risiko für schnelle Herzrhythmusstörungen sinkt.

Welcher Betablocker wirkt bei ARVC am besten?

“Den besten” Betablocker bei ARVC gibt es (aktuell) nicht. Gängige Präparate sind z.B. Bisoprolol, Metoprolol, Atenolol oder auch Carvedilol und Nebivolol. Sie unterscheiden sich in ihrer Wirkung und ihren Nebenwirkungen.
Alle diese Wirkstoffe blockieren β1-Rezeptoren am Herzen, was für den stabilisierenden Effekt auf Herzrhythmus und -frequenz entscheidend ist. Einige davon sind sogenannte “selektive” Betablocker, was bedeutet, dass sie (fast) nur β1-Rezeptoren besetzen. Weitere, zusätzliche Wirkungen an anderen Rezeptoren können vorteilhaft (z.B. Gefäßerweiterung) oder auch unerwünscht sein.
Die Auswahl richtet sich nach der individuellen Verträglichkeit und hängt von weiteren Begleiterkrankungen ab (z.B. Diabetes, Atemwegserkrankungen, Durchblutungsstörungen etc.). Gründe für einen Wechsel auf ein anderes Präparat können außerdem ein schlechtes Ansprechen oder Nebenwirkungen sein.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Nebenwirkungen sind zu Beginn der Therapie häufiger und lassen meist nach einigen Wochen nach. Häufig treten Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen, ein niedriger Blutdruck, niedrige Herzfrequenz, gastrointestinale Beschwerden (z.B. Übelkeit, Durchfall) sowie kalte Hände und Füße auf. Wichtig ist eine langsame Steigerung der Dosis, besonders bei Patienten mit Herzinsuffizienz – und ebenso ein langsames Ausschleichen beim Absetzen des Medikaments. Der Körper muss sich an die neue Situation gewöhnen, auch auf Ebene der Rezeptoren, so dass bei abruptem Absetzen mit verstärkten Arrhythmien gerechnet werden muss.


Sotalol

Wie wirkt Sotalol?

Sotalol gehört zur Gruppe der Betablocker, nimmt aber unter diesen eine Sonderstellung ein. Es blockiert – zusätzlich zu den β-Rezeptoren – auch Kalium-Kanäle im Herzen, was dazu führt, dass die Herzmuskelzelle weniger oft in Folge erregbar ist (“verlängerte Refraktärzeit”). Dadurch hat es stärkere antiarrhythmische Eigenschaften.

Was ist bei der Behandlung zu beachten? Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Sotalol verlangsamt den Herzschlag (Bradykardie). Um zu verhindern, dass der Puls zu stark abfällt, kann ein evtl. vorhandener Schrittmacher entsprechend programmiert werden.
Sotalol kann selbst gefährliche Rhythmusstörungen hervorrufen, sogenannte Torsade-de-Pointes-Arrhythmien. Das Risiko hierfür steigt mit zunehmender Dosis. Begünstigende Faktoren sind eine stark verlängerte QT-Zeit, ein zu langsamer Herzschlag und zu niedrige Kalium- bzw. Magnesiumspiegel.
Aus diesem Grund wird die Therapie, v.a. zu Beginn und bei Dosissteigerung, durch regelmäßige EKG-Kontrollen überwacht und häufig unter stationären Bedingungen im Krankenhaus initiiert. Weitere Nebenwirkungen entsprechen in etwa denen anderer Betablocker.

Gibt es Besonderheiten bei der Einnahme?

Sotalol sollte mindestens 1h vor den Mahlzeiten eingenommen werden, um optimal wirken zu können.


Amiodaron

Wie wirkt Amiodaron?

Amiodaron wirkt durch unterschiedliche Mechanismen im Körper. Es blockiert verschiedene Ionenkanäle (Natrium-, Kalium-, Calciumkanäle) sowie α und β- Rezeptoren. Es wirkt sehr gut gegen Herzrhythmusstörungen – oftmals sogar dann, wenn andere Antiarrhrythmika nicht (mehr) helfen.
Amiodaron beeinträchtigt die Pumpfunktion des Herzens nicht und ist daher auch bei schwerer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) geeignet.
Eine Besonderheit des Arzneistoffs ist die ausgeprägte Einlagerung in verschiedene Körpergewebe. Folge ist eine sehr lange anhaltende Wirkung, die von Person zu Person unterschiedlich ausfällt. Zu Beginn ist eine Aufsättigungsphase notwendig, bis ein Zustand erreicht ist, in dem sich der Wirkstoff genügend angereichert hat und ein gleichbleibender Wirkspiegel gehalten werden kann.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Amiodaron hat vielfältige Wirkungen auf verschiedene Organsysteme (u.a. Schilddrüse, Lunge, Leber, Muskulatur, Augen, Haut) und kann diese auch weitreichend schädigen. Eine engmaschige Überwachung, z.B. der Lungenfunktion, augenärztliche Untersuchungen und regelmäßige Laborkontrollen sind deshalb erforderlich. Trotzdem überwiegt der Nutzen meist eindeutig, wenn das Medikament verschrieben wird.

Gibt es Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten?

Amiodaron hat ein großes Wechselwirkungspotenzial. Es kann den Abbau einiger anderer Medikamente behindern. Ebenso können andere Medikamente den Abbau von Amiodaron verzögern. Wechselwirkungen mit weiteren Medikamenten und Nahrungsmitteln (z.B. Grapefruitsaft) sind also unbedingt zu berücksichtigen.

Was sollte ich noch beachten?

Amiodaron erhöht die Empfindlichkeit der Haut gegenüber der Sonne. Im Sommer sollte auf einen guten Sonnenschutz (Kopfbedeckung, Kleidung, Sonnenschutz-Präparate) geachtet werden, direkte Sonneneinstrahlung – wo möglich – gemieden werden.


Flecainid

Wie wirkt Flecainid?

Flecainid blockiert Natrium-Kanäle und verzögert die Reizweiterleitung im Herzen.
Da es die Pumpfunktion des Herzens beeinträchtigen kann, darf es – im Gegensatz zu Amiodaron – nicht zum Einsatz kommen, wenn die Herzleistung eingeschränkt ist.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Als Nebenwirkung tritt sehr häufig vorübergehender Schwindel auf. Weiterhin kann es zu Sehstörungen, Hypotonie, Bradykardie und Überleitungsstörungen kommen.
Flecainid kann selbst Arrhythmien auslösen. Zu Beginn und bei Dosiserhöhung sollten deshalb engmaschige EKG-Kontrollen und eine Überwachung des Plasmaspiegels erfolgen. Der Elektrolythaushalt sollte ausgeglichen sein, um Nebenwirkungen zu vermeiden.

 


Medikamente bei Herzinsuffizienz

Wenn die Pumpkraft des Herzens nachlässt, werden Organe schlechter mit Sauerstoff versorgt. Der Körper ergreift daraufhin verschiedene Maßnahmen, um die Versorgung trotzdem aufrecht zu erhalten. Diese “Lösungsstrategien” verschlechtern langfristig allerdings die Herzinsuffizienz, führen z.B. zur Engstellung der Gefäße, vermehrtem Umbau im Herzmuskelgewebe oder Vergrößerung des Herzmuskels.
Deshalb ist es wichtig, diese körpereigenen, schädigenden Mechanismen zu unterdrücken oder im Gegenzug – günstige Strategien zu fördern.


Betablocker

Nicht nur als Antiarrhythmika (> Betablocker), sondern auch für die Therapie einer Herzinsuffizienz sind Betablocker ein bewährter Grundpfeiler.

Wirken alle Betablocker bei Herzinsuffizienz gleichermaßen gut?

Die Wirksamkeit bei Herzinsuffizienz ist zur Zeit nur für Metoprolol-Succinat, Bisoprolol, Carvedilol und Nebivolol (für Patienten ab 70 Jahre) belegt. Sie entlasten das Herz, haben günstige Auswirkung auf die Herzleistung und beugen einer Herzvergrößerung sowie gefährlichen Rhythmusstörungen vor. Carvedilol und Nebivolol haben zusätzlich gefäßerweiternde Eigenschaften.

Was ist speziell bei Herzinsuffizienz im Bezug auf die Betablocker-Einnahme zu beachten?

Betablocker reduzieren erst einmal die Schlagkraft des Herzens und senken den Blutdruck. Das kann dazu führen, dass sich die Herzfunktion anfänglich verschlechtert. Bei regelmäßiger Einnahme reguliert sich dieser Effekt. Das Herz arbeitet effektiver als vorher.

Die Dosis wird bei Herzinsuffizienz deshalb zu Beginn besonders niedrig gewählt. Die Dosissteigerung erfolgt langsam, um diese ersten, kurzzeitig nachteiligen Wirkungen kontrollieren zu können.

Gibt es Empfehlungen für die Einnahme?

Carvedilol wirkt relativ schnell. Die Einnahme bei Herzinsuffizienz wird deshalb nach dem Essen empfohlen, damit die Wirkung gleichmäßiger eintritt und der Blutdruck nicht zu schnell abfällt. Aufgrund der etwas kürzeren Wirkdauer wird es i.d.R. 2-3x täglich verordnet.

Bei Metoprolol-Succinat (i.d.R. Retard-Tabletten, die den Wirkstoff nach und nach, gleichmäßig über den Tag verteilt, freisetzen), Bisoprolol und Nebivolol reicht eine einmal tägliche Einnahme aus, da die Wirkung länger anhält. Der Effekt ist von der Nahrungsaufnahme unabhängig, sie können also vor, während, oder nach dem Essen eingenommen werden.

 

Eine wichtige Rolle bei der Regulation von Blutdruck und Flüssigkeitshaushalt spielt das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS). In dieses System greifen ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Blocker und Aldosteron-Antagonisten ein. Bei Herzinsuffizienz ist das System überaktiviert.


ACE-Hemmer: z.B. Ramipril, Enalapril
(ACE= Angiotensin Converting Enzyme)

Wie wirken ACE-Hemmer und was bringen sie?

ACE-Hemmer vermindern die Bildung eines stark blutdrucksteigernden Hormons: Angiotensin II. In Folge werden die Gefäße weiter, der Blutdruck sinkt, und die Produktion weiterer für einen (ungünstigen) Umbau des Herzmuskelgewebes verantwortlichen Botenstoffe wird reduziert.
All das führt dazu, dass die Herzschwäche langsamer fortschreitet und sich die Leistungsfähigkeit verbessert. Im Gegensatz zu Betablockern haben ACE-Hemmer keinen Einfluss auf die Herzfrequenz.

Wann ist ein ACE-Hemmer notwendig?

ACE-Hemmer haben sich gut bewährt, um das Voranschreiten einer Herzinsuffizienz zu bremsen. Sie werden deshalb direkt bei beginnender Herzschwäche eingesetzt. Auch bei ARVC kommen sie zum Einsatz, wenn eine Herzinsuffizienz vorhanden ist. Sie sollen u.a. helfen, den bindegewebigen Umbau des Herzens aufzuhalten.

Was für Nebenwirkungen können auftreten?

ACE-Hemmer sind insgesamt gut verträglich und relativ nebenwirkungsarm. V.a. in den ersten Wochen der Einnahme kann es zu Schwindel, Müdigkeit, niedrigem Blutdruck oder Kopfschmerzen kommen. Weiter können Magen-Darm-Beschwerden, Muskelbeschwerden oder Hautausschlag auftreten. Diese drei wichtigen Nebenwirkungen sollten außerdem bekannt sein:

  • Trockener Reizhusten. Er tritt in 10-15% der Fälle auf. Ein > Angiotensin-II-Blocker ist dann eine gute Alternative. Beim Absetzen des ACE-Hemmers verschwindet der Husten wieder.
  • Angioödem, eine allergische Reaktion, bei der sich Schwellungen im Kopf-Hals-Bereich (Lippe, Zunge, Rachen, Kehlkopf) bilden. Es kann auch noch nach langjähriger Therapie auftreten und ist ein Notfall.
  • Erhöhung des Kaliumspiegels. Vor Beginn der Therapie, nach der Einstellung und in regelmäßigen Abständen sollte der Kaliumspiegel im Blut überprüft werden. Besondere Vorsicht ist bei Einnahme von Kaliumpräparaten geboten. Die Einnahme sollte vorab mit dem Arzt besprochen werden. Die Nebenwirkung kann sich verstärken, wenn andere Medikamente, wie > Aldosteron-Antagonisten, zusätzlich eingenommen werden.


Angiotensin-II-Rezeptor-Blocker (Sartane, AT
1-Antagonisten, ARB): z.B. Valsartan, Candesartan

Wie wirken Sartane?

Sartane haben eine ähnliche Funktion wie ACE-Hemmer. Auch sie vermindern die Wirkung von Angiotensin II, haben aber keinen Einfluss auf die Entstehung des Hormons selbst, sondern blockieren das Andocken an einem seiner Rezeptoren (AT1-Rezeptor). Die unerwünschten Effekte von Angiotensin II werden somit unterdrückt.

Wann wird ein Sartan verordnet?

Sartane sind eine Alternative, wenn > ACE-Hemmer nicht verträglich sind. Typische Nebenwirkungen der ACE-Hemmer, wie Reizhusten und Angioödem, treten wesentlich seltener auf.

Was für Nebenwirkungen können auftreten?

Vor allem zu Beginn kann es häufig zu einem niedrigen Blutdruck, gelegentlich auch zu Schwindel oder Kopfschmerzen kommen. Es empfiehlt sich deshalb, die Dosis langsam zu steigern. Weitere Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden oder (selten) eine Störung der Nierenfunktion. Nieren- und Elektrolytwerte sollten in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden. Gelegentlich tritt ein zu hoher Kaliumwert auf. Deshalb sollten Kaliumpräparate nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden. Bei Sartanen ist das Risiko für ein > Angioödem geringer als bei ACE-Hemmern.


Angiotensin-Neprilysin-Inhibitoren (ARNI) – Kombinationspräparat:
Sacubitril/ Valsartan

Wie wirken ARNI?

Es handelt sich hier um eine Kombination zweier Wirkstoffe: Sacubitril und > Valsartan.
Sacubitril sorgt dafür, dass Botenstoffe, die der Körper selbst ausschüttet, um das Herz zu entlasten, langsamer abgebaut werden. Die positive Wirkung dieser körpereigenen Stoffe wird damit verstärkt.
Es wirkt leicht entwässernd durch Förderung der Natrium- und Wasserausscheidung, erweitert die Gefäße und verhindert krankheitsbedingten, unerwünschten Gewebeumbau im Herzen.
Valsartan ist enthalten, um bestimmte ungünstige Effekte von Sacubitril auszugleichen. Es wird daher immer anstatt eines ACE-Hemmers oder AT1-Antagonisten gegeben – und nicht zusätzlich.

Für wen ist das Präparat geeignet?

Der Wirkstoff ist seit 2016 auf dem Markt und damit relativ neu. Der Stellenwert bei Herzinsuffizienz wird international noch unterschiedlich eingeschätzt: durch die amerikanischen Leitlinien direkt anstatt eines ACE-Hemmers empfohlen, kommt es nach den deutschen Leitlinien erst dann zum Einsatz, wenn trotz Ausschöpfung der Standard-Therapie (Betablocker + ACE-Hemmer + Aldosteron-Antagonist) noch Beschwerden bestehen. Eine große Studie hatte vor der Zulassung die Überlegenheit von Sacubitril/ Valsartan gegenüber Enalapril gezeigt, wird aber teilweise auch kritisch gesehen. Weitere Studien, auch bzgl. der Langzeiteffekte, sind in den kommenden Jahren zu erwarten.

Was für Nebenwirkungen können auftreten?

Das Medikament senkt den Blutdruck stark, sodass es zu Schwindel und Synkopen (Bewusstlosigkeit/ Ohnmacht) kommen kann. Deshalb ist es ratsam, einschleichend zu dosieren. Außerdem treten häufig erhöhte Kaliumwerte, Nierenfunktionsstörungen und Magen-Darm-Beschwerden (z.B. Übelkeit, Durchfall) auf. Kalium- und Nierenwerte sollten regelmäßig bestimmt werden.

Auch hier besteht das Risiko für ein > Angioödem. Es trat in der Zulassungsstudie etwas häufiger auf als unter dem Vergleichsmedikament Enalapril (einem reinen ACE-Hemmer).

Langzeiteffekte sind noch nicht bekannt. Es wird diskutiert, ob Sacubitril die Entwicklung einer Demenz begünstigen könnte, da es u.a. auch den Abbau bestimmter Ablagerungen im Gehirn auszubremsen scheint.


Aldosteron-Antagonisten:
Eplerenon, Spironolacton

Wie wirken Aldosteron-Antagonisten?

Aldosteron-Antagonisten gehören streng genommen zu den Diuretika (siehe hierzu auch > Schleifendiuretika), wirken aber nur schwach entwässernd. Sie sorgen dafür, dass Natrium (und damit auch Wasser) vermehrt ausgeschieden wird – im Gegenzug bleibt Kalium im Blut.
Die Wirkung tritt nicht sofort ein, sondern erst nach einigen Tagen. Das Herz muss nun weniger Blut durch den Körper pumpen und wird entlastet. Ebenso wichtig ist aber auch der Einfluss auf den Herzmuskel direkt: Aldosteron-Antagonisten schützen vor bindegewebigem Umbau des Herzens, der ansonsten durch Aldosteron gefördert würde.

Wann werden Aldosteron-Antagonisten eingesetzt?

Spironolacton wird bei einer eingeschränkten Herzleistung als weiterer Partner in die Medikation aufgenommen, wenn trotz Einstellung auf Betablocker und ACE-Hemmer (oder ein Sartan) weiterhin Beschwerden vorhanden sind. Gleiches gilt für Eplerenon. In Studien konnte die Sterblichkeit durch zusätzliche Behandlung mit Spironolacton oder Eplerenon gesenkt werden.

Was für Nebenwirkungen können auftreten?

Auch hier besteht das Risiko eines erhöhten Kaliumspiegels. Vorsicht ist v.a. bei einer Kombination mit ACE-Hemmern oder Sartanen geboten. Regelmäßig kontrolliert werden sollten daher insbesondere Elektrolyt- (Kalium und Natrium) und Nierenwerte. Außerdem können Magen-Darm-Beschwerden oder Hautausschläge auftreten.
Spironolacton blockiert bestimmte Rezeptoren männlicher Geschlechtshormone. Dadurch kann es bei Männern zur Vergrößerung der Brust oder Potenzstörungen kommen, bei Frauen zum Ausbleiben der Periode. Eplerenon hat diese Nebenwirkungen nicht.

 

Infolge der Herzschwäche schafft das Herz es unter Umständen nicht mehr, Flüssigkeit ausreichend durch den Körper zu pumpen und auszuscheiden. Dann kann sich zu viel Wasser im Körper anstauen und weitere Probleme mit sich bringen. Wasseransammlungen in den Beinen nennen Ärzte „periphere Ödeme“, im Bauch „Aszites“, in der Lunge „Lungenödem“. Diese sind sehr belastend für das Herz. Es muss noch mehr Arbeit leisten.
In solchen Fällen sind Medikamente nötig, die schnell dafür sorgen, dass der Kreislauf entlastet wird und der Körper entwässert. Diese Aufgabe haben sogenannte Diuretika.


Schleifendiuretika, z.B.
Furosemid, Torasemid

Was machen Schleifendiuretika?

Ein Diuretikum ist ein entwässerndes Medikament. Schleifendiuretika sind eine Untergruppe, die an der sogenannten „Henleschen Schleife“, einem bestimmten Bereich in den Nierenkörperchen, angreift. Sie wirken besonders schnell und stark. Dabei wird Salz und Wasser ausgeschieden.

Was für eine Rolle spielen Diuretika bei ARVC?

Durch eine besonders hohe Flüssigkeitsmenge im Blutkreislauf steigt auch der Druck auf das rechte Herz (wie z.B. beim Sport). Da genau das ein Faktor ist, der bei ARVC vermieden werden soll, ist es ein Ansatz, das Flüssigkeitsvolumen zu reduzieren. Das Herz könnte damit entlastet werden, das Gewebe weniger strapaziert. Möglicherweise könnte eine Therapie vorbeugend auf einen Ausbruch der Erkrankung wirken (siehe hierzu: > Posterpräsentation von Dr. Larissa Fabritz).
Aktuell werden Diuretika überwiegend zur Behandlung einer Rechts- oder Linksherzinsuffizienz – auch im Rahmen einer ARVC – eingesetzt.

Was für Nebenwirkungen sind zu beachten?

Nicht nur Salz (Natrium und Chlorid) und Wasser werden aus dem Körper geschleust, sondern auch andere Elektrolyte können im Übermaß verloren gehen: Kalium, Calcium und Magnesium. Es kommt daher häufig zu Muskelkrämpfen. Leberwerte, Blutfette, Blutglucose oder Harnsäurewerte können dagegen ansteigen. Die Kontrolle der Elektrolyte und des Blutbildes wird regelmäßig empfohlen.
Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, Kopfschmerzen, Schwindel und ein niedriger Blutdruck sind weitere mögliche Nebenwirkungen.

Kann man solche Diuretika dauerhaft einnehmen?

Bei längerfristiger Einnahme kann es passieren, dass die Nieren nicht mehr ausreichend reagieren. Dann wird eine andere Sorte eines entwässernden Medikaments zusätzlich verordnet, um die Wirkung wiederherzustellen.


Ivabradin

Wie wirkt Ivabradin?

Ivabradin senkt gezielt die Herzfrequenz, die bei einer Herzinsuffizienz häufig erhöht ist. Es wird eingesetzt, um das Herz vor dauerhaft zu hohen Herzfrequenzen (≥ 75/ min) zu schützen und damit zu entlasten. Ivabradin greift am Sinus-Knoten an und blockiert dort Ionenkanäle, die für die Erregungsbildung zuständig sind. Es verlangsamt dadurch den Herzschlag, lässt aber – im Gegensatz zu Betablockern – den Blutdruck unbeeinflusst.

Was gibt es für Nebenwirkungen?

Herzfrequenz und Herzrhythmus sollten engmaschig überwacht werden. Bei Vorhofflimmern darf Ivabradin nicht eingesetzt werden. Die Herzfrequenz kann zu stark gesenkt werden, ebenso können Vorhofflimmern und andere Herzrhythmusstörungen auftreten. Häufig treten, v.a. zu Beginn der Therapie, Kopfschmerzen auf, die sich im weiteren Verlauf meist geben. Auch lichtbedingte Sehstörungen verschwinden meist während der Behandlung.


Digitalisgylkoside – Digoxin, Acetyldigoxin, Metildigoxin, Digitoxin

Digitalisglykoside sind hochaufgereinigte, pflanzliche Stoffe aus dem Fingerhut (Digitalis). Früher wurden sie standardmäßig zur Behandlung einer Herzinsuffizienz eingesetzt. Heute spielen sie eine untergeordnete Rolle, da sich die Herzinsuffizienz- Therapie grundlegend verändert hat.

Sie sorgen dafür, dass das Herz kräftiger schlägt. Dadurch verbessern sie die Auswurfleistung, damit auch Beschwerden und Belastbarkeit und letztendlich die Lebensqualität. Sie hatten in Studien allerdings keinen Einfluss auf die Lebenszeit, wirken also rein symptomatisch.

Ihre Vorzüge liegen allgemein in der Therapie von Arrhythmien im Vorhof – Tachykardien im Ventrikel gelten als Kontraindikation. Da sie die Erregbarkeit der Herzmuskelzellen steigern, kann eine verstärkte Extrasystolie ausgelöst werden.

Die therapeutische Breite ist sehr gering, was bedeutet, dass das Fenster zwischen Wirkung und (gravierenden) Nebenwirkungen schmal ist – es kommt leicht zu einer Über- oder Unterdosierung. Deshalb ist eine engmaschige Blutspiegelkontrolle erforderlich.

Bei ARVC kommen Digitalisglykoside in der Regel nicht zum Einsatz.


Isosorbiddinitrat (ISDN)

Wie wirkt ISDN?

ISDN gehört zu den sogenannten „Nitraten“. Im Körper wird daraus Stickstoffmonoxid freigesetzt. Das entspannt die glatte Muskulatur – die Gefäße werden weiter. Dadurch verbleibt mehr Blut in ihnen, der Rückstrom zum Herzen wird geringer. Damit sinkt auch der Druck auf das Herz.

Das ist angesichts der Krankheitsentstehung einer ARVC besonders interessant. Insbesondere der rechte Vorhof wird entlastet und weniger stark gedehnt – ein gewünschter Effekt. Auch der Energieverbrauch des Herzens sinkt. Durch die Gefäßerweiterung muss das Herz außerdem auch gegen einen geringeren Widerstand anpumpen.

Wann wird ISDN eingesetzt? Was für eine Rolle spielt es bei ARVC?

Normalerweise wird ISDN vor allem bei Patienten eingesetzt, die an koronarer Herzkrankheit und entsprechenden Beschwerden leiden.
Auch bei ARVC kann es vermutlich hilfreich sein. So wird ISDN im > Experten-Konsens als mögliche Maßnahme bei Rechtsherzinsuffizienz genannt („… kann erwogen werden“). Auch könnte es möglicherweise vorbeugend zum Einsatz kommen, um einen Krankheitsausbruch hinauszögern (Siehe hierzu: Posterpräsentation von Dr. Larissa Fabritz).

Was für Nebenwirkungen können auftreten?

Die meisten Nebenwirkungen lassen sich durch den gefäßerweiternden Effekt erklären. Sehr häufig kommt es bei der Einnahme zu Kopfschmerzen. Durch ein Absinken des Blutdrucks kann in Folge der Herzschlag schneller werden (ein automatischer Mechanismus des Körpers). Schwindel, Müdigkeit und Schwäche sind ebenfalls mögliche Nebenwirkungen.

Was ist eine Toleranzentwicklung?

Bei der regelmäßigen Einnahme von ISDN kann es passieren, dass der Körper sich daran gewöhnt und nicht mehr entsprechend auf das Medikament reagiert (Toleranz). Um das zu vermeiden, werden z.B. Retard-Tabletten bei zweimal täglicher Einnahme in einem Abstand von maximal 6 h eingenommen, um anschließend ein therapiefreies Intervall (bis zum nächsten Tag) zu ermöglichen. So kann die Wirkung erhalten bleiben.

 


Antikoagulantien (“Blutverdünner”)

Blutverdünnende Medikamente werden dann notwendig, wenn die Gefahr besteht, dass sich Gerinnsel bilden, die sich ggf. lösen und Gefäße verstopfen können. Mit verschiedenen – neuen und älteren – Wirkstoffen kann man in bestimmte Schritte der Blutgerinnungskaskade eingreifen. Dadurch entsteht der gewünschte Effekt: das Blut klumpt weniger gut zusammen, die Blutgerinnung wird erschwert. Nachteil: die Blutungsneigung nimmt im ganzen Körper zu. Dies kann, je nach Präparat und Dosierung, das Risiko für Blutungen im Magen-Darm-Trakt oder im Gehirn erhöhen. Wichtig sind hier eine individuelle, dem Risiko angepasste Auswahl und Dosierung des Medikaments.