Diagnose

Diagnose

Folgende Untersuchungen sind normalerweise Standard, um die Diagnose ARVC zu stellen:
– Elektrokardiogramm (EKG), möglichst 12-Kanal-EKG, evtl. signal-gemitteltes EKG
– Ergometrie (Belastungs-EKG, Stresstest)
– Echokardiographie (Herz-Ultraschall)
– Magnetresonanztomografie vom Herz (MRT), auch Magnetic Resonance Imaging (MRI)
– bei Plötzlichem Herztod: Obduktion (im Idealfall molekulare Autopsie)

Folgende Untersuchungen sind zur Sicherung der Diagnose in der Regel empfehlenswert:
– Gentest (DNA-Analyse)

Folgende Untersuchungen sind normalerweise Standard, um die Diagnose ARVC zu stellen:
– Angiokardiographie
– Herzbiopsie

1. EKG (Elektrokardiogramm)

Viele ARVC-Patienten weisen EKG-Anomalien auf
– T-Welleninversion in den Ableitungen V1 bis V3 (rechtspräkordiale T-Negativierung) im Alter von > 14 Jahren, ohne kompletten Rechtsschenkelblock; tritt nur bei 1% der Gesunden auf)
– QRS-Komplex verbreitert in V1 bis V3 (> 110 ms)
– Epsilon-Welle (auch Epsilon-Potential) in V1 bis V3 terminale Kerbe am Ende des QRS-Komplexes im aufsteigenden Teil der S-Zacke bessere Darstellung im signalgemittelten EKG verursacht durch verlangsamte intraventrikuläre Reizleitung nur bei fortgeschrittener ARVC
– monomorphe ventrikuläre Arrhythmien bzw. Tachykardien (VT, Kammertachykardien) mit linksschenkelblockartiger Konfiguration (Ursprung der ektopischen Schläge ist oft das sogenannte Dreieck der Dysplasie zwischen Infundibulum des RV, RV-Ausflusstrakt und seitlicher Herzspitze des RV)

1.1. 12-Kanal-Oberflächen-EKG
EKG mit sechs Extremitäten- (I, II, III, aVR, aVL, aVF) und sechs Brustwandableitungen (V1-V6)

1.2. Signalgemitteltes EKG (engl. signal averaged electrocardiogram, SAECG)
Hochauflösendes EKG (erkennt besonders gut Spätpotentiale/Epsilonwellen)
Einschätzung des Arrhythmierisikos

1.3 Ergometrie (Belastungs-EKG, Stresstest)
– EKG-Registrierung unter körperlicher Belastung (z.B. auf einem Fahrrad-Ergometer oder einem Laufband)
– Kontinuierliche Steigerung der Wattzahl
– Auftreten von ARVC-typischen Arrhythmien/Tachykardien bei zunehmnder körperlicher Anstrengung

1.4. Langzeit-EKG
– Tragbares EKG (Aufzeichnung über ca. 24 – 48h unter Alltagsbedingungen)
meist computergestützte Auswertung
– Registrierung der niedrigsten/mittleren/höchsten Herzfrequenz
– Registrierung der Häufigkeit von Rhythmusstörungen und Korrelation mit Tätigkeiten/Aktivität

2. Echokardiogramm (kurz: Echo) / Herz-Ultraschall

Die Echokardiographie wird in der Regel transthorakal (von außen über den Brustkorb) durchgeführt. Folgende Befunde können durch die Echokardiographie erhoben werden bzw. Anzeichen für eine rechtsventrikuläre Dysfunktion darstellen:
– Dilatation (Vergrößerung bzw. Erweiterung) des rechten Ventrikels (RV)
– Hypokinesie/Dyskinesie (Bewegungsarmut/Wandbewegungsstörung) des RV
– Akinesie (Wandstarre) des RV
– Aneurysma (dünne Aussackung) der freien Wand des RV
– Dilatation (Vergrößerung bzw. Erweiterung) des rechten Vorhofs (RA)
– TAPSE (systolische Vorwärtsbewegung des Trikuspidalanulus, des Rings der Trikuspidalklappe zwischen RA und RV)
– Dilatation (Erweiterung) des Trikuspidalklappenanulus
– Schweregrad der Trikuspidalklappeninsuffizienz
– Dyskinesie/Hypokinesie (Bewegungsstörungen/Bewegungsarmut) des Septums (der Herzscheidewand)
– Paradoxe Bewegung des Septums zwischen den Kammern
– Rechtsventrikulärer Tei-Index (englisch myocardial performance index MPI): globaler systo-lischer und diastolischer Funktionsparameter für den RV, mit Messung der Trikuspidalklap-penverschlusszeit und der Ejektionsfraktion des RV
– Herzfrequenzvariabilität
– Ejektionsfraktion EF (Auswurffraktion) des rechten Ventrikels erniedrigt (Marker für die Herzfunktion)

Im fortgeschrittenen Stadium können diese Veränderungen auch im linken Ventrikel auftreten.

3. MRT (Magnetresonanztomographie)

– Vergrößerte rechte (später auch linke) Herzkammer
– Ausdünnung/Aussackung der freien rechten Herzwand (Dilatation/Aneurysma)
– Bewegungsarmut/Bewegungsstörung der Kammerwand (Akinesie/Dyskinesie)
– Paradoxe Bewegung des Septums zwischen den Kammern
– Sichtbarmachen der fettigen Einlagerungen im Herzmuskel

4. Genetische Testung

– Untersuchung einer Blutprobe auf für ARVC typische Genveränderungen (genetische Mutationen)
– Nur in dafür zertifizierten Labors!
– In Kombination mit genetischer Beratung
– Wird von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) 2015 mit dem höchsten Empfehlungsgrad versehen (Maßnahme wird empfohlen und sollte durchgeführt werden)

> Mehr Infos zu Genetik

5. Herzmuskelbiopsie

Entnahme einer Gewebeprobe aus dem Herzmuskel (wird nur selten durchgeführt)

6. Autopsie (Obduktion)

– Untersuchung des Herzens nach einem plötzlichen Herztod durch den Pathologen
– Typische Durchsetzung des Herzmuskelgewebes mit Bindegewebe und Fett
– Veränderungen der Kammerwand (wie oben beschrieben)
– Vorsicht! Ergebnis kann dem Bild einer früher durchgemachten Herzmuskelentzündung ähneln!
– Sollte bei plötzlichem Herztod, vor allem bei jungen Patienten (jünger als 40 bis 50 Jahre), immer durchgeführt werden!

 

Wir verweisen an dieser Stelle auch auf die Vortragsfolien des Kurzvortrags “Diagnose”, der von Prof. Dr. Thomas Wichter (Niels-Stensen-Kliniken, Marienhospital Osnabrück, Klinik für Innere Medizin und Kardiologie) im Rahmen des Symposiums “ARVC-Selbsthilfe trifft Fachwissen” am 23. Februar 2019 gehalten wurde.
> Vortragsfolien (PDF)

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