Magnesium und Kalium

Einnahme von Magnesium und Kalium

Bei individuellen Fragen zur Verwendung von Medikamenten und Präparat-Empfehlungen (Kapseln, Pulver, Magnesium mit/ohne Kalium, welche Verbindung, günstiger/teurer), wenden Sie sich gerne an unsere beratende Pharmazeutin unter medikamente@arvc-selbsthilfe.org.

 

Wie wirkt Magnesium auf das Herz?

Magnesium hat membranstabilisierende Eigenschaften, die Zelle wird also weniger leicht erregt (z.B. auch durch unerwünschte Extra-Erregungen). Außerdem vermindert es die Freisetzung erregungsfördernder Botenstoffe (z.B. Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol), die maßgeblich an der Arrhythmie-Entstehung beteiligt sind. Die Einnahme von Magnesium zur Vorbeugung von Arrhythmien ist also durchaus sinnvoll.
Bei Herzrhythmusstörungen ist eine kombinierte Einnahme von Magnesium und Kalium anzuraten. Sie wirken additiv und haben sich in Bezug auf die Verminderung ventrikulärer Extrasystolen als wirksam erwiesen.

– Wichtiges im Vorfeld:
Wichtig ist eine vorherige Laborkontrolle. Keine Einnahme ohne ärztliche Absprache! U.a. sind Medikamente, die den Kaliumspiegel erhöhen (z.B. ACE-Hemmer, “Sartane”, Aldosteronantagonisten) und Nierenfunktion zu berücksichtigen.
Zur Vorbeugung von Arrhythmien ist ein Kalium-Spiegel im hochnormalen Bereich anzustreben (4-5mmol/l).

– Unterstützende Wirkung bei Antiarrhythmika:
Bei Einnahme von Antiarrhythmika (Sotalol, Amiodaron) und anderen QT-Zeit-verlängernden Medikamenten besteht die Gefahr, dass unerwünschte, gefährliche Herzrhythmusstörungen auftreten. Magnesium und Kalium wirken hier vorbeugend und können dazu beitragen, das Herz weniger anfällig für diese unerwünschte Nebenwirkung zu machen.

– Welche Verbindung ist die Beste?
Nach aktuellem Wissensstand werden alle Verbindungen vom Körper aufgenommen, da sie im Magen-Darm-Trakt gelöst werden und das reine Magnesium-Ion in den Körper gelangt.
Die verschiedenen Sorten werden allerdings unterschiedlich schnell aufgenommen: Während Magnesiumcitrat, -orotat oder -aspartat schnell ins Blut aufgenommen und auch rasch wieder ausgeschieden werden, wird das häufig zu günstigem Preis angebotene Magnesiumoxid über einen längeren Zeitraum freigesetzt. Da die Magen-Darm-Passage individuell unterschiedlich lange dauert (1-3 Tage), können sich beim Oxid größere Schwankungen in der Aufnahme ergeben. Dass z.B. Magnesium-Citrat eine bessere Bioverfügbarkeit hat als das schwerer lösliche Magnesiumoxid, ist eine gängige, aber auch immer wieder umstrittene Annahme. Auch die Arzneiformulierung (Pulver zum Auflösen, Tablette, Kapseln) dürfte hier eine Rolle spielen.

– Besonderheiten von Magnesiumorotat:
Magnesiumorotat hat in einer Studie mit Herzinsuffizienz-Patienten gute Effekte gezeigt (erhöhte Überlebensrate, Verbesserung von Beschwerden), soll kardioprotektiv wirken, die Muskelkontraktilität verbessern, den Energiehaushalt im Herzen positiv beeinflussen und dazu verhelfen, Magnesium in der Zelle zu binden. Ob die Eigenschaften anderen Magnesiumverbindungen überlegen sind, lässt sich nicht ableiten, da entsprechende Vergleichsstudien fehlen.

 

Tipps zur Einnahme

Bei oraler Einnahme von Magnesium kann es als Nebenwirkung zu Durchfällen kommen, da vermehrt Wasser im Darm gebunden wird. Der Effekt ist dosisabhängig. Bei unerwünschten Nebenwirkungen wie Durchfall kann man versuchen, die Dosis zu reduzieren oder eine andere Verbindungen auszuprobieren. Damit möglichst viel Magnesium in den Körper transportiert wird und nicht im Darm verbleibt, empfiehlt es sich, kleine Mengen über den Tag verteilt einzunehmen, bzw. eine individuell verträgliche Dosis zu ermitteln. Fett und andere Stoffe können die Magnesium-Aufnahme behindern. Deshalb wird Magnesium optimalerweise ca. 1/2h vor den Mahlzeiten eingenommen (Vorsicht mit Sotalol und anderen Arzneimitteln, die ebenfalls vor dem Essen eingenommen werden sollen, hier dann lieber zu oder nach dem Essen einnehmen. Bei ohnehin kleinen Mengen ist die Aufnahme auch dann gewährleistet).

– Geeignete Produkte:
Gut geeignet sind niedrig dosierte Präparate aus der Apotheke, die teilweise sogar als Arzneimittel zugelassen sind. Soll es doch die höhere Dosierung in Pulverform sein, kann auch eine Tagesportion im Wasser gelöst und über den Tag verteilt getrunken werden (Aufbewahrung im Kühlschrank).
Produkte aus der Drogerie sind nicht grundsätzlich schlecht, allerdings findet sich hier überwiegend das günstigere Magnesiumoxid oder -carbonat. Die meisten Präparate enthalten eine Vielzahl zusätzlicher Vitamine und Zusatzstoffe, die nicht nötig sind und ggf. Wechselwirkungen mit Medikamenten hervorrufen können.
Zu beachten sind auch teils sehr hohe Einzeldosierungen, die schlecht in mehrere Portionen aufteilbar sind. Kombinationspräparate mit Kalium gibt es kaum bis gar nicht.

– Individuelle Erfahrungen unserer Mitglieder:
Einige unserer Mitglieder haben gute Erfahrungen mit der täglichen Einnahme von Magnesium und Kalium gemacht und berichten über weniger Arrhythmien, seit sie es regelmäßig (meist zusätzlich zu anderen Medikamenten) einnehmen. Andere Mitglieder verwenden Magnesium nicht dauerhaft, sondern “prophylaktisch”, z.B. bei körperlicher Anstrengung oder auf Reisen. Die Einnahme sollte auf alle Fälle mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

 

Fazit

– Kombinierte Magnesium-/ Kalium-Einnahme kann helfen, den Herzrhythmus zu stabilisieren
– Bei Einnahme von Antiarrhythmika (Sotalol, Amiodaron): Magnesium und Kalium können gefährlichen Arrhythmien vorbeugen
– Vor regelmäßiger Einnahme: Laborkontrolle beim Arzt, um Nierenfunktion und aktuelle Elektrolytspiegel zu überprüfen
– Alle gängigen Magnesiumverbindungen kommen im Körper an, aber in unterschiedlicher Geschwindigkeit
– Schneller lösliche Verbindungen gelten allgemein als verträglicher (z.B. Citrat, Aspartat, Orotat)
– Empfehlung: am besten über den Tag verteilt kleine Mengen, ca. 1/2h vor den Mahlzeiten