Magnesium und Kalium

Einnahme von Magnesium und Kalium

Immer wieder erreichen uns Anfragen, ob bestimmte Nahrungsergänzungsmittel bei ARVC empfehlenswert sind. Während die Datenlage für die meisten Stoffe unzureichend ist, sind die Elektrolyte Magnesium und Kalium in der Behandlung von Herzrhythmusstörungen etabliert. Was dabei zu beachten ist, erfahren Sie auf dieser Seite. 

Nicht nur Bananen sind reich an Kalium.

 

Bei individuellen Fragen zu geeigneten Magnesium- und Kaliumpräparaten, Rund um Einnahme oder Wechselwirkungen, wenden Sie sich gerne an unsere beratende Pharmazeutin unter medikamente@arvc-selbsthilfe.org.

Hier gelangen Sie zu einem zusammenfassenden > Fazit.

 

Wie wirkt Magnesium auf das Herz?

Magnesium hat membranstabilisierende Eigenschaften, die Zelle wird also weniger leicht erregt (z.B. auch durch unerwünschte Extra-Erregungen). Außerdem vermindert es die Freisetzung erregungsfördernder Botenstoffe (z.B. Adrenalin, Noradrenalin, Cortisol), die maßgeblich an der Arrhythmie-Entstehung beteiligt sind.

Ist eine Einnahme von Magnesium in jedem Fall sinnvoll?

Die Einnahme von Magnesium kann helfen, Herzrhythmusstörungen vorzubeugen. Vorab sollte mit dem Arzt Rücksprache gehalten werden. Hinweis: ein normaler Magnesiumspiegel im Blut schließt einen Mangel in den Zellen nicht aus, da der Körper über Mechanismen verfügt, den Wert im Blut konstant zu halten.

Ist eine Einnahme von Kalium sinnvoll?

Kalium und Magnesium ergänzen sich in ihrer Wirkung. Im Bezug auf die Verminderung ventrikulärer Extrasystolen hat sich diese Kombination als besonders wirksam erwiesen.
Wichtig ist allerdings eine vorherige Laborkontrolle (Elektrolyte, Nierenfunktion) und Rücksprache mit dem Arzt. Einige Medikamente können den Kaliumspiegel zusätzlich erhöhen (z.B. ACE-Hemmer, “Sartane”, Aldosteronantagonisten) – und das kann gefährlich werden: die Erregbarkeit der Zellen wird zu stark herabgesetzt, das Herz wird langsamer, es kommt im schlimmsten Fall zum Herzstillstand.

Wie hoch sollte der Kaliumspiegel sein?

Der Referenzbereich für Kalium im Blut liegt für einen Erwachsenen bei 3,6 – 5,2 mmol/L. Liegt der Kaliumspiegel darunter, spricht man von einer Hypokaliämie. Liegt er darüber, von einer Hyperkaliämie. Zur Vorbeugung von Arrhythmien ist ein Kaliumspiegel im hochnormalen Bereich anzustreben (4-5 mmol/L).

Welche Lebensmittel sind reich an Kalium?

Klassiker ist hier die Banane. Aber auch andere Obst- und Gemüsesorten enthalten viel Kalium: z.B. Aprikosen, Orangen, Paprika oder auch alle Speicherknollen, wie Kartoffeln, Fenchel, Karotten, Sellerie. Nüsse und Kerne, wie Cashewkerne, Haselnüsse oder Mandeln können ebenfalls zur Kaliumversorgung beitragen. Trockenobst, wie getrocknete Aprikosen, eignet sich auch gut als kleiner “Notfall-Vorrat” für zuhause. Weitere Informationen zum Thema Kalium und Deckung des Tagesbedarfs: > Deutsche Gesellschaft für Ernährung.

Warum ist ein ausgeglichener Magnesium- und Kaliumspiegel bei Einnahme von Antiarrhythmika besonders wichtig?

Bei Einnahme von Antiarrhythmika (z.B. Sotalol, Amiodaron) und anderen QT-Zeit-verlängernden Medikamenten besteht die Gefahr, dass unerwünschte, gefährliche Herzrhythmusstörungen auftreten. Magnesium und Kalium wirken hier vorbeugend und können dazu beitragen, das Herz weniger anfällig für diese unerwünschte Nebenwirkung zu machen.

Welche Magnesium-Verbindung ist die Beste?

Dieses Thema wird immer wieder diskutiert. Dass z.B. Magnesium-Citrat eine bessere Bioverfügbarkeit hat als das schwerer lösliche Magnesiumoxid, ist eine gängige, aber auch immer wieder umstrittene Annahme. Nach aktuellem Wissensstand werden alle Verbindungen vom Körper aufgenommen, da sie im Magen-Darm-Trakt gelöst werden und das reine Magnesium-Ion in den Körper gelangt. Die verschiedenen Sorten werden anscheinend aber unterschiedlich schnell aufgenommen: während Magnesiumcitrat, -orotat oder -aspartat schnell ins Blut gelangen, wird das häufig zu günstigem Preis angebotene Magnesiumoxid über einen längeren Zeitraum freigesetzt.

Ist speziell Magnesium-Orotat besser als andere Verbindungen?

Magnesiumorotat hat in einer kleinen Studie (MACH-Studie) mit schwer erkrankten Herzinsuffizienz-Patienten gute Effekte gezeigt (u.a. erhöhte Überlebensrate und Verbesserung der Lebensqualität). Es soll kardioprotektiv wirken, die Muskelkontraktilität verbessern, den Energiehaushalt im Herzen positiv beeinflussen und dazu verhelfen, Magnesium in der Zelle zu binden. Ob die Eigenschaften anderen Magnesiumverbindungen überlegen sind, lässt sich daraus nicht ableiten, da entsprechende Vergleichsstudien fehlen.

Was für Nebenwirkungen können bei Einnahme von Magnesium-Präparaten auftreten?

Bei Einnahme von Magnesium kann es als Nebenwirkung zu Durchfall kommen, da vermehrt Wasser im Darm gebunden wird. Der Effekt ist dosisabhängig: je mehr Magnesium, desto stärker. Die Empfindlichkeit ist individuell und hängt u.a. damit zusammen, wie gut der Körper mit Magnesium versorgt ist. Das kann sich im Verlauf einer längerfristigen Einnahme ändern. Tritt diese Nebenwirkung auf, kann es helfen, die Dosis zu reduzieren oder eine andere Verbindung auszuprobieren. Damit möglichst viel Magnesium in den Körper transportiert wird und nicht im Darm verbleibt, empfiehlt es sich außerdem, kleine Mengen über den Tag verteilt einzunehmen. Magnesium wird optimalerweise zwischen den Mahlzeiten (bis ca. 1/2h vorher) eingenommen. Das gilt v.a. für Magnesiumoxid, da dieses durch die Magensäure erst aufgeschlossen werden muss. Fett und andere Stoffe können die Magnesium-Aufnahme behindern.

Vorsicht mit Sotalol, L-Thyroxin und anderen Arzneimitteln, die ebenfalls vor dem Essen eingenommen werden: hier gibt es teilweise Wechselwirkungen – ein ausreichender Abstand sollte unbedingt eingehalten werden. Bei Unsicherheit fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, oder wenden Sie sich an medikamente@arvc-selbsthilfe.org.

Welche Präparate können empfohlen werden?

Für den langfristigen Einsatz sind niedrig dosierte Präparate, z.B. aus der Apotheke, gut geeignet. Einige davon sind sogar als Arzneimittel zugelassen und damit auch speziell für den therapeutischen Einsatz ausgelegt. Hoch dosierte Präparate in Pulverform zum Auflösen können im Wasser gelöst und über den Tag verteilt getrunken werden (Aufbewahrung im Kühlschrank). Sie sind oft eher dafür konzipiert, in kurzer Zeit viel Magnesium zuzuführen (Zielgruppe Sportler).
Produkte aus der Drogerie sind nicht grundsätzlich schlecht. Die meisten Präparate enthalten allerdings eine Vielzahl zusätzlicher Vitamine und Zusatzstoffe, die nicht nötig sind und ggf. Wechselwirkungen mit Medikamenten hervorrufen können. Hier muss man sich darüber im Klaren sein, ob man die zusätzlichen Stoffe duldet, für notwendig hält, oder ablehnt. Auch findet sich hier überwiegend – aber nicht nur – das günstigere Magnesiumoxid oder -carbonat. Zu beachten sind auch teils sehr hohe Einzeldosierungen, die sich schlecht in mehrere Portionen aufteilen lassen.

Gibt es Erfahrungen von Mitgliedern der ARVC-Selbsthilfe?

Einige unserer Mitglieder haben gute Erfahrungen mit der täglichen Einnahme von Magnesium und Kalium gemacht und berichten über weniger Arrhythmien, seit sie es regelmäßig (meist zusätzlich zu anderen Medikamenten) einnehmen. Andere Mitglieder verwenden Magnesium nicht dauerhaft, sondern “prophylaktisch”, z.B. bei körperlicher Anstrengung oder auf Reisen. Die Einnahme sollte auf alle Fälle mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

 

Fazit

  1. Kombinierte Magnesium-/ Kalium-Einnahme kann helfen, den Herzrhythmus zu stabilisieren
  2. Bei Einnahme von Antiarrhythmika (Sotalol, Amiodaron): Magnesium und Kalium können gefährlichen Arrhythmien vorbeugen
  3. Vor regelmäßiger Einnahme: Laborkontrolle beim Arzt, um Nierenfunktion und aktuelle Elektrolytspiegel zu überprüfen
  4. Alle gängigen Magnesiumverbindungen kommen im Körper an, aber in unterschiedlicher Geschwindigkeit
  5. Schneller lösliche Verbindungen gelten allgemein als verträglicher (z.B. Citrat, Aspartat, Orotat)
  6. Empfehlung: über den Tag verteilt kleine Mengen, zwischen den Mahlzeiten – sofern dies nicht mit der Einnahme anderer Medikamente kollidiert