Magnesium und Kalium

Einnahme von Magnesium und Kalium

Immer wieder erreichen uns Anfragen, ob bestimmte Nahrungsergänzungsmittel bei ARVC empfehlenswert sind. Während die Datenlage für die meisten Stoffe unzureichend ist, sind die Elektrolyte Magnesium und Kalium in der Behandlung von Herzrhythmusstörungen etabliert. Was dabei zu beachten ist, erfahren Sie auf dieser Seite. 

Nicht nur Bananen sind reich an Kalium.

Bei individuellen Fragen zu geeigneten Magnesium- und Kaliumpräparaten, Rund um Einnahme oder Wechselwirkungen, wenden Sie sich gerne an unsere beratende Pharmazeutin unter medikamente@arvc-selbsthilfe.org. Hinweis: Dies ist ein Angebot nur für ARVC-Patienten/ – innen.

Hier gelangen Sie zu einem zusammenfassenden > Fazit.

 

Die Einnahme von Magnesium kann helfen, Herzrhythmusstörungen vorzubeugen. Vorab sollte mit dem Arzt Rücksprache gehalten werden. Hinweis: ein normaler Magnesiumspiegel im Blutserum schließt einen Mangel in den Zellen nicht aus, da der Körper über Mechanismen verfügt, den Wert im Blut konstant zu halten.

Der Referenzbereich für Kalium im Blut liegt für einen Erwachsenen bei 3,6 – 5,2 mmol/L. Liegt der Kaliumspiegel darunter, spricht man von einer Hypokaliämie. Liegt er darüber, von einer Hyperkaliämie. Zur Vorbeugung von Arrhythmien ist ein Kaliumspiegel im hochnormalen Bereich anzustreben (4-5 mmol/L).

Kalium und Magnesium ergänzen sich in ihrer Wirkung. Die Kombination aus beiden Mineralstoffen kann helfen, ventrikuläre Extrasystolen zu reduzieren. Es ist also eine Überlegung wert, zusätzlich zu Magnesium auch Kalium zu substituieren  - oder eben umgekehrt. Manche Betroffene nehmen auch keine speziellen Präparate ein, sondern bemühen sich um eine kaliumreiche Ernährung.
Ob das ausreichend ist, um den Kaliumspiegel im oberen Normbereich zu halten, lässt sich am besten durch eine Laborkontrolle (Elektrolyte, Nierenfunktion) beim Arzt herausfinden.

Kaliumpräparate sollten nicht "ins Blaue hinein" eingenommen werden. Ein Zuviel an Kalium kann nämlich auch gefährlich werden: die Erregbarkeit der Zellen wird zu stark herabgesetzt, das Herz wird langsamer, es kommt im schlimmsten Fall zum Herzstillstand. Über die Ernährung alleine ist eine solche Überdosierung nicht zu erreichen.

Auch einige Medikamente können den Kaliumspiegel erhöhen (z.B. ACE-Hemmer, “Sartane”, Aldosteronantagonisten). Hier ist eine Kontrolle in regelmäßigen Abständen sinnvoll -  nicht nur wenn es um die Frage geht, ob zusätzliches Kalium hilfreich sein könnte.

Bananen, aber auch andere Obst- und Gemüsesorten enthalten viel Kalium: z.B. Aprikosen, Orangen, Paprika oder auch alle Speicherknollen, wie Kartoffeln, Fenchel, Karotten, Sellerie. Nüsse und Kerne, wie Cashewkerne, Haselnüsse oder Mandeln können ebenfalls zur Kaliumversorgung beitragen. Trockenobst, wie getrocknete Aprikosen, eignet sich auch gut als kleiner “Notfall-Vorrat” für zuhause. Weitere Informationen zum Thema Kalium und Deckung des Tagesbedarfs gibt es hier: > Deutsche Gesellschaft für Ernährung.

Bei Einnahme von Antiarrhythmika (z.B. Sotalol, Amiodaron) und anderen QT-Zeit-verlängernden Medikamenten besteht die Gefahr, dass unerwünschte, gefährliche Herzrhythmusstörungen auftreten. Magnesium und Kalium wirken hier vorbeugend und können dazu beitragen, das Herz weniger anfällig für diese unerwünschte Nebenwirkung zu machen.

Dieses Thema wird immer wieder diskutiert. Dass z.B. Magnesium-Citrat eine bessere Bioverfügbarkeit hat als das schwerer lösliche Magnesiumoxid, ist eine gängige, aber auch umstrittene Annahme. Nach aktuellem Wissensstand werden alle Verbindungen vom Körper aufgenommen, da sie im Magen-Darm-Trakt gelöst werden und das reine Magnesium-Ion in den Körper gelangt. Das geschieht allerdings in unterschiedlicher Geschwindigkeit: während Magnesiumcitrat, -orotat oder -aspartat schnell ins Blut gelangen, wird Magnesiumoxid über einen längeren Zeitraum freigesetzt und aufgenommen. Bei einer längerfristigen Einnahme dürften also alle Verbindungen ihren Zweck erfüllen. Trotzdem kann es Unterschiede bei der individuellen Verträglichkeit und Wirkung geben, sodass es durchaus lohnt, das für sich persönlich beste Präparat herauszufinden.

Wer durch Krankheit oder Medikamente (z.B. Magensäureblocker, wie Omeprazol oder Pantoprazol) weniger Magensäure produziert, sollte die leichter löslichen Formen, wie z.B. Magnesium-Citrat, bevorzugen.

Magnesiumorotat hat in einer kleinen Studie* mit schwer erkrankten Herzinsuffizienz-Patienten gute Effekte gezeigt (u.a. erhöhte Überlebensrate und Verbesserung der Lebensqualität). Es soll kardioprotektiv wirken, die Muskelkontraktilität verbessern, den Energiehaushalt im Herzen positiv beeinflussen und dazu verhelfen, Magnesium in der Zelle zu binden. Ob die Eigenschaften anderen Magnesiumverbindungen überlegen sind, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten, da entsprechende Vergleichsstudien fehlen.

*Magnesium orotate in severe congestive heart failure (MACH).
Stepura OB, Martynow AI. in: International Journal of Cardiology 2009; 134(1):145-7

Bei Einnahme von Magnesium kann es als Nebenwirkung zu Durchfall kommen, da vermehrt Wasser im Darm gebunden wird. Der Effekt ist dosisabhängig: je mehr Magnesium, desto stärker. Die Empfindlichkeit ist individuell und hängt u.a. damit zusammen, wie gut der Körper mit Magnesium versorgt ist. Das kann sich im Verlauf einer längerfristigen Einnahme ändern. Tritt diese Nebenwirkung auf, kann es helfen, die Dosis zu reduzieren oder eine andere Verbindung auszuprobieren. Damit möglichst viel Magnesium in den Körper transportiert wird und nicht im Darm verbleibt, empfiehlt es sich außerdem, kleine Mengen über den Tag verteilt einzunehmen. Magnesium wird optimalerweise zwischen den Mahlzeiten (bis ca. 1/2h vorher) eingenommen. Das gilt v.a. für Magnesiumoxid, da dieses durch die Magensäure erst aufgeschlossen werden muss. Fett und andere Stoffe können die Magnesium-Aufnahme behindern.

Vorsicht mit Sotalol, L-Thyroxin und anderen Arzneimitteln, die ebenfalls vor dem Essen eingenommen werden: hier gibt es teilweise Wechselwirkungen – ein ausreichender Abstand sollte unbedingt eingehalten werden. Bei Unsicherheit fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, oder wenden Sie sich an medikamente@arvc-selbsthilfe.org.

Für den langfristigen Einsatz sind niedrig dosierte Präparate, z.B. aus der Apotheke, gut geeignet. Einige davon sind sogar als Arzneimittel zugelassen und damit auch speziell für den therapeutischen Einsatz ausgelegt. Hoch dosierte Präparate in Pulverform zum Auflösen können im Wasser gelöst und über den Tag verteilt getrunken werden (Aufbewahrung im Kühlschrank). Sie sind oft eher dafür konzipiert, in kurzer Zeit viel Magnesium zuzuführen (Zielgruppe Sportler).

Produkte aus der Drogerie sind nicht grundsätzlich schlecht. Hier heißt es aber: genau auf den Inhalt schauen! Die meisten Präparate enthalten weitere Vitamine und Zusatzstoffe, die nicht nötig sind und ggf. Wechselwirkungen mit Medikamenten hervorrufen können. In den günstigeren Produkten steckt zudem häufig Magnesiumoxid oder -carbonat.  Zu beachten sind auch teils sehr hohe Einzeldosierungen, die sich schlecht in mehrere Portionen aufteilen lassen. Bei Direkt-Sticks und Trinkgranulaten spielen natürlich auch der Geschmack, die verwendeten Zusatzstoffe und eine angenehme Handhabung eine Rolle.

Einige unserer Mitglieder haben gute Erfahrungen mit der täglichen Einnahme von Magnesium und Kalium gemacht und berichten über weniger Arrhythmien, seit sie es regelmäßig (meist zusätzlich zu anderen Medikamenten) einnehmen. Andere Mitglieder verwenden Magnesium nicht dauerhaft, sondern “prophylaktisch”, z.B. bei körperlicher Anstrengung oder auf Reisen. Die Einnahme sollte auf alle Fälle mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

 

Fazit

  1. Kombinierte Magnesium-/ Kalium-Einnahme kann helfen, den Herzrhythmus zu stabilisieren
  2. Bei Einnahme von Antiarrhythmika (Sotalol, Amiodaron): Magnesium und Kalium können gefährlichen Arrhythmien vorbeugen
  3. Vor regelmäßiger Einnahme: Laborkontrolle beim Arzt, um Nierenfunktion und aktuelle Elektrolytspiegel zu überprüfen
  4. Alle gängigen Magnesiumverbindungen kommen im Körper an, aber in unterschiedlicher Geschwindigkeit
  5. Schneller lösliche Verbindungen gelten allgemein als verträglicher (z.B. Citrat, Aspartat, Orotat)
  6. Empfehlung: über den Tag verteilt kleine Mengen, zwischen den Mahlzeiten – sofern dies nicht mit der Einnahme anderer Medikamente kollidiert

 

Quellen

Magnesium ist nicht gleich Magnesium
Deutsche Apotheker Zeitung, Artikel vom 19.05.2021 (Letzter Zugriff: 19.01.2022)
> zum Artikel

Magnesiummangel und Magnesiumtherapie bei Herzrhythmusstörungen
Vierling et al. in: Deutsche Medizinische Wochenschrift 2013; 138: 1165–1171
> zum Artikel

Bioverfügbarkeit von organischen und anorganischen Verbindungen
Pharmazeutische Zeitung, Artikel vom 10.02.2009 (Letzter Zugriff: 19.01.2022)
> zum Artikel

Magnesium und das Herz-Kreislauf-System
Deutsche Apotheker Zeitung 2008 (Letzter Zugriff: 19.01.2022)
> zum Artikel

Pharmakologie und Klinik der Gabe von Kalium und Magnesium
Pharmazeutische Zeitung, Artikel vom 01.07.2002 (Letzter Zugriff: 19.01.2022)
> zum Artikel

Die Bedeutung von Magnesium bei kardiovaskulären Erkrankungen
Stühlinger H.G. in: Austrian Journal of Cardiology 2002; 9 (9) 389-395
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